Olympia London 2012 von

Weidlinger wegen Verletzung aus

Der Oberösterreicher musste im Marathon nach zehn Kilometern aufgeben

Olympia London 2012 - Weidlinger wegen Verletzung aus © Bild: APA/Fohringer

Abfahrt im Rollstuhl, statt tolle Zeit - für Günther Weidlinger hat der olympische Marathon ein bitteres und frühes Ende genommen. Der Oberösterreicher lag bis Kilometer zehn gut im Rennen, ehe ihn ein Stich im rechten Fuß in die Knie zwang. Der Sieg ging überraschend an Stephen Kiprotich aus Uganda, der sich in 2:08:01 Stunden vor dem zweifachen Weltmeister Abel Kirui aus Kenia (2:08:27) und dessen Landsmann Wilson Kipsang Kiprotich (2:09:37) durchsetzte.

Weidlinger erwischte einen guten Anfang. Nach fünf Kilometern lag er mit 15:37 Sekunden nur 14 Sekunden hinter der Spitze, nach zehn Kilometern waren es mit 31:32 gerade einmal 54. Bei Kilometer 13,3 wartete Lauf-Nationaltrainer Wilhelm Lilge dann vergeblich auf den 34-Jährigen. Weidlinger kam nicht. Das Fernsehen hatte ihn aber eingefangen: auf dem Boden liegend.

Der Athlet der Sportunion Neuhofen/Krems wurde zur Erstversorgung ins Medical Center im Start-Zielbereich des Marathons gebracht und danach zu genaueren Untersuchungen in die Poliklinik des olympischen Athletendorfes gefahren. Laut Auskunft von ÖOC-Arzt Alfred Engel hat Weidlinger "eine Partialruptur am Ansatz der rechten Achillessehne" erlitten. "Sehne und Knochen sind zum Glück intakt", sagte Engel weiter. Operation ist keine notwendig.

Weidlinger selbst war in einer ersten Reaktion natürlich geschockt: "Das Glück ist, dass die Sehne und das Fersenbein intakt sind. Es geht mir schon etwas besser, aber ich bin immer noch total kaputt. Ich habe ein ganzes Jahr auf dieses Rennen hingearbeitet. Das war mein einziges wichtiges Rennen heuer, dass das so in die Hosen geht, ist schade. Das wird noch einige Zeit in meinem Kopf sein und nagen."

"Er ist absolut fertig"
"Es ist in einer 180-Grad-Ecke passiert, Günther hat einen Stich bekommen beim Übergang von der Achillessehne zum rechten Fersenbein", sagte ÖLV-Sportdirektor Hannes Gruber, der schon kurz nach dem Unfall mit dem völlig geknickten Weidlinger gesprochen hat. "Er ist absolut fertig. Es muss was Gravierendes sein", befürchtete Gruber. Weidlinger stützte im Rollstuhl sitzend den Kopf mit der linken Hand, im Gesicht spiegelten sich Schmerz und Enttäuschung. Es ist der gleiche Fuß, in dem sich Weidlinger im Juni 2001 bereits einmal einen Riss der rechten Achillessehne zugezogen hatte.

Der Marathon führte erst über eine kleine Schleife und dann drei große Runden. Ein Teil ist äußert winkelig und eckig, Kopfsteinpflaster erschwert die Aufgabe. "Ich habe schon bei der Streckenbesichtigung vor dem Lauf von Andrea Mayr gesagt, das ist mehr ein Marathon für die Augen als für die Beine", meinte Gruber, bekommt man auf den 42,195 Kilometern doch viele der Sehenswürdigkeiten geboten. Dass Weidlinger die Streckenbesichtigung ausgelassen hat, ist für Gruber kein Grund, dass nun etwas passiert ist. "Vier Stunden im Bus sitzen, nicht laufen dürfen, das ist absolut kein Muss, das lassen andere auch aus."

Siebenfacher Rekordhalter
Weidlinger ist auf sieben Freiluft-Distanzen österreichischer Rekordhalter, sein bestes Olympiaergebnis ist Platz acht 2000 in Sydney über 3.000 m Hindernis. Aber auch mit Stürzen und Missgeschicken machte er sich international einen Namen. Schmerzhaft wie spektakulär war der Vorfall bei der WM 2007 in Osaka, als er in der zweiten Runde unmittelbar vor der ersten Hürde zu Sturz kam und mit dem Gesicht voll gegen den Balken prallte. Er war 30 Minuten bewusstlos und erlitt Rissquetschwunden an Unterlippe und Unterkiefer.

In London setzte sich am Sonntag bei warmen Temperaturen der 23-jährige Kiprotich fünf Kilometer vor dem Schluss entscheidend ab und lief solo dem Ziel auf der Prachtstraße The Mall vor dem Buckingham Palace entgegen. "Am Anfang war das Tempo zu hoch, da wusste ich, dass ich nicht davonziehen konnte. Doch dann habe ich es tun müssen, denn ich wollte diese Medaille", sagte Kiprotich.

Die Kenianer galten als Favoriten, 200 Läufer hatten die Olympia-Norm geschafft, daheimbleiben musste unter anderem Weltrekordler Patrick Makau.

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