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Wie sicher sind die Spiele in Sotschi?

Anschläge von Wolgograd wecken Furcht vor weiteren Bluttaten

Sotschi © Bild: APA/Techt

Gut fünf Wochen vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi wirkt es nicht so, als wenn der russische Präsident Wladimir Putin sein Versprechen "sicherer und erfreulicher" Spiele einlösen kann. An zwei aufeinanderfolgenden Tagen haben Attentäter die Millionenstadt Wolgograd heimgesucht und mehr als 30 Menschen getötet.

Zwar liegt Wolgograd rund 700 Kilometer vom Olympia-Austragungsort Sotschi entfernt. Aber es gibt laut Experten ein großes Potenzial an Attentätern, vor allem aus dem Kaukasus, die mit Putin noch alte Rechnungen begleichen wollen.

"Versuch der Einschüchterung"

"Es ist vollkommen klar, dass diese Anschläge mit den Olympischen Spielen von Sotschi zusammenhängen", sagt Alexander Konowalow, der Präsident des Instituts für Strategische Studien in Moskau. "Sie wollten Sotschi einen Schlag versetzen", befindet auch der Abgeordnete Michail Markelow aus Wolgograd. "Dies war ein schwerwiegender Versuch der Einschüchterung."

Keine zusätzlichen Maßnahmen erforderlich

Die Spiele von Sotschi sollen vom 7. bis 23. Februar stattfinden. Putin will die Sicherheit mit Hilfe von 40.000 Polizisten garantieren, die für diesen Zweck abgestellt werden. Die russischen Behörden hätten für die Sicherheit während der Olympischen Spiele "alles Unerlässliche" getan, sagt der Präsident des russischen Olympischen Komitees, Alexander Schukow. Zusätzliche Maßnahmen seien nun nicht mehr erforderlich. Die Zufahrt nach Sotschi wird für Autofahrer aus anderen Regionen am 7. Jänner gesperrt, einen Monat vor der Eröffnung der Spiele.

Doch niemand weiß, ob die Täter aus dem Untergrund überhaupt direkt in Sotschi zuschlagen wollen. Der Chef der islamistischen Aufständischen im Kaukasus, Doku Umarow, rief im Juli ganz allgemein dazu auf, die Olympischen Spiele am Schwarzen Meer "mit allen Mitteln zu verhindern". Die Anschläge von Wolgograd sollten schon im Vorfeld des Ereignisses eine "Atmosphäre der Furcht" erzeugen, sagt der russische Sicherheitsexperte Pawel Felgenhauer. Alexej Malaschenko vom Carnegie-Center spricht von einer "schallenden Ohrfeige für Putin".

Die Feierlichkeiten zum neuen Jahr sind in Russland das wichtigste Fest im Jahresablauf. Auch deshalb liegt es nahe, den Anschlägen von Wolgograd eine große Bedeutung beizumessen. Malaschenko fragt sich, ob Putin in seiner Neujahrsbotschaft für die Opfer von Wolgograd eine Staatstrauer ankündigen wird. Jedenfalls steht für den Carnegie-Experten schon fest, dass "einige tausend Zuschauer nicht nach Sotschi kommen werden". Die Anschläge von Wolgograd seien von einer "organisierten Gruppe" verübt worden, die "an einem Ort zuschlug, an dem es niemand erwartete".

Keine Zweifel an weiteren Explosionen

Bei derartigen Sicherheitsvorkehrungen für internationale Großereignisse sei es automatisch so, dass die Aufmerksamkeit am Austragungsort Nachlässigkeiten an anderen Orten nach sich ziehe, bemerkt der Sicherheitsexperte Felgenbauer. "Wir wissen nicht, wo und wann es weitere Explosionen geben wird", pflichtet Malaschenko bei. "Aber es gibt keinen Zweifel, dass es sie geben wird."

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