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Unsicherheit bei Autobauer

GM will verlustreiche Tochter profitabler gestalten - Zukunft des Werks in Bochum offen

Opel - Unsicherheit bei Autobauer © Bild: APA/DPA/Thissen

Opel und General Motors - die unendliche Geschichte ist um ein weiteres Kapitel reicher: Nachdem die Produktion des Astra-Modells nach Polen und England verlagert wird, fürchten die Opel-Beschäftigten in Bochum weiter um ihre Arbeitsplätze. Der Erhalt des Werks in der strukturschwachen Ruhrgebietsstadt ist sehr unsicher.

Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke konnte den Arbeitnehmern die ersehnte Zusicherung nicht geben. "Wir wollen in die Gewinnzone kommen", bekräftigte der Chef des verlustreichen Autobauers. Über die Zukunft der europäischen Werke soll der Aufsichtsrat am 28. Juni entscheiden. Bis dahin will das Opel-Management mit den Arbeitnehmern weitere Einsparungen aushandeln, um die GM-Tochter profitabel zu machen.

Auch Zafira-Produktion betroffen?
Stracke bestritt, dass er die Produktion des Kompakt-Vans Zafira aus Bochum ins Stammwerk nach Rüsselsheim verlagern wolle. "Ich habe Rüsselsheim nicht den Zafira aus Bochum angeboten." Die Entscheidung, den Kompaktwagen Astra künftig nur noch in Ellesmere Port in Großbritannien und Gleiwitz in Polen bauen zu lassen, hatte Spekulationen über den Zafira Auftrieb gegeben.

Gegen eine Produktion des Familienwagens im hessischen Stammwerk sprechen nach Unternehmensangaben auch technische Gründe: Das Werk müsste teuer umgebaut werden. Es gebe andere Möglichkeiten, die Auslastung in Rüsselsheim nach dem Wegfall der Astra-Produktion zu erhöhen, betonte ein Firmensprecher. Darüber werde weiter mit dem Betriebsrat verhandelt.

Belegschaft will kämpfen
Auf der Versammlung in Bochum betonte der Betriebsratschef des Bochumer Werks die Kampfbereitschaft der Belegschaft. Die Arbeitnehmer seien zu keinen weiteren Zugeständnissen bereit, sagte Rainer Einenkel: "Wir zahlen keinen Cent für unsere Beerdigung". Der Betriebsrat verlange einen Unternehmensplan, der allen Werken eine Perspektive gebe. Falls Opel die Schließung des Standorts ankündigen sollte, "brennt zehn Minuten später die Ruhr", sagte Opel-Mitarbeiter Carsten Adametz. "Wir sind schließungsresistent."

Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft verlangte vom Opel-Management klare Aussagen zur Zukunft des Werks. Sie sei sich mit den anderen Ministerpräsidenten der Bundesländer mit Opel-Werken einig. "Wir werden Flagge zeigen", kündigte Kraft vor dem Bochumer Opel-Werk an. Bochum biete Opel zahlreiche Vorteile, betonte die SPD-Politikerin. Zudem sei das Ruhrgebiet auch ein großer Absatzmarkt für den Autobauer.

Vernünftige Lösung gesucht
Die Zeit bis zur Opel-Aufsichtsratssitzung wolle die Politik nutzen, um an Opel zu appellieren, "eine vernünftige Lösung zu finden", sagte Kraft. Dem Management bot die SPD-Politikerin ein Gespräch mit den Ministerpräsidenten über die deutschen Opel-Standorte an. Sie zeigte sich auch zu Gesprächen mit dem GM-Vorstand in Detroit bereit.

Arbeitnehmervertreter vermuten, dass das Management die Kürzungen, die mit der Belegschaft in Ellesmere Port im Gegenzug für die Astra-Zusage ausgehandelt wurden, auch in den anderen Werken durchsetzen will. Opel will mit Einsparungen bis 2016 in die Gewinnzone kommen. Die Marke mit dem Blitz leidet wie andere Autobauer unter dem Absatzrückgang in Südeuropa und kann ihre groß dimensionierten Werke kaum auslasten. Bis Ende 2014 ist Opel an den Standortsicherungsvertrag gebunden, der betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen ausschließt.

Schaden für Marke
Die Spekulationen über Werksschließungen schaden Opel nach Einschätzungen von Marktforschern. "Die Käufer sind verunsichert. Eine Marke, die hart und unbarmherzig wirkt, wird im Markt abgestraft", schrieb Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer, der das CAR-Institut an der Uni Duisburg-Essen leitet. Opel schrecke mit seinem Taktieren die Kundschaft ab. Dudenhöffer verwies darauf, dass der Opel-Marktanteil in den ersten vier Monaten mit 7,0 Prozent auf einen historischen Tiefpunkt gesunken sei. Bereinigt um sogenannte taktische Zulassungen, bei denen Händler Wagen vorübergehend auf sich selbst anmelden, um sie anschließend mit einem Preisabschlag zu verkaufen, liege der Marktanteil sogar bei nur 5,8 Prozent. Rivale Ford sei mit 6,9 Prozent deutlich stärker, schrieb Dudenhöffer.

Kommentare

Bergab Deutschland hat seinen Arbeitsmarkt auf den Autobau und die Waffenindustrie aufgebaut. Jetzt beginnt das Konstrukt zu bröckeln und weitere Änderungen sind zu befürchten. Die Folgen für die Arbeitnehmer nicht absehbar, zumal es keine wirklichen Alternativen gibt. Die späte Rache einer einseitigen Wirtschaftspolitik. Und Länder wie Österreich die am Zuliefermarkt hängen wird das Schicksal etwas verzögert ereilen - mitgefangen, mitgehangen.

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