Opern-Inszenierung eines Kinderbuch-
Klassikers: Kästners "Pünktchen & Anton"

Stastsopern-Direktor Holender singt selbst mit Komponist Eröd: Opern-Comeback nach 40 Jahren

Opern-Inszenierung eines Kinderbuch-
Klassikers: Kästners "Pünktchen & Anton" © Bild: APA/Techt

Fünf junge Opernbesucher werden am 8. Mai möglicherweise aufgeregter sein als der Rest des Premierenpublikums. Wenn "Pünktchen und Anton" von Ivan Eröd im Kinderopernzelt der Wiener Staatsoper Uraufführung feiern wird, werden fünf Enkel des Komponisten dem Opa wohl ganz besonders die Daumen drücken.

Zwei weitere Enkerl werden der Premiere entschuldigt fernbleiben, weiß der 74-Jährige einige Tage vor dem großen Ereignis. Macht gar nichts. Schließlich sind Mitglieder der Familie Eröd immer wieder in der Staatsoper - im Zuschauerraum wie auf der Bühne.

Eine musikalische Familie
In den 60er Jahren arbeitete Ivan Eröd, der 1956 nach dem Scheitern des ungarischen Volksaufstandes als 20-Jähriger nach Österreich geflüchtet war, als Solokorrepetitor an der Staatsoper. Sein Sohn Adrian ist als Bariton eine Stütze des Staatsopernensembles und wurde zuletzt als Jason in der Uraufführung von Aribert Reimanns "Medea" gefeiert. "Musik war bei uns nie eine Dynastiefrage", sagt der Komponist. Doch die fünf Kinder von Ivan Eröd und der französischen Schauspielerin Marie-Luce Guy haben während ihres Aufwachsens wohl einiges zu hören bekommen - u.a. "Milchzahnlieder" und "Krokodilslieder" des Vaters -, und so ist es auch nicht überraschend, dass sie alle musizieren oder singen, die meisten von ihnen auch beruflich.

Comeback nach 40 Jahren
Mit der Kinderoper "Pünktchen und Anton", für die Thomas Höft nach dem Kinderbuch von Erich Kästner das Libretto geschrieben hat, gibt Eröd mehr als 40 Jahre nach seiner im Theater an der Wien uraufgeführten ersten Oper "Die Seidenraupen" (der weitere musikdramatische Werke folgten) quasi sein Comeback auf der Opernbühne. Für 6- bis 12-Jährige zu schreiben, ändere manches, sagt Eröd: "Das Zielpublikum ist ja entscheidend. Was Kinder noch nicht gelernt haben, ist Reflexion. Aber am besten kann man für Kinder komponieren, wenn man sich auch selbst als Kind fühlen kann."

Holender singt
"Pünktchen und Anton" (Regie führt Matthias von Stegmann) ist ein Auftragswerk der Staatsoper. Dass Staatsopern-Direktor Ioan Holender der Bitte Eröds nachgekommen ist, eine Rolle dabei zu übernehmen, verleiht der Produktion eine besondere Note - schließlich ist es keine stumme Rolle (wie Holenders bereits zum Klassiker gewordener "stummer Baum" in der "Zauberflöte für Kinder"), und auch keine Sprechrolle. Bariton Holender singt den vielbeschäftigten Spazierstockfabrikanten Pogge, den Vater des Pünktchen genannten Mädchens (alternierend gesungen von Daniela Fally und Teodora Gheorghiu) und nimmt, so hört man von Mitarbeitern und Besuchern der Direktionsetage, seine Aufgabe überaus ernst: "Diese Rolle ist praktisch die Hauptrolle geworden. Sie ist wirklich schwer", versicherte der Direktor unlängst bei seinem letzten Publikumsgespräch. Er fühle sich mit seinem derzeit veränderten Arbeitsrhythmus richtig an die 60er Jahre und sein damaliges Engagement am Klagenfurter Stadttheater erinnert.

Kein Kommentar vor der Premiere
Wie beurteilt der Komponist, der bei den meisten Proben zu "Pünktchen und Anton" anwesend ist und mit seiner Meinung dabei durchaus nicht hinter dem Berg hält, die Leistung des Direktors? Eröd lacht: "Ich werde mich, noch dazu vor der Premiere, sicher nicht über einzelne Künstler äußern! Schreiben Sie, dass ich mit der Besetzung und der Probenarbeit sehr zufrieden bin. Und dass die Inszenierung sehr gut zu werden verspricht."

(apa/red)