OMV setzt auf "Erneuerbare Energien": Projekte werden mit 100 Mio. Euro gefördert

Kein Konnex mit kürzlich geplatzer Verbund-Fusion In einigen Jahren bis 100% biogener Anteil denkbar

Der österreichische Öl- und Gasriese OMV, Marktführer in Mitteleuropa, will binnen eines Jahrzehnts "Erneuerbare Energien" als neues lukratives Geschäftsfeld aufbauen. Die Projekte, zunächst zu Biodiesel und Biogas, werden über die OMV Future Energy Fund GmbH mit bis zu 100 Mio. Euro gefördert. Damit sollen mehr als 500 Mio. Euro Investitionsvolumen ausgelöst werden. Weitere Gelder sind später möglich. An Biostrom, Solar, Erdwärme oder Kohle sei derzeit nicht gedacht, aber künftig auch nicht auszuschließen, sagte OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer am Freitag. Einen Zusammenhang mit kürzlich geplatzten OMV-Verbund-Fusion gebe es nicht, der Aufsichtsrat habe den Future Energy Fund schon vor Monaten genehmigt, so Ruttenstorfer.

"Vor dem Hintergrund der gestiegenen Ölpreise" soll der OMV-Konzern jetzt einen "ganz entschiedenen neuen Anlauf" im Bereich "Erneuerbare Energien" nehmen, sagte Ruttenstorfer, auch wenn der Ölpreis wieder in die Gegend von 30 oder 40 Dollar pro Fass zurückgehen werde. Den Prozentsatz, den "Erneuerbare" zum Beispiel in einem Jahrzehnt in der OMV bestreiten sollen, will der Generaldirektor in ein, zwei Jahren quantifizieren.

Über eine konkrete Umsetzung von Projekten innerhalb des Konzerns entscheidet auch maßgeblich ein bei der OMV Future Energy Fund GmbH eingerichteter Experten-Beirat mit, dem - neben Vertretern der OMV-Geschäftsbereiche E&P, R&M sowie Gas auch vier Wissenschafter angehören: die Klima-Expertin Prof. Helga Kromp-Kolb von der Boku, Prof. Marianne Haug von der Uni Hohemheim, die früher bei der IEA einschlägige Forschungsprojekte begleitete, UNDP-Senior Advisor Prof. Thomas Johansson von der Uni Lund und Energiewirtschafts-Prof. Nebojsa Nakicenovic von der TU Wien. Derzeit lägen bereits zwei Dutzend noch zu prüfende Projektideen am Tisch, hieß es.

Die ersten beiden Projekte der OMV im Bereich "Erneuerbare Energien" - zu Biodiesel und Biogas - könnten zur Errichtung einer großen Biodiesel-Produktionsanlage bzw. einem Tankstellen-Netz-Aufbau für gasbetriebene Kraftfahrzeuge führen, sagte OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer am Freitag bei der Präsentation der neuen OMV Future Energy Fund GmbH, die künftig Alternativenergie-Projekte des Konzerns betreut. Bereits eine "kleinere" Biodiesel-Anlage, mit der man laut OMV-Chef "noch gar nicht so viel" machen könnte, würde etwa 100 Mio. Euro kosten.

In fünf Jahren solle die "2. Generation" Biodiesel stehen, auch Biogas-Tankstellen seien relativ rasch umzusetzen, so der OMV-Chef. Nach dem aus Raps produzierten Biodiesel, den man aus verschiedenen Gründen nur bis zu 5 Prozent beimischen kann, geht es künftig um Biogen-Anteile von 30 Prozent bis 100 Prozent und dies auch noch in höherer Kraftstoff-Qualität, erläuterte Future-Energy-Fund-Geschäftsführerin Dorothea Sulzbacher. Biodiesel sei auch aus Ölen und Fetten sowie aus Holz oder Stroh zu gewinnen.

Bei Biogas ist die Optimierung der Wertschöpfungskette vom Bauern (Anbau) bis zum Kunden (Einsatz im Kfz) geplant. Mögliche Folgeprojekte: Einstieg in die Biogas-Produktion, Netzeinspeisung sowie Biogas-Tankstellen. Vorteile: Biogas ist CO2-neutral und würde, so Sulzbacher, "wunderbar ins OMV-Portfolio passen".

Auch die CO2-Rückführung bei der Erdgasförderung ist bereits als Projekt im Laufen. Hier geht es darum, das bei der Förderung übrig bleibende Kohlendioxid zu separieren und in den Erdboden rückzuführen, damit es nicht wie bisher in die Atmosphäre gelangt. In Strasshof in NÖ beispielsweise betrage der CO2-Anteil 12 Prozent. Mit Rückführung könnte man sich zirka 1.000 t Produktionsmenge im Jahr ersparen und bekomme noch dazu 25 Prozent mehr Gas, so Sulzbacher.

Als internationales Positiv-Beispiel für eine gelungene Aktivität im Bereich Bio-Energie verwies Fund-Beirat-Mitglied Nebojsa Nakicenovic, Energiewirtschafts-Professor an der TU Wien, auf die Herstellung von Treibstoffen mit Ethanol aus Zuckerrohr. Vor zwei Jahrzehnten, zu Beginn der Produktion, sei das Ethanol noch drei Mal so teuer gewesen wie Rohöl, heute lägen die Herstellungskosten unter den Rotterdamer Ölnotierungen. Als zukunftsträchtigen - weil emissionsfreien - Energieträger verwies Nakicenovic auf Wasserstoff.

(apa/red)