Olympia-Telegramm von

Svindal - der Joghurt-Dieb

Russische Sängerin beklagt Musikklau des Staatsfernsehens. Plus: Mehr Olympia-News

Aksel Lund Svindal mit der norwegischen Fahne bei der Olympia-Eröffnungsfeier © Bild: GEPA pictures/ Andreas Pranter

Olympia heißt nicht nur Vorläufe, Qualifikationen und Medaillen-Entscheidungen. Auch am Rande der Bewerbe passiert viel Aufregendes und Kurioses. Was genau, gibt es täglich im Olympia-Telegramm nachzulesen:

Telegramm: Tag 4 - Tag 3 - Tag 2 - Tag 1

Der Gewinner der ersten Schweizer Goldmedaille in Sotschi hat den Schulkindern im bündnerischen Münstertal eine große Freude bereitet: Alle 162 Schülerinnen und Schüler im abgelegenen, rätoromanisch-sprachigen Tal am Südostzipfel der Schweiz mussten nach dem Erfolg von Dario Cologna im Skiathlon am Montag nicht zur Schule . Der freie Tag sollte dezidiert dazu genutzt werden, um Sport zu treiben.

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Das japanische Kleinstadt Kamikawa erstrahlt dieser Tage in rosa . Gewinnt die auf diese Weise geehrte Sara Takanashi am Dienstag im Damen-Skisprungbewerb Gold, ist außerdem ein großes Feuerwerk geplant. Die 17-Jährige gilt in Japan als Gold-Tipp Nummer eins unter den 113 nach Sotschi gereisten Athleten. "Saras Chancen stehen bei hundert Prozent", meinte auch Team-Olympiasieger Masahiko Harada, ebenfalls ein Sohn von Kamikawa.

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Elisabeth Görgl reicht normalerweise ein Training vor der Abfahrt, bei Olympia wurde die Steirerin zur Dauerläuferin. Sie absolvierte in Krasnaja Poljana als eine der wenigen alle vier bisherigen Abfahrtstrainings und ging am Montag im Rahmen der Super-Kombi ein fünftes Mal über die Strecke. "Morgen ist noch eines? Ah geh. Da fahre ich sicher nicht. Irgendwann reicht's", sagte die Steirerin vor dem geplanten fünften Training am Dienstag. Die Spezialabfahrt geht Mittwoch in Szene.

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Nach tagelangem Heißhunger auf Joghurt wurde Norwegens Ski-Ass Aksel Lund Svindal in Sotschi zum Dieb. Im olympischen Dorf in den Bergen hatte Svindal vergeblich nach naturbelassenem Joghurt gesucht. Also nutzte er seinen Ausflug als Fahnenträger ins Athleten-Dorf am Schwarzen Meer. "Da haben sie viel mehr Essen. Also habe ich es da gestohlen ", verriet Svindal.

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Andreas Kofler war im ersten Skisprung-Bewerb zwar nicht im Einsatz, dennoch durfte er sich über Besuch seiner Freundin Miriam freuen: Sie hatte kurioserweise bei einem Preisausschreiben einen Sotschi-Flug samt VIP-Package im Fünfstern-Hotel gewonnen.

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Andreas und Wolfgang Linger sowie Georg Fischler kommen aus Absam , nur Peter Penz lebt in Telfes. Kein Wunder, dass in Absam anlässlich des Olympiabewerbs der Rodel-Doppelsitzer am Mittwoch ein Public Viewing abgehalten wird. "Drei Viertel von uns sind Absamer, deshalb muss der Peter da mitziehen. Hoffentlich fiebern viele Leute mit, drücken uns die Daumen und feuern uns so laut an, dass wir es bis hierher hören", meinte Wolfgang Linger.

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"Zu reden haben wir während der Fahrt eigentlich relativ wenig, deshalb ist das kein Problem", scherzte Rodel-Doppelsitzer Georg Fischler, der wegen einer leichten Verkühlung heiser ist und deshalb seine Stimme schonen muss.

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Bronze im Rodel-Einsitzer machte es möglich: Der 40-jährige Italiener Armin Zöggeler hat als erster Wintersportler überhaupt zum sechsten Mal in Folge eine Olympia-Medaille gewonnen. Seine Bilanz: zweimal Gold, einmal Silber und nun dreimal Bronze. Toll auch der "versilberte" Altmeister Albert Demtschenko : Sein siebentes Antreten bei Winter-Olympia brachte dem Russen nach Silber 2006 in Turin mit 42 sein zweites Edelmetall.

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Mario Stecher ist nicht nur österreichischer Rekordmann in Sachen Winter-Olympia gemeinsam mit Markus Prock und Alfred Eder. Der nunmehr sechsfache Olympia-Teilnehmer ist gemeinsam mit dem US-Amerikaner Todd Lodwick auch der erste Athlet mit so vielen Teilnahmen in der Nordischen Kombination. Lodwick ist übrigens der erste US-Athlet überhaupt mit sechs Winterspielen.

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Die russische Sängerin Semfira (37) hat nach der Eröffnungsshow der Olympischen Winterspiele dem Staatsfernsehen als Autor des weltweit gesendeten Spektakels Musikklau vorgeworfen. Eine ihrer Kompositionen sei ohne ihr Wissen verwendet worden. "Der Erste Kanal hat alle möglichen Vereinbarungen gebrochen und den Track ohne mein Einverständnis verwendet", sagte Semfira Medien zufolge am Sonntag. Das Staatsfernsehen wies darauf hin, dass die Verwendung per Gesetz erlaubt sei, weil es sich praktisch um einen Staatsakt gehandelt habe. Kein anderer Künstler, dessen Musik verwendet worden sei, habe sich beschwert.

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Die Vorarlberger FPÖ-Politikerin Nicole Hosp ist laut dem Online-Dienst Vorarlberg Online mit einer regelrechten Glückwunsch-Flut auf Twitter konfrontiert. Trivialer Grund dafür ist eine kuriose Namensverwechslung mit der Skiläuferin und Super-Kombi-Silbermedaillen-Gewinnerin Nicole Hosp, die zwar auf Facebook, nicht aber auf Twitter vertreten ist.
"Liebe Follower, Ich bin nicht unser Skiass Niki Hosp", klärte die Lustenauer Politikerin am Montag via Twitter auf. Ihrer Namensvetterin empfahl sie aufgrund der hohen Resonanz auf dem Kurznachrichtendienst einen eigenen Twitter-Account.

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Die für Thailand im Slalom startende Stargeigerin Vanessa Mae machte offenbar der deutschen Slalom-Legende Christian Neureuther (64) das Angebot, sie als Trainer auf die Olympischen Spiele in Sotschi vorzubereiten. "Das hätte ich gerne gemacht, aber in der Kürze der Zeit war kein Assistent mehr zu finden, der die Torstangen getragen und auch aufgestellt hätte. Ich kann das in meinem Alter nicht mehr", erklärte der Vater von Felix Neureuther bei einem Besuch im "Kufenstüberl" des Deutschen Olympia-Hauses. Sohn Felix, zuletzt härtester Konkurrent von Marcel Hirscher im Slalom, lernte Mae im Training kennen und stellte den Kontakt her.

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Ein Promotion-Spot des kanadischen Instituts für Diversität und Inklusion (CIDI) sorgt in Sotchi für Diskussionen . Auf dem Video (www.cidi-icdi.ca) sind zwei Rodler in schwarzen Anzügen sowie mit roten Helmen und schwarzen Gesichtsmasken zu sehen, die sich in Zeitlupe in den Start schwingen. Danach erscheint zum Human League-Song "Don't You want me baby" der Slogan "Die Spiele waren immer ein bisschen schwul. Lasst uns dafür kämpfen, dass es so bleibt."
Christian Niccum, älteser Rodler im US-Team, zeigte sich wenig erfreut, dass Rodler für die schwule Sache herhalten müssen. Es sei verrückt, schade und eine grobe Täuschung, dass hier Sport und Sexualität vermischt würden, erklärte er der Nachrichtenagentur Reuters. CIDI-Leiter Michael Bach versteht die Aufregung indes nicht. Er erklärte das Video mit der unakzeptablen Diskriminierung von Homosexuellen in Russland. "Wir wollen damit unsere Unterstützung zeigen - auch für die Athleten in Sotschi", so Bach.

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