Olympia London 2012 von

ÖOC will Sportförderung bündeln

Nach dem Olympia-Debakel fordert Präsident Stoss neue Förderstrukturen

Olympia London 2012 - ÖOC will Sportförderung bündeln © Bild: APA/Neubauer

Die Spitzensportförderung in Österreich soll nach der Vorstellung von ÖOC-Präsident Karl Stoss in eine Hand gelegt werden - am besten in die eigene. Stoss will die Aktivitäten des für die Förderung von Olympia-Athleten zuständigen "Team Rot-Weiß-Rot" des Sportministeriums, der hauptsächlich privat finanzierten Sporthilfe und des ÖOC "stärker gebündelt" sehen.

Derzeit kommen die Gelder aus mehreren unterschiedlichen Kanälen. "Die Sportförderung und die Förderung von Olympia-Athleten muss klar in eine Hand gelegt werden", forderte Stoss. "Es muss klare Verantwortlichkeiten geben. Es wäre vernünftig, das in die Hände des ÖOC zu legen." Die zur Verfügung stehenden Mittel könnten effizienter eingesetzt werden. Im "Team Rot-Weiß-Rot" seien zuletzt 400 Sportler gefördert worden, 2004 seien es noch 200 gewesen. "So viel zum Thema Gießkanne", meinte der ÖOC-Chef.

Nächstes Ziel: Rio
"Wir treten für ein selektives, gezielteres Fördern der Spitzenathleten ein", erklärte Stoss. "Richtung Rio muss man mit den Medaillenanwärtern arbeiten", ergänzte sein Generalsekretär Peter Mennel. Dafür werde es auch einen aus privaten Geldern finanzierten "Olympia-Kader" geben.

Das Sportministerium habe laut ÖOC-Angaben in den vergangenen 18 Monaten fünf Millionen Euro in sein Spitzensportförderprojekt investiert. Davon seien aber lediglich 850.000 Euro an die 70 tatsächlich in London engagierten Athleten gegangen. "Ziemlich die gleiche Summe ist für Marketingkosten aufgewendet worden", kritisierte Stoss. "Das könnte vielleicht effizienter verwendet werden."

Kein Konflikt mit Darabos
Persönliche Probleme mit Sportminister Norbert Darabos nach dessen medial geübter Kritik am Abschneiden des österreichischen Olympia-Teams wies Stoss zurück. "Es gibt keinen Konflikt mit dem Sportminister", versicherte der ÖOC-Chef. "Wir wollen in aller Ruhe eine Analyse durchführen, wo es Verbesserungsbedarf gibt."

Neue Strukturen in der Leichtathletik
Der Leichtathletikverband (ÖLV) hat bereits neue Strukturen zur Talentförderung angekündigt. Ab Herbst wird es zwei Bundesleistungszentren (im Raum Wien sowie in Linz) und vier Bundesstützpunkte in Dornbirn, Innsbruck, Salzburg und Graz geben. "Wichtig war uns, dass Heeressport-Leistungszentren und Universitäten oder Fachhochschulen in der Nähe sind, damit die Sportler ihren Ausbildungen nachgehen können", sagte ÖLV-Sportdirektor Hannes Gruber im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur. Inbegriffen soll die Betreuung der Athleten im medizinischen und physiotherapeutischen Bereich sein, die dringend gebündelt und verbessert gehöre.

Hauptamtliche Trainer
Evaluiert werden soll auch das Nationaltrainer-System, mehr Hauptamtlichkeit sei dringend notwendig, da wird man auf Unterstützung von Bund und Land angewiesen sein. "Fast alle Trainer haben einen Hauptberuf, zum Beispiel Philipp Unfried oder Gregor Högler, die den Sport mehr oder weniger in ihrer Freizeit machen. International betrachtet geht das nicht mehr", sprach Gruber nur zwei der vielen Idealisten an. Unfried trainiert Schrott, Högler die Werfergruppe mit Gerhard Mayer (Diskus), Elisabeth Eberl und Elisabeth Pauer (beide Speer).

Die sechs Zentren sollen auch mit den Landesleistungszentren gekoppelt sein, wo gezielt Nachwuchsarbeit gemacht werden soll. "Man darf nicht nur die Spitze betreuen, sondern auch die Nachwuchskaderathleten. Der Talentepool muss größer werden. Alle Orte haben zum Beispiel auch ein Sport-BORG", sagte Gruber.

Ressourcen bündeln
Gruber begrüßt die zuletzt getätigten Aussagen von ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel, der Bedarf an der Weiterentwicklung der Olympiazentren sieht. "Das deckt sich mit unserer Idee. Wir möchten uns mit dem ÖOC zusammensetzen und gemeinsam an einem Strang ziehen. Ich bin überzeugt, dass es nur so weitergeht. Man muss die Ressourcen bündeln, die finanziellen und die personellen. Man braucht sich nur Deutschland ansehen. Dort gibt es 23 Zentren, alle Athleten sind dort und haben Rundumbetreuung."

Kommentare