Olympia London 2012 von

Weidlinger hofft auf Regenmarathon

"Ich möchte es nicht so flott angehen, sondern auf der zweiten Hälfte schneller sein"

Olympia London 2012 - Weidlinger hofft auf Regenmarathon © Bild: GEPA/Ort

Günther Weidlinger ist wahrlich eine Ausnahmeerscheinung. Nicht nur, dass er viel für die österreichische Leichtathletik geleistet und für Sternstunden wie Schrecksekunden gesorgt hat, der 34-jährige Oberösterreicher tritt heute in der vierten verschiedenen Disziplin seit seinem Debüt bei Olympia an. "Der Werdegang ist eine Alterserscheinung", wie er sagt. Alt aussehen will er am Sonntag freilich nicht, sondern eine "gute und solide Leistung" im Marathon über 42,195 Kilometer oder 26,219 Meilen zeigen.

Auf die Streckenbesichtigung am Freitag hat Weidlinger verzichtet. Erstens hat er sehr genau den Frauen-Marathon am Fernseher mitverfolgt, zweitens kurz auch mit Landsfrau Andrea Mayr (54.) über ihre Erfahrungen geplaudert und drittens ist die Bus-Tour eher anstrengend, denn unbedingt notwendig. "Sie dauert vier Stunden. Es wäre vielleicht ein schönes Sightseeing gewesen, aber da man nur sitzt und keinen Abschnitt laufen kann, bringt es eher nicht so viel", sagte Weidlinger.

Er hat seine Hausaufgaben erledigt. "Es wird teilweise sehr winkelig und wellig. Die neuralgischen Punkte habe ich am Fernseher mitbekommen, wo und wie die Verpflegungsstellen aussehen auch. Und heute Nachmittag haben wir noch eine Besprechung, auch mit den Leuten, die an den Verpflegungsstellen stehen", erklärte der vielfache ÖLV-Rekordler auf diversen Strecken, der von seinem Vater Heinrich Weidlinger betreut wird. Seine Familie inklusive Söhnchen Patrice-Leon sieht sich das Rennen daheim an.

Ungewohnte Meilenangabe
Da Weidlinger schon oft in England gelaufen ist, ist er auch gut auf die Kennzeichnung in Meilen vorbereitet, für Mayr war dies im Frauen-Rennen eher eine ungewohnte Herausforderung. "Ich schreibe mir immer Zeiten auf die Hand. Ich habe mir daheim die Meilenzeiten schon ausgerechnet, aber ich versteife mich nicht auf die Zeit. Ob es Sinn macht, werde ich beim Startschuss sehen, es hängt auch von der Witterung ab", erklärte der Athlet der Sportunion Neuhofen/Krems.

Die Form sei nach dem Höhentrainingslager "sicherlich gut", erklärte er, die Verbesserung des von ihm seit 2009 gehaltenen österreichischen Rekordes von 2:10:47 Stunden sei aber nicht drinnen. "2:10 habe ich derzeit leider nicht drauf. Auch nicht bei einem schnellen Stadtmarathon. Dazu haben mir in der Vorbereitung ein paar Wochen gefehlt."

Hoffnung auf Regen
Im Frühjahr hatte Weidlinger ein Problem mit der Ferse, er musste seine geplanten Starts als Pacemaker in Linz und Düsseldorf absagen. Am Schluss des Höhentrainingslagers hat er eine Verkühlung aufgerissen, und zuletzt musste eine Entzündung in einem Finger mit einer Mini-Operation gereinigt werden. Er hatte sich bei der Gartenarbeit an einem Brombeerstrauch gestochen. Doch dies sei alles ausgestanden, er bereit und voller Vorfreude. "Ich hoffe, dass es regnet, das kommt mir entgegen. Oder zumindest, dass es stark bewölkt ist. Ich möchte es nicht so flott angehen, sondern auf der zweiten Hälfte schneller sein."

Das Olympia-Stadion, in dem die Leichtathletik-Bewerbe stattfinden, hat er noch nicht von innen gesehen. Start und Ziel des über eine kleine Schleife und drei große Runden führenden Marathons ist auf der Mall vor dem Buckingham Palace. "Der Marathon ist ein Straßenbewerb, da gehört er hin. Ich muss nicht ins Stadion, ich bin lange genug auf der Bahn gelaufen." 2000 bei Olympia in Sydney landete Weidlinger über 3.000 m Hindernis an achter Stelle, in Athen 2004 wurde er über 5.000 m 20. und in Peking 2008 über 10.000 m 27.

Kenianer sind die Favoriten
Die Favoriten auf die Goldmedaille sind der Kenianer Wilson Kipsang, der heuer bereits den klassischen London-Marathon bei anderer Streckenführung gewonnen hat, und sein Landsmann und Doppelweltmeister Abel Kirui, der 2008 auch in Wien gewann.

Dieser sprach davon, dass einer neuer olympischen Rekord möglich sei. Bestzeithalter ist Sammy Wanjiru, der vor vier Jahren in Peking 2:06:32 lief. "Es ist möglich, wird aber vom Wetter abhängen", meinte Kirui. Und davon, mit welcher Taktik die Topleute den Langstreckenlauf angehen. Den Weltrekord hält der Kenianer Patrick Makau (2:03:38/Berlin 2011), der nicht selektioniert wurde.

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