Olympia wie es sein soll: Salzburg will
Spiele mit einmaliger alpiner Atmosphäre

Vorbild Lillehammer: Große Erfahrung, kurze Wege Geringstes Budget: Nur drei der elf Sportstätten neu

Salzburg steht wie Pyeongchang schon zum zweiten Mal im Finale bei der Vergabe Olympischer Winterspiele. Aus den Fehlern bei der ersten Bewerbung wurde im Bemühen um die Winterspiele 2014 gelernt, bis zuletzt lag die Mozartstadt in sämtlichen Rankings klar in Front, erst nach dem Evaluierungsbericht mit etlichen Schwachpunkten ging die Favoritenrolle verloren. Als Trümpfe nennen die Bewerber das Vorhandensein fast aller Stätten, die große Erfahrung, die Begeisterungsfähigkeit der Bevölkerung und die geringen Distanzen.

Als großes Vorbild wurden zuletzt immer wieder die Spiele 1994 in Lillehammer ins Spiel gebracht, die von einer einzigartigen Begeisterung der Menschen getragen waren. "Wenn es also nun ähnliche Spiele geben soll, müssen wir einfach gewinnen", meint Salzburgs internationaler Chairman Franz Klammer. Große Erfahrung beim Ausrichten von Sportveranstaltungen, Sicherheit und eine ausgezeichnete Infrastruktur, das sollen weitere Aushängeschilder der Kandidatur sein.

Weiters wirbt Salzburg mit der Kompaktheit seiner Bewerbung: Im Vergleich zu 2010 wurde die Kandidatur deutlich abgespeckt. Statt 15 gibt es nur noch elf Austragungsstätten und zwei statt vier Olympische Dörfer. Der längste Weg wurde daher von zwei Stunden auf 55 Minuten verkürzt.

Salzburgs Weg zur Candidate City war steinig: Erst gab es große Bedenken wegen des finanziellen Risikos, bis eine Vereinbarung zwischen Bund, Land, Stadt, ÖOC und Gemeinden getroffen wurde. Dann warf Bewerbungschef Toni Schutti wegen Gerüchten das Handtuch, dann musste das Budget teilweise neu geschrieben werden, weil man mit mehr Geldern aus den TV-Rechten gerechnet hatte.

Und nach gut zehn Monaten musste auch der neue Boss Fedor Radmann aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Seither leiten Rudolf Höller und Gernot Leitner das Team, auf internationaler Ebene rühren auch Klammer, Politiker und das ÖOC kräftig die Werbetrommel. Zudem überschatteten die Dopingvorfälle in Turin und die vor kurzem ausgesprochene lebenslange Sperre von sechs Österreichischen Athleten die Bewerbung.

Nur drei der elf Sportstätten werden neu errichtet
Wie bei den anderen Bewerbern auch, basiert das Österreichische Konzept auf zwei Clustern. Einem Schnee-Zentrum in Altenmarkt/Radstadt und einem Eis-Zentrum in der Landeshauptstadt, wobei sich die Bob- und Rodelbahn in Berchtesgaden in Bayern befindet. Nur drei der elf Austragungsstätten müssten neu errichtet werden, und zwar drei Eishallen in der Stadt Salzburg und in Puch, zudem fehlt noch die Kleinschanze in Bischofshofen.

Das Budget Salzburgs fällt mit insgesamt 965 Mio. US-Dollar am geringsten aus. Einnahmenseitig gleich wie bei den anderen Bewerbern sind die Gelder des IOC aus TV-Rechten mit 310 Mio. Dollar und Gelder von den Top-Sponsoren in der Höhe von 175 Mio. Dollar. Lokale Sponsoren sollen 190 Mio. einbringen, 155 Mio. werden aus dem Kartenverkauf erwartet.

Auf der Ausgabenseite rechnet Salzburg mit 141 Mio. Dollar für die Sportstätten, 152 Mio. für Technologie, 137 Mio. für Personalkosten, 82 Mio. für Telekommunikation und 75 Mio. Dollar für die Olympischen Dörfer. Zudem sind außerhalb des Olympiabudgets 191,6 Mio. Dollar für die neuen Sportstätten und 91 Mio. Dollar für die beiden Olympischen Dörfer notwendig.

Salzburgs Bewerbung hat rund 9,5 bis zehn Mio. Euro gekostet, 6,3 Mio. davon kamen von der öffentlichen Hand, den Rest brachten 116 Sponsoren auf.

Geringes Budget und schlechte Präsentation
Der Vorsitzende der IOC-Evaluierungskommission, Chiharu Igaya, hob bei seiner "Bilanz" nach dem Besuch in Salzburg die Tradition des Wintersports in Österreich hervor, das nicht ein einziges Mal Winterspiele ausgelassen hätte und eine Vielzahl an Medaillen bei Winterspielen gewonnen habe. Wintersport habe in Österreich Kultur, viele Wettkampfstätten würden bereits bestehen und hätten ihre Bewährungsprobe bereits bestanden. Auch die große Unterstützung der Bundesregierung hob er anerkennend hervor, ebenso die große Erfahrung bei der Austragung von sportlichen Großereignissen.

Im Bericht der Kommission gab es aber auch etliche Kritikpunkte, etwa das geringe Budget, dass die sichergestellten Betten auf 1.400 Gebäude aufgeteilt seien, die niedrigen Kosten für den Transport und die Sicherheit und ein zu kleines Medienzentrum. Außerdem schnitt Salzburg bei der Präsentation gegenüber der Evaluierungs-Kommission am schlechtesten ab.

(apa/red)