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Raich Fahnenträger im Rekord-Kader

ÖSV-Routinier führt Österreichs größtes Olympia-Aufgebot aller Zeiten in Sotschi an

Benjamin Raich vor dem Ader in Val d'Isere © Bild: GEPA pictures/ Andreas Pranter

Österreich ist bei den Olympischen Winterspielen von 7. bis 23. Februar in Sotschi mit dem Rekordaufgebot von 130 Athleten, 41 Damen und 89 Herren, vertreten. Damit wurde die bisherige Topmarke von 105 in Nagano 1998 weit übertroffen, das Österreichische Olympische Komitee (ÖOC) erwartet sich um die 16 Medaillen. Die Ehre des Fahnenträgers wird Benjamin Raich zuteil.

"Wir wollen auch in Sotschi aufzeigen. Wir sind von den Athleten, aber auch vom Quäntchen Glück abhängig. Jeder, der hinfährt, ist bis unter die Haarwurzel motiviert. Wenn wir die Medaillenanzahl von Vancouver erreichen, dann wäre das ein ganz großer sportlicher Erfolg. In den neuen Bewerben haben wir noch keine Erfahrungen, aber sehr vielversprechende Talente. Es können also durchaus auch mehr Medaillen werden", sagte ÖOC-Präsident Karl Stoss am Montag bei der Pressekonferenz im Lotterien-Studio 44 in Wien.

ÖOC-Vizepräsident und Skiverbands-Boss Peter Schröcksnadel siedelte seine Erwartungen ein wenig weiter unten an. "16 ist eine schöne Zahl, ich habe mit 12 eine geringere Anzahl genannt. Aber das Glück ist ein Vogerl. In Vancouver hatten wir eine starke alpine Herren-Mannschaft und haben keine Medaille gemacht. Bei den Damen waren keine Erwartungen da und sie haben sie gewonnen", erinnerte der 72-jährige Tiroler.

"Wir nehmen keine Touristen mit"

Das ÖOC-Budget für Olympia beträgt drei Millionen Euro, erstmals werden sämtliche Kosten vom Komitee gedeckt, was für die Fachverbände natürlich eine Entlastung darstellt, wofür sich Schröcksnadel auch ausdrücklich bedankte.

Nominiert wurden bis auf wenige Ausnahmen alle Athleten, die eine internationale Startberechtigung erlangt haben. "Aber die sportliche Voraussetzung muss schon auch da sein. Wir nehmen keine Touristen mit", sagte Schröcksnadel darüber, dass doch einige Quotenplätze nicht genützt wurden. "Ich glaube, es sollte auch nicht leichter werden, zu Olympia zu fahren als zur WM", sagte ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel über die Kriterien.

Payer, Loitzl, Fischbacher und Grabner nicht dabei

In einigen Sportarten und Disziplinen gab es aber auch mehr Anwärter als Quotenplätze. Am härtesten war die Entscheidung bei den Snowboarder-Parallel-Läufern, so muss etwa Alexander Payer trotz eines Podestplatzes im Weltcup zu Hause bleiben.

Bei den Skispringern erwischte es Wolfgang Loitzl, dem damit das fünfte Mal Olympia verwehrt bleibt. Auch Super-G-Olympiasiegerin Andrea Fischbacher wurde mangels überzeugender Leistungen nicht nominiert. Mit Siegfried Grabner fehlt ein Snowboard-Evergreen.

Wolfgang Loitzl zerknirscht beim Weltcup-Springen im polnischen Zakopane
© GEPA pictures/ Wrofoto/ Piotr Hawalej Loitzl bleibt seine fünfte Olympia-Teilnahme verwehrt

Morgenstern steht "außer Zweifel"

Mit dabei ist Skispringer Thomas Morgenstern, der nach seinem Horrorsturz auf dem Kulm von den Ärzten grünes Licht für den Start bekommen hat. Es gab laut Stoss in der "ruhig abgelaufenen" ÖOC-Vorstands- und Präsidiumssitzung ein paar Diskussionen - auch über Grenzfälle, wozu er den Herren-Viererbob (wurde schließlich nominiert) zählte - den Fahnenträger, aber eben auch Morgenstern.

"Morgenstern ist physisch und psychisch gut auf dem Weg. Es stand außer Zweifel, dass er, wenn er gesundheitlich fit ist, für uns ein Fixstarter ist", erklärte Stoss. "Thomas war natürlich auch intern im Skiverband ein Thema. Aber als wir von den Ärzten gehört haben, dass er soweit fit ist, dass er wieder Wettkampfsport betreiben kann, haben wir beschlossen, ihn mitzunehmen. Ob es zum Start kommt, werden wir noch sehr gut überlegen, da spielt auch die psychische Komponente eine Rolle", ergänzte Schröcksnadel.

Raich beerbt Morgenstern als Fahnenträger

Morgenstern wäre als Fahnenträger vorgesehen gewesen, aber man wolle ihm diese Strapazen nicht zumuten. "Wir wählen den Fahnenträger nach sportlichen Erfolgen aus, in der Regel nehmen wir Olympiasieger. Die Wahl ist dann einstimmig auf Benjamin Raich gefallen. Er ist Doppel-Olympiasieger und zum vierten Mal dabei. Ein vorbildhafter Athlet", betonte Stoss.

In den vergangenen Tagen war in den Medien über Daniela Iraschko-Stolz als Fahnenträgerin spekuliert worden, die Skispringerin steht offen zu ihrer Homosexualität. "Natürlich war sie auch ein Thema, sie ist eine ganz großartige Sportlerin und hat ganz tolle Erfolge gefeiert, aber sie hat keine Olympiamedaille wie Raich. Wir werden in Sotschi viele Zeichen setzen, aber nicht mit dem Fahnenträger, wir lassen uns da nicht instrumentalisieren", erklärte Stoss.

Daniela Irschko Stolz bei der Siegerehrung beim Damen-Weltcup in Planica
© GEPA pictures/ Michael Riedler Das ÖOC entschied sich gegen Iraschko-Stolz als Fahnenträgerin

Raich selbst zeigt sich überrascht

Der Tiroler erfuhr von seiner Wahl als Fahnenträger am Montag während der Autofahrt nach Schladming. "Ich hab's in den Zwölf-Uhr-Nachrichten gehört und war wirklich überrascht", meinte der 35-Jährige, der in Russland seine vierten und wohl letzten Winterspiele bestreitet.

"Natürlich fühle ich mich sehr geehrt und bin sehr stolz, dass ich ausgewählt wurde", sagte Raich, der erstmals in seiner Karriere eine Olympia-Eröffnung live miterleben wird. Der Pitztaler erinnerte, dass er überhaupt erst ein einziges Mal, nämlich 2001 bei der WM in St. Anton, an der Eröffnung eines Großereignisses teilgenommen habe.

Weiter Warten auf Super-Kombinations-Entscheidung

Der Doppel-Olympiasieger 2006 rechnet nach wie vor mit drei Starts in Sotschi in den Disziplinen Super-Kombination, Riesentorlauf und Slalom. Für die Super-Kombination ist Raich aber auf eine Ausnahmegenehmigung durch die FIS und das IOC angewiesen, da ihm die vom Reglement vorgeschriebenen Abfahrtsteilnahmen fehlen.

"Was ich so höre, schaut es sehr positiv aus. Es wird schon so sein, dass ich starten darf", sagte Raich vor dem Nachtslalom am Dienstag in Schladming. Raich ist sich sicher, dass die Alpinen "eine schlagkräftige Truppe" nach Sotschi entsenden. "Aber das haben wir vor Vancouver auch geglaubt, und dann sind wir ohne Herren-Medaille nach Hause gefahren", warnte Raich vor den olympischen Tücken.

Rot-weiß-rot fast überall vertreten

Insgesamt 98 Entscheidungen stehen in Sotschi auf dem Programm, in fast allen der zwölf neuen mischt Österreich mit. In jeden der vier Slopestyle-Rennen (jeweils für Damen und Herren im Ski Freestyle und Snowboard) ist rot-weiß-rote Teilnahme garantiert, ebenso wie im Ski-Halfpipe-Bewerb der Herren, in der Team-Staffel der Kunstbahnrodler, dem Damen-Skispringen, Parallel-Slaloms der Snowboarder und der Biathlon-Mixed-Staffel.

Österreichs ist im Zeichen der Fünf Ringe bei den Damen erstmals im Skeleton (seit 2002 olympisch) und Biathlon (1992) sowie im Damen-Bob (2002) vertreten. Die männlichen Langläufer sind zurück in der Spur, vor vier Jahren war nach dem Razzia-Skandal von Turin auf eine Entsendung verzichtet worden.

Laut Mennel wurden auch fünf Ersatzleute genannt: Die drei Eishockey-Spieler Dominique Heinrich, Markus Peintner und Rafael Rotter sowie im Bobsport Anschieberin Alexandra Tüchi und Anschieber Sebastian Heufler.

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