Opel-Wellenbad zum Einstieg von Magna:
US-Regierung erfreut - Kritik in Deutschland

"Der Staat läuft Gefahr, sich erpressbar zu machen" Auch CSU-Mittelstand skeptisch. Freude in Österreich

Opel-Wellenbad zum Einstieg von Magna:
US-Regierung erfreut - Kritik in Deutschland © Bild: Reuters

Ein Wellenbad der Reaktionen hat die Opel-Rettung durch Magna verursacht: Während die US-Regierung und die Angela Merkel die Einigung begrüßen, erneuerte der deutsche Wirtschaftsminister Guttenberg seine Kritik am geschnürten Maßnahmenpaket. Und die deutsche CSU-Mittelstands-Union sieht darin erhebliche Gefahren für den mittelständischen Automobilzulieferer.

Die Übereinkunft sei ein positiver Schritt für die Autobranche, sagte ein hochrangiger US-Regierungsvertreter. Die Auto Task Force der Regierung werde in dieser Angelegenheit weiterhin eng mit der deutschen Bundesregierung zusammenarbeiten. Der Regierungsvertreter bestätigte, dass Bundeskanzlerin Merkel vor der Einigung mit US-Präsident Obama telefoniert hatte und bezeichnete das Gespräch als konstruktiv. Er fügte hinzu, die erzielte Vereinbarung sehe kein finanzielles Engagement der US-Regierung vor.

Guttenberg: Insolvenz bevorzugt
Der deutsche Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat hingegen seine Kritik am Rettungspaket für Opel bekräftigt. "Der Staat läuft Gefahr, sich erpressbar zu machen, wenn er einmal großzügig hilft", sagte Guttenberg der "Welt am Sonntag". Er hätte eine sogenannte Planinsolvenz dem nun geplanten Einstieg des kanadisch-österreichischen Automobilzulieferers Magna vorgezogen. "Bei der Bewertung der Risiken des vorliegenden Konzepts kam ich zu einer anderen Einschätzung als meine Kollegen", sagte Guttenberg. Alle Seiten hätten aber berechtigte Gründe für ihre jeweilige Einschätzung. "Es liegt in der Natur der Sache, dass man erst hinterher weiß, welche die richtige war," sagte er weiter.

Gefahr für Automobilzulieferer
Kritik kommt auch vom Vorsitzenden der CSU-Mittelstands-Union, Hans Michelbach, der im Opel-Rettungsplan erhebliche Gefahren für die mittelständischen Automobilzulieferer sieht. "Mit dem Einsteig des internationalen Automobilzulieferers Magna dürfte es für viele bisherige Zulieferpartner von Opel erheblich schwieriger werden, Anschlussaufträge zu erhalten. Magna wird in erster Linie an der Auslastung seiner eigenen Zulieferkapazitäten interessiert sein", warnte Michelbach in München. Ferner seien mit der jetzigen Lösung eine Rettung für Opel und die Rückzahlung der Staatshilfen keineswegs sicher.

Zufriedenheit in Wien Aspern
In Österreich herrschte allerdings Zufriedenheit mit der erzielten Einigung. Für die Magna-Zulieferbetriebe dürfte die Verflechtung mit Opel zusätzliche Chancen bringen. Auch das General-Motors Powertrain-Werk in Wien Aspern mit gut 1.500 Mitarbeitern dürfte von dem Deal eher profitieren als verlieren.

In den mehrstündigen Beratungen war in der Nacht zum Samstag ein Rettungskonzept für einen Großteil des GM-Europageschäfts, zu dem auch Opel gehört, vereinbart worden. Es sieht vor, dass der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna als Investor einsteigt. Flankiert wird dies durch eine Treuhandlösung und einen Überbrückungskredit an Opel von 1,5 Milliarden Euro, den der deutsche Staat absichert und zu dem auch Magna beiträgt. Die russische Sberbank soll an dem geplanten Unternehmen 35 Prozent übernehmen und damit einen gleich hohen Anteil wie die bisherige Opel-Mutter General Motors. Zehn Prozent sollen an Opel-Mitarbeiter gehen.

(apa/red)