Oper von

Theater an der Wien:
Im Zentrum der Opernwelt

Oper - Theater an der Wien:
Im Zentrum der Opernwelt © Bild: APA/THEATER AN DER WIEN/HERWIG PRAMMER

Das Theater an der Wien ist für den International Opera Award in der Kategorie „bestes Opernhaus“ nominiert

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Dreizehn Jahre ist es her, dass das Theater an der Wien von der Musical-Bühne zu seiner ursprünglichen Bestimmung als Opernhaus zurückgeführt wurde. Das Geschehen auf der Bühne und im Graben rechtfertigte den Akt in jeder Hinsicht. Intendant Roland Geyer hat aus dem Haus einen der spannendsten Stagione-Betriebe gemacht. Die vergangene Saison punktete man mit exzellenten Produktionen von der Barockoper bis zur zeitgenössischen Musik, von Claus Guths Inszenierung von Georg Friedrich Händels Oratorium „Saul“ bis zu Gottfried von Einems Oper „Der Besuch der alten Dame“, die Regisseur Keith Warner als packenden Thriller umgesetzt hat.

Diese Saison blieb bisher keineswegs hinter dem Erfolg zurück. Im Gegenteil. Wie an der Produktion mit Henry Purcell Barockoper „King Arthur“, die von der Staatsoper Unter den Linden übernommen wurde, zu erleben war. Sven Eric Bechtolf und Julian Crouch zeigten das Werk als opulentes Märchen und Warnung vor dem Krieg.
Ein kleiner Bub hat seinen Vater verloren. Kampfpilot war er, von feindlichen Mächten abgeschossen. An der Trauertafel sucht der Großvater nach Trost. Die Legende von König Arthur soll den Enkel, zumindest für eine kurze Weile, in eine andere Welt führen.

Das ist der Rahmen, den Sven-Eric Bechtolf und der britische Regisseur Julian Crouch um Henry Purcells Oper legen. Das abgestürzte Flugzeug des Vaters ist im Bühnenhintergrund zu sehen. Die Familie wandelt sich in die Figuren aus der Legende. Der Vater (Michael Rothschopf) wird in der Phantasie des Buben zum Helden, der seine geliebte Braut aus den Fängen seines Widersachers Oliver (Max Urlacher) befreien will. Die ist die Mutter, die blinden Emmeline (Meike Droste) wird, in der Bühnengegenwart aber vom Hausarzt umworben wird.

Die Erzählebenen verfließen ineinander. Komik und Tragik sind eng miteinander verwoben. Gesprochen wir Deutsch, gesungen Englisch. Der Mix funktioniert dank der eindrucksvollen Bilder. In einem Wald in Sachsen tauchen Strohmänner auf, König Artus und sein Gegner sind als überdimensionale Puppengestalten zu sehen. Ein böser Zauberer (Oliver Stokowski) treibt sein Unwesen. In einem Märchenwald herrschen Nixen und Elfen.

Crouch, der bei den Salzburger Festspielen mit Brian Mertes Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“ als Spektakel inszeniert hat, zeigt auch bei Purcell, dass er weiß, wie man Magie auf einer Bühne erzeugen kann. Dass in der Koproduktion von Theater an der Wien und der Berliner Staatsoper das Musikalische (Stefan Gottfried leitet den Concentus musicus im Hintergrund bleibt, lässt sich bei der Kraft dieser Bilder vernachlässigen. Aus dem Sänger-Ensemble fällt vor allem Johannes Bamberger auf. Exzellent intonierte der Arnold Schönberg Chor.


Ebenso beachtlich ist die Schiene konzertanter Opernaufführungen, die selten, nahezu zur Gänze von den Spielplänen verschwundenen Werken gewidmet ist. Vor kurzem war in dieser Reihe Carl Maria von Webers „Peter Schmoll“ in famoser Besetzung zu hören. Neben Paul Armin Edelmann in der Titelpartie punkteten vor allem Stimmen aus dem jungen Ensemble des Theaters an der Wien. Allen voran Tenor Johannes Bamberger, der mit seinem schönen Timbre in der kleineren Rolle des Bauern Niklas auffiel. Christoph Seidl, den sein Weg vom Jungen Ensemble ans Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz geführt hat, gestaltete die Partie des linkischen Dieners Hans seinem wohltönenden Bass phänomenal und ließ sein Potential zum Wagner-Sänger hören. Nikolaus Habjan vervollkommnete das Ensemble als puppenspielender Erzähler. Roberto Paternostro zeigte eine Hand für die Romantik und führte das ORF-Radiosymphonieorchester mit feinsinnigem Esprit durch die Partitur. So funktioniert Oper konzertant, so funktioniert ein Vorzeige-Opernhaus.

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