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Pereira geht nach Mailand

Wird Intendant der weltberühmten Scala - Einstimmig vom Aufsichtsrat ernannt

Pereira Portrait © Bild: News Herrgott Ricardo

Alexander Pereira wird neuer Intendant der Mailänder Scala. Der Salzburger Festspielchef folgt ab 2015 auf Stephane Lissner, wie der Aufsichtsrat des führenden italienischen Opernhauses am Dienstag einstimmig beschlossen hat. "Er ist die Person, die unserer Ansicht nach am geeignetsten ist, unser Juwel zu verwerten", betonte der Mailänder Bürgermeister und Scala-Präsident Giuliano Pisapia. Pereiras Zukunft in Salzburg ist dagegen ungewiss. Sein Vertrag läuft bis 2016 - dass ihm das Kuratorium eine Paralleltätigkeit mit Mailand erlauben wird, ist allerdings unwahrscheinlich. Die nächste Kuratoriumssitzung ist bereits am 11. Juni.

In Mailand seien Pereiras internationale Erfahrung und seine Fähigkeit im Umgang mit Sponsoren ausschlaggebend für die Bestellung des Wieners gewesen, so Pisapia. Allerdings wird Pereira im Vergleich mit seinem Vorgänger eine Einbuße von 25 Prozent beim fixen Gehaltsanteil in Kauf nehmen müssen. Pereira, der nun frei entscheiden kann, ob er einen neuen Musikdirektor und einen künstlerischen Direktor an der Scala einsetzen will, habe sich auf die öffentlichen Ausschreibung hin um die Intendanz beworben.

Sein Amt wird er 2015 antreten - also ein Jahr, bevor sein Vertrag mit den Salzburger Festspielen endet. Ob er ihn erfüllen wird, ist allerdings fraglich. In einem ersten Kommentar sagte Heinz Schaden, Bürgermeister von Salzburg und Mitglied des Festspielkuratoriums, er könne "definitiv ausschließen, dass die Intendanz in Mailand und in Salzburg parallel gemacht werden können. In Salzburg gibt es keine Nebenbei-Festspiele." Es gehe jetzt darum, den Abschied zivilisiert über die Bühne zu bringen. Schon den Festspielsommer 2014 kann er sich unter Pereira "schwer vorstellen. Denn man darf nicht vergessen: Pereiras Arbeit für Mailand beginnt genau jetzt", so Schaden, der von einer Vertragsauflösung ausgeht.

Harnoncourt sieht kein Problem

Das tut auch Wilfried Haslauer, vom Fremdenverkehrsfonds ins Kuratorium entsandter Festspielkurator, der dem Aufsichtsgremium der Festspiele in Zukunft wahrscheinlich in der Funktion eines Landeshauptmannes angehören wird. "Eine Doppelfunktion geht nicht. Entweder oder, aber sicher nicht beides. Wenn es Pereiras Wunsch ist, in Mailand zu arbeiten, freue ich mich für ihn. Er hat in Salzburg viel Positives bewegt. Ich sehe das Ganze wenig dramatisch, die Festspiele gibt es seit mehr als 90 Jahren. Wir müssen und werden jetzt leidenschaftslos ein neues Kapitel aufschlagen", so Haslauer.

Pereira selbst hatte bisher darauf verwiesen, dass man bei seiner Bestellung in Salzburg auch nichts dagegen gehabt habe, dass er als Intendant der Zürcher Oper sein Salzburger Programm vorbereite: "Warum soll das nicht möglich sein, wenn es vorher möglich war?" Und auch Dirigent Nikolaus Harnoncourt sprang Pereira heute bei: "Bis jetzt hat noch jeder Intendant in seinem letzten Jahr noch etwas anderes gemacht." Über einen Intendanten Pereira "kann sich jedes Opernhaus die Finger abschlecken", meinte der Dirigent

Lega Nord empört

Keinerlei Kommentar zur aktuellen Entwicklung will Kulturministerin Claudia Schmied (S) abgeben. Ihr Sprecher verwies gegenüber der APA darauf, dass im Kuratorium alles Weitere besprochen werde. Pereira selbst sowie Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler sollen sich derzeit in gemeinsam in München bei der Verleihung des Siemens-Musikpreises an Mariss Jansons befinden.

In Mailand setzte sich Pereira gegen hochkarätige Kandidaten durch. Neben Pereira galten der Intendant des Piccolo Teatro in Mailand, Sergio Escobar, sowie der Intendant der Amsterdamer Oper, Pierre Audi, als Mitfavoriten im Rennen um Lissners Nachfolge. Escobar gratulierte bereits und lobte die Wahl: "Pereira ist eine Persönlichkeit mit großer Erfahrung." Die Scala und das Piccolo würden sicher eng zusammenarbeiten. Auch Italiens Vize-Kulturministerin Ilaria Borletti lobte die "Kompetenz und Manager-Erfahrung". Die rechtspopulistische Lega Nord griff dagegen zu scharfen Worten: "Heute wurde die Scala getötet. Sie ist dem reinen Geschäft geopfert und an ausländische Lobbys verschenkt worden. Wer Mailand und die Musik liebt muss gegen diesen Beschluss protestieren", betonte der Europaparlamentarier der Lega, Matteo Salvini.

Pereira will Vertrag erfüllen

Alexander Pereira möchte seinen Vertrag als Intendant der Salzburger Festspiele nicht vorzeitig auflösen. "Ich will auf jeden Fall meinen Vertrag hier erfüllen", sagte er nach dem Bekanntwerden seiner Designierung als Intendant der Mailänder Scala den "Salzburger Nachrichten" (Mittwoch-Ausgabe).

"Es würde wohl auch nicht so leicht, einen Spontannachfolger zu finden, der fertig geplante Saisonen 2013, 2014 und 2015 abwickelt. Die gültigen Verträge über die Programme liegen ja bereits vor. So etwas lässt sich doch ein neuer Intendant nicht vor die Nase setzen. Ich war fleißig und habe gut geplant. Und ich habe das Budget fixiert und will für die Zukunft auch die Sponsoren stabilisieren", so Pereira, der am Mittwochfrüh von München nach Mailand fliegen wird, in dem Interview weiter.

Doppelfunktion "geht ganz sicher"

Eine Doppelfunktion für Salzburg und Mailand "geht ganz sicher", ist Pereira überzeugt. "Ich habe ja auch von Mai 2009 bis Juli 2012 als Operndirektor in Zürich parallel für die Salzburger Festspiele gearbeitet. Ich habe viel Energie. Man kann mir alles nachsagen, aber sicher nicht, dass ich faul bin. Und man kann Opern ja auch von zu Hause aus planen."

Dass sein Salzburger Vertrag eine solche Doppelbeschäftigung ausschließe, hält er für keinen Hinderungsgrund: "Ich werde das Kuratorium bitten, diesen Passus zu ändern. Der ist ja ohnehin realitätsfremd, weil dann dürfte ich ja bis 2016 nicht einmal ein Telefonat mit einem anderen Opernhaus führen. In unserer Branche ist es üblich, dass Intendanten Jahre im Voraus planen", so Pereira in den "Salzburger Nachrichten".

"Es ist ein Geschenk"

Ihn in Salzburg vorzeitig hinauszuwerfen, "dazu besteht überhaupt kein Grund. Ich bitte alle Beteiligten, sich die Lage in aller Ruhe anzuschauen. Dann sollten wir uns zusammensetzen und uns gemeinsam überlegen, wie wir die kommenden Jahre gut über die Bühne bringen. Ich bin dazu bereit." Er gehe davon aus, "dass das Kuratorium zustimmt. Ich habe ja aus meinem Interesse an Mailand nie ein Geheimnis gemacht. Als man mir im Februar in Salzburg aber nicht sagen wollte, ob man hier meinen Vertrag über 2016 hinaus verlängern will, musste ich mich nach etwas Neuem umschauen. Ich will ja ab 2016 nicht zu Hause sitzen und die Wände anstarren."

Zu seiner neuen Tätigkeit in Mailand sagte Pereira: "Es ist ein Geschenk, dass ich in meinem Alter noch mit einer so grandiosen Aufgabe betraut werde. Ich hoffe, ich werde mich dieses Vertrauens als würdig erweisen."

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