OMV stockt ihre Beteiligung an MOL auf:
Um eine Milliarde Euro auf 18,6 Prozent

Unternehmen will weitere "strukturierte Gespräche" MOL erteilt möglichen Zusammenschluss klare Absage

Die OMV versucht in Ungarn einen neuen Anlauf. In einer überraschenden Aktion hat der Wiener Mineralölkonzern seine Anteile am ungarischen Konkurrenten MOL für rund eine Mrd. Euro von 10 auf 18,6 Prozent aufgestockt. OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer kündigte daraufhin "strukturierte Gespräche mit dem MOL-Management" an. Das MOL-Management denkt allerdings offenbar nicht daran und stellte umgehend klar, dass es nicht an einen Zusammenschluss denke. Einige Analysten schließen jetzt auch eine feindliche Übernahme nicht aus. Kurzfristig dürfte ein solcher Versuch aber nicht zur Debatte stehen.

Der Kurs der OMV-Aktie fiel um knapp 2,5 Prozent. Die MOL-Aktien legten dagegen den zweiten Handelstag in Folge um mehr als 7 Prozent zu und erreichten damit einen neuen historischen Höchststand.

"Wir sind total damit zufrieden, unser ökonomisches Interesse ausgebaut zu haben", sagte Ruttenstorfer in einer Pressekonferenz. Die Beteiligungsaufstockung sei ein wichtiger Schritt zu einer längerfristigen Kooperation zwischen den beiden Unternehmen. Befragt nach einer möglichen Komplettübernahme erklärte er jedoch nur knapp: "Da wird noch viel Wasser die Donau hinunterlaufen zwischen Wien und Budapest, bevor ich Ihnen darüber berichten kann. Ich träume nicht öffentlich von Dingen." Auch den Zweck der an die MOL-Führung gerichteten Einladung zu "strukturierten Gesprächen" ließ der OMV-Chef vorerst im Dunkeln. Gemeint seien damit "zielgerichtete Gespräche" - die Ziele würden sich aus den Gesprächen ergeben.

Das MOL-Management zeigte sich allerdings wenig gesprächsbereit. In einer Pressemitteilung betonte der Vorstand, die OMV habe ihre Anteile ohne vorherige Zustimmung durch MOL aufgestockt. Den Wunsch nach einem strukturierten Dialog habe man "mit Interesse" zu Kenntnis genommen - man werde aber die "eigene bewährte Strategie" weiter verfolgen. Erst am Freitag hat die MOL den weiteren Rückkauf eigener Aktien im großen Stil zur Absicherung der Eigentumsstruktur angekündigt. Diese Pläne wolle man fortsetzen.

"Transaktionen, nur um in der Größe zu wachsen, sind mit unseren Zielen nie vereinbar gewesen", erklärten die Ungarn. Die Aufrechterhaltung "einer fairen und kompetitiven Landschaft in Zentralmitteleuropa" werde für die wachsenden Volkswirtschaften ein wichtiger Faktor sein. Und schließlich habe die MOL in vergangenen Gesprächen immer Partner ohne dominante oder starke Aktionäre aus dem ausländischen staatlichen Bereich bevorzugt.

Die Staatsholding ÖIAG hält derzeit noch 31,5 Prozent an der OMV. Finanzminister Wilhelm Molterer (V) hat in den vergangenen Monaten mehrfach betont, dass er sich bei der OMV eine weitere Privatisierung vorstellen könnte, wenn es das Unternehmen auf seinem "erfolgreichen Weg voranbringen" würde. Laut dem streng gehüteten Synidaktsvertrag mit dem arabische Syndikatspartner IPIC (Abu Dhabi), so ist seit längerem im Umfeld der Konzerne zu hören, könnte die ÖIAG ihren Anteil auf bis zu 25 Prozent senken. Koalitionspartner SPÖ hat eine weitere Senkung der Staatsanteile allerdings bis dato abgelehnt.

Analysten in Wien beurteilten die Aufstockung der MOL-Anteile trotz Ablehnung durch die Ungarn jedoch positiv. Die OMV habe sehr "marktnahe" eingekauft. Die Anteile seien nicht überzahlt gewesen und hätten noch ein Kurspotenzial, sagte Raiffeisen-Chefanalystin Claudia Vince-Bsteh. Strategisch hat die OMV von der Anteilsaufstockung vorerst wenig, weil die Stimmrechte für Einzelaktionäre laut Statut auf 10 Prozent beschränkt sind. Die Rechtslage könnte sich aber womöglich demnächst ändern, erklärte Vince-Bsteh. Außerdem könnte auch die MOL ihre starre Haltung gegenüber eine Übernahme durch die OMV rasch aufgeben, falls ein anderer internationaler Konzern Interesse an den Ungarn zeigen sollte und die OMV dann womöglich das geringere Übel wäre.

Darauf verwies zwischen Zeilen auch die OMV. Man sehe in der bevorstehenden Konsolidierungswelle, die früher oder später kommen werde, eine "Gelegenheit, die Stärken beider Unternehmen zu bündeln". Und: Die OMV sei vom langfristigen Nutzen einer engeren Zusammenarbeit mit MOL überzeugt, weil damit zwei europäische Unternehmen die für Europa wichtige Versorgungssicherheit wesentlich verstärken könnten. Darüber hinaus würden komplementäre Stärken beider Unternehmen in Mitteleuropa genutzt. Eine Allianz zwischen OMV und MOL nähme eine starke Position ein, um effektiv mit den größeren Öl- und Gaskonzernen konkurrieren zu können. Investoren aus dem Westen und aus Russland hätten den Markt bereits als Zielmarkt ins Visier genommen. "Heute sind es rund ein Dutzend große Player, es werden weniger werden", so Ruttenstorfer.

Von den gestern bekannt gewordenen Plänen des russischen Gasversorgers Gazprom und des italienischen Ölkonzerns Eni zum Bau einer Gasleitung ("South Stream") von Russland unter dem Schwarzen Meer hindurch nach Bulgarien und weiter nach Österreich zeigt sich Ruttenstorfer nicht beunruhigt. "South Stream ist ein ergänzendes Projekt zu Nabucco und wird von uns sehr positiv gesehen." Das Projekt sei keine Alternative zur Nabucco-Pipeline, weil durch South Stream zusätzlich russisches Gas in die Nabucco-Leitung eingespeist werden könnte, betonte der OMV-Generaldirektor.

(apa/red)