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Olympia: Bachs Reformpläne

Grenzüberschreitende Spiele und mehr Mitspracherecht künftiger Gastgeber

IOC-Chef Thomas Bach. © Bild: APA/EPA/Jean-Christophe Bott

Grenzübergreifende Spiele, mehr Mitspracherecht künftiger Gastgeber, ein eigener TV-Kanal und ein abgespeckter Bewerbungsprozess: Entspannt und zuversichtlich hat IOC-Präsident Thomas Bach am Dienstag in Lausanne die 40 Empfehlungen seiner umfassenden Reform-Agenda 2020 vorgestellt, mit der er das IOC und Olympia in eine bessere Zukunft führen will.

"Es ist ein Puzzle. Wenn man alle Teile zusammenfügt, entsteht ein Bild, das die Einzigartigkeit Olympischer Spiele wahrt und die Rolle des Sports in der Gesellschaft stärkt", erklärte der Deutsche. "Wir wollen versuchen, alle 40 Punkte durchzubringen. Die große Linie muss stimmen, die Vision zählt." Seine IOC-Kollegen müssen auf der außerordentlichen Vollversammlung am 8. und 9. Dezember in Monte Carlo über die Vorschläge abstimmen.

Weiter ein Haupt-Gastgeber

Vor allem das IOC-Angebot aus Gründen der Nachhaltigkeit, "die Austragung ganzer Sportarten oder einzelner Disziplinen außerhalb der Gastgeber-Stadt oder in Ausnahmefällen außerhalb des Landes zu erlauben", sorgte für Aufsehen. "Die Tür dafür ist offener als zuvor", sagte Bach, stellte aber klar, dass es weiter einen Haupt-Gastgeber und ein zentrales olympisches Dorf geben müsse. "Die Einheit von Zeit, Ort und Handlung darf sich, wie in einem griechischen Drama, nicht ändern", betonte der Wirtschaftsanwalt aus Tauberbischofsheim. "Wir wollen keine Spiele, die über ein ganzes Land zerstreut sind und nur im Fernsehen als eine Veranstaltung zu sehen sind."

"Es ist eine Frage der Organisation. Wir haben es im Fußball auch schon erlebt mit zwei Veranstaltern. Warum nicht?", sagte die dreifache deutsche Alpin-Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch als eine der Athleten-Vertreterinnen, "es wäre ja weiter ein Gastgeber, der durch andere Partner ergänzt werden könnte."

Ausrichter dürfen neue Sportarten vorschlagen

Bach wünscht sich mehr Flexibilität und Individualität der Kandidaten - Olympia soll sich dem jeweiligen Gastgeber anpassen und nicht die Stadt den Spielen. So dürfen die Ausrichter künftig neue Disziplinen oder sogar neue Sportarten vorschlagen, die sie bei ihren Heimspielen gern im Programm hätten. Auch das bisherige Limit von 28 Sportarten bei Sommerspielen und sieben bei Winterspielen soll aufgehoben, die Obergrenze von 10.500 Athleten beim Ringe-Spektakel im Sommer und 2.900 bei den Winterspielen allerdings beibehalten werden.

Der 60-Jährige verspricht sich dadurch mehr Flexibilität, bei Winterspielen mehr interessierte Kandidaten und vor allem eine überfällige Modernisierung des Programms. Mehr Mixed-Wettbewerbe gehören ebenfalls zum Reformpaket. "Wir wollen die Spiele nicht größer machen, sondern vielfältiger", erklärte Bach. Mehr Partnerschaft und Dialog mit den potenziellen Ausrichtern statt Vorgaben seien nötig. Die Bewerbungsausgaben sollen durch eine Kostenbeteiligung des Internationalen Olympischen Komitees reduziert werden. Auch auf temporäre Bauten soll stärker gesetzt werden.

Aufschrei nach Sotschi

Spätestens seit den weltweiten Negativschlagzeilen über die rund 50 Milliarden Dollar teuren Retortenspiele von Sotschi mit all ihren Sünden schreit Olympia nach Reformen. Der von Olympia-Gegnern regelmäßig kritisierte Ausrichtervertrag soll aus Gründen der Transparenz in Zukunft veröffentlicht werden, die Nicht-Diskriminierung wegen sexueller Orientierung unter Prinzip 6 in die olympische Charta aufgenommen werden. Die Unabhängigkeit der IOC-Ethikkommission soll weiter gestärkt werden. Auch ein eigener TV-Kanal, der den olympischen Sportarten zwischen den Spielen zu deutlich mehr Aufmerksamkeit verhelfen soll, ist Teil der Neuausrichtung.

Für eine gelungene Reform muss das IOC raus aus der Sackgasse, in die die Olympia-Organisation durch die Sotschi-Spiele gerutscht ist. Beim Votum in Monte Carlo haben es die IOC-Mitglieder selbst in der Hand.

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