Leben von

Sternstunden bei „Jenufa“

Ingo Metzmacher dirigiert Leos Janaceks „Jenufa“ im Repertoire der Wiener Staatsoper

Jenufa in der Wiener Staatsoper © Bild: Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Vor fünf Jahren war Angela Denoke noch in der Titelpartie von Janaceks „Jenufa“ unerreicht. Nun setzt sie neue Maßstäbe als Küsterin. Dorothea Röschmann und Christian Franz sind würdige Partner.

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Jenufa in der Wiener Staatsoper
© Wiener Staatsoper / Michael Pöhn Angela Denoka

Bewegend, erschütternd ohne Wenn und Aber auf der Bühne und im Graben so geriet Leos Janaceks „Jenufa“ unter Ingo Metzmacher. Diese Repertoire-Vorstellung ist eines der herausragendsten Ereignisse dieser Saison. Die Tragödie um eine verzweifelte Mutter, die ihre Tochter vor Unglück und Dorfschande bewahren will und deren uneheliches Kind mordet, kam in David Poutneys kluger Regie vor 15 Jahren zur Premiere. Und sie funktioniert auch bei der 32. Aufführung makellos. Die Mühle, das ärmliche Haus alles ist noch immer im besten Zustand, sogar die Lichtregie ist präzise wie am ersten Tag.

Jenufa in der Wiener Staatsoper
© Wiener Staatsoper / Michael Pöhn Dorothea Röschmann und Angela Denoka

Beste Besetzung

Anstatt auf Deutsch wird erstmals auf Tschechisch gesungen. Das klingt der Musik entsprechend, mehr lässt sich für jemanden dieser Sprache Unkundigen nicht dazu sagen. Und die Besetzung hat sich naturgemäß geändert. Und nicht zum Schlechteren, was bei der jüngsten Aufführungsgeschichte dieses Werks nicht einfach ist. Angela Denoka, die bei der Premiere und in den Folgejahren die Titelpartie idealtypisch verkörpert hat, ist nun ins ältere Fach, in die Rolle der Küsterin, Jenufas Mutter, gewechselt. Die wurde jahrelang von Agnes Baltsa geprägt. Was Denoke aus dieser stolzen Frau macht, ist unvergleichlich, innig, dramatisch agiert und intoniert sie atemberaubend. Dorothea Röschmann ist als Jenufa ins Bestverfassung. Überzeugend mit berührender Innigkeit und schön gefärbten Sopran, gibt sie die unglücklich Liebende, die verzweifelte Mutter, die ihr Kind verliert und sich am Ende mit ihrem Schicksal versöhnt.

Christian Franz ist ein Glücksfall für die schwierige Tenorpartie des Laca. Marian Talaba hat sich als Stewa bereits in früheren Vorstellungen bewährt, so auch jetzt. Auch die kleineren Partien sind beachtlich besetzt: Vor allem Aura Twarowska überzeugt als alte Burja, Annika Gerhards fällt als Jana auf.

Jenufa in der Wiener Staatsoper
© Wiener Staatsoper / Michael Pöhn Dorothea Röschmann

Philharmonische Höchstverfassung

Ingo Metzmacher führt die Wiener Philharmoniker zu Höchstleistungen. Da stimmt jeder Takt, Piani sind Piani, Pianissimi bewegen unvergleichlich. Und Metzmacher lässt die philharmonischen Soli zur Entfaltung kommen, wie das ans Überirdisch grenzende Violinsolo des Konzertmeisters Rainer Honeck.

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