Olympia: Ski-Prinz
Hubertus von Hohenlohe

55-Jähriger will im Mariachi-Anzug als bestgekleideter Sportler Geschichte schreiben

Bühne frei für Mexikos Ski-Prinzen. Hubertus von Hohenlohe ist mit Sicherheit einer der schillerndsten Olympia-Starter von Sotschi - und mit seinen 55 Jahren doppelt so alt wie viele seiner Konkurrenten. Gold, Silber oder Bronze sind nicht das Ziel des ältesten Teilnehmers bei diesen Winterspielen. Stattdessen wolle er als bestgekleideter Sportler in die Olympia-Annalen eingehen, sagt er.

von Hubertus von Hohenlohe tritt im Mariachi-Outfit an. © Bild: APA/EPA/Mexikanisches Olympisches Komitee

"Das ist die Medaille, die ich wirklich brauche", erklärte Hohenlohe vor seinem Slalom-Einsatz am Samstag dem US-Sender NBC. Dafür hat er sich einen Rennanzug im Stil der mexikanischen Mariachi-Musiker schneidern lassen - schwarze Hose und Jacke mit rotem Kummerbund und Krawatte. Bereits bei den Spielen in Vancouver 2010 jagte er in einem eigenwilligen Dress die Berge hinunter: Damals als Desperado mit Pistole und Patronengürtel. "Ich will auf den Pisten den bestmöglichen Eindruck von Mexiko hinterlassen", sagte Hohenlohe.

Sechster Olympia-Antritt

Hubertus Rudolph von Fürstenberg von Hohenlohe Langenburg tritt schon zum sechsten Mal bei Olympischen Spielen an. Seit Jahren fährt der Gründer des mexikanischen Ski-Verbandes als einziger Vertreter seines Landes bei Weltmeisterschaften und Weltcup-Rennen mit. Mit seinem Start in Sotschi will er auch mexikanische Jugendliche inspirieren, die sonst mit alpinen Sportarten kaum in Berührung kommen. "Wir müssen das Skilaufen sichtbar machen, damit andere Menschen sich dafür begeistern und Lust bekommen, es auch zu probieren", sagte Hohenlohe.

Hubertus von Hohenlohe als Flaggenträger.
© APA/EPA/Michael Kappeler Hubertus von Hohenlohe als Fahnenträger bei der Eröffnung

Der Nachkomme des Adelsgeschlechts Haus Hohenlohe wurde 1959 als Sohn von Alfonso Hohenlohe-Langenburg und Ira von Fürstenberg in Mexiko-Stadt geboren. Deshalb hat er die mexikanische Staatsbürgerschaft. Sein Vater führte dort die Geschäfte von Volkswagen. Als Hubertus vier Jahre alt war, kehrte die Familie nach Europa zurück. Alfonso Hohenlohe-Langenburg gründete an der spanischen Costa del Sol den legendären Marbella Club, in dem in den 1960er-Jahren der internationale Jet-Set ein und aus ging.

Fotograf und Musiker

Hubertus von Hohenlohe pendelt heute zwischen Liechtenstein und Spanien. Er arbeitet als Fotograf und hat unter den Pseudonymen Andy Himalaya und Royal Disastre mehrere Singles veröffentlicht. "Mir gefällt es, innerhalb von drei Minuten Geschichten zu erzählen, die das Leben widerspiegeln und die Menschen berühren", sagt er über seine Musik.

Hohenlohe bei der WM in Schladming.
© APA/EXPA/Martin Huber Hohenlohe bei der Qualifikation für den WM-Riesentorlauf in Schladming

Auch wenn Hohenlohe nicht zu den Favoriten in Sotschi zählt, hat ihn doch der Ehrgeiz gepackt. "Ich will sehen, was mein Körper aushält und ob ich im Profi-Sport noch bestehen kann", sagte er. "Es ist ein Kampf gegen die Natur und das Alter." Bei seinem vermutlich letzten Olympia-Auftritt will Hohenlohe noch einmal an seine Grenzen gehen.

Vorbild Franz Klammer

Sein sportliches Vorbild ist der österreichische Skiheld Franz Klammer, der 1976 bei den Winterspielen in Innsbruck Gold in der Abfahrt holte. "Als ich das gesehen habe, sagte ich mir: Das will ich auch machen", erinnert sich Hohenlohe. Klammer schenkte ihm seinen ersten Rennanzug, mehrere Jahre später traten sie gegeneinander an.

Für Hohenlohe ist Skifahren allerdings mehr als nur ein Sport. "Es ist eine Schule des Lebens. Ich habe Intrigen gesehen, Freunde getroffen und gelernt, nach einer Niederlage wieder aufzustehen."

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