Zivilrecht von

Bescherung per Mausklick

Dr. Maria In der Maur-Koenne © Bild: NEWS

Jedes Jahr mache ich mir Sorgen, dass meinem Sohn mein Weihnachtsgeschenk nicht gefällt. Zum gemeinsamen Shopping hat er aber keine Zeit. Meist waren die Händler so nett und haben eine Umtauschmöglichkeit auf dem Kassenzettel vermerkt. Mein Sohn hatte aber auch schon Schwierigkeiten beim Umtauschen. Er hat mir jetzt zum Onlineshopping geraten, weil da der Umtausch einfacher sei. Stimmt das?
Gerlinde C., Wien

Liebe Frau C.,
bei Onlinekäufen gilt aufgrund der Europäischen Verbraucherrechte-Richtlinie grundsätzlich ein 14-tägiges Rücktrittsrecht. Von diesem Rücktrittsrecht gibt es zwar Ausnahmen, der typische Warenkauf von Kleidung oder elektronischen Geräten fällt aber unter keine Ausnahme, sodass das 14-tägige Rücktrittsrecht für diese Waren gilt.

Die Frist beginnt mit der Übergabe der Ware an Sie oder eine andere berechtigte Person, etwa eine Mitbewohnerin. Die Rücktrittserklärung sollte schriftliche erfolgen, einen Grund müssen Sie nicht angeben. Die meisten Onlinehändler bieten für die Rücktrittserklärung ein Formular auf der Website an oder schicken die Rücktrittserklärung gleich mit, die dann nur noch auszufüllen ist. Nach dem Rücktritt muss der unerwünschte Gegenstand dann natürlich auch wieder an den Onlinehändler zurückgeschickt werden. Die Portokosten für die Rücksendung werden von manchen Onlinehändlern übernommen. Das ist aber nicht verpflichtend.

Benutzen dürfen Sie den gekauften Gegenstand selbstverständlich nicht. Zulässig ist es aber, die Ware auszupacken und zu testen. Kleidungsstücke dürfen also anprobiert, aber nicht tagelang getragen werden. Elektronische Geräte dürfen für einen Funktionstest in Betrieb genommen werden, aber ebenfalls nicht verwendet werden.

Gerade in der Vorweihnachtszeit bieten viele Onlinehändler freiwillig verlängerte Fristen für den Rücktritt bis nach Weihnachten. Das sollten Sie aber vor dem Kauf genau kontrollieren! Nur wenn dies ausdrücklich angeführt ist, gilt eine längere Rücktrittsfrist als 14 Tage, wodurch es möglich ist, Geschenke nicht zu knapp vor Weihnachten zu bestellen und erst nach Weihnachten wieder zurückzusenden, falls das Geschenk tatsächlich nicht gefällt.

Richtig ist, dass es im stationären Handel grundsätzlich überhaupt kein Recht auf Umtausch oder Rücktritt vom Kauf gibt. Diese Möglichkeit bietet nur der Onlinehandel. Gerade vor Weihnachten sind aber viele Händler, denen die Konkurrenz aus dem Internet ja bekannt ist, durchaus bereit, ebenfalls ausdrücklich einer Rückgabe oder einem Umtausch nach Weihnachten zuzustimmen.

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