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Hirscher: "Die
Ungewissheit ist groß"

Salzburger hat Chance auf dritte Goldmedaille

Olympia - Hirscher: "Die
Ungewissheit ist groß" © Bild: EPA-EFE/CHRISTIAN BRUNA

Schwierige Bedingungen, große Ungewissheit und zusätzlich ein enormer Druck. Für Marcel Hirscher wird es am Donnerstag nicht leicht werden. Und dennoch stehen seine Chancen auf eine dritte Goldmedaille gut.

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Vier Jahre nach Mario Matt hat Österreich die nächste große Chance auf einen Olympiasieg im Slalom. Topfavorit Marcel Hirscher führt am Donnerstag ein schlagkräftiges Quartett an, für den Salzburger ist es zugleich auch die Mission dritte Goldmedaille bei den Winterspielen in Pyeongchang. Der größte Herausforderer außerhalb des eigenen Lagers ist der Norweger Henrik Kristoffersen.

Schwieriges Training

Das Slalomtraining in Yongpyong gestaltete sich schwierig, weil viel Betrieb auf der Piste war. ÖSV-Herren-Rennsportleiter Andreas Puelacher sah aber gute Leistungen seines Quartetts, er ist zuversichtlich. "Sie haben sich sehr gut präsentiert, wir gehen optimistisch in den Slalom." Entgegen der Hoffnungen wurde der Rennhang nicht mit Wasser behandelt, die Bedingungen sind also aggressiv und nicht eisig.

Hirschers freier Tag

Hirscher machte nach seinen Goldmedaillengewinnen in Kombination und Riesentorlauf einen Tag Pause, sah sich mit Freundin Laura einen Nationalpark an. "Wunderschön, landschaftlich sehr faszinierend. Es taugt mir, dass ich endlich von Südkorea auch eine bisserl einen Eindruck bekommen habe", sagte der Salzburger. Das Training sei "so lala" gelaufen, jetzt versuche man, für das Rennen wieder auf dem Punkt zu sein, das sei schwierig, man werde es aber hinbekommen.

»Wenn man also das heutige Training hernimmt, dann hockt links von mir ein ganz schneller Mann«

Wie schon in der Kombination nannte Hirscher seinen Teamkollegen Marco Schwarz als einen seiner größten Konkurrenten. "Die Bedingungen sind sehr speziell. Ihr wisst ja, ich mag es eisig. Aber hier ist aggressiver Schnee, wieder amerikanisch, aber ohne Wasser. Wenn man also das heutige Training hernimmt, dann hockt links von mir ein ganz schneller Mann", verwies Hirscher auf Schwarz. Mit Kristoffersen sei auf jeden Fall zu rechnen und vielleicht auch mit dem Schweizer Daniel Yule.

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Große Ungewissheit

Der Gewinner von sechs der acht Saison-Spezialslaloms versucht sein letztes Olympiarennen so anzugehen wie zuletzt den Riesentorlauf: "Es ist die gleiche Situation. Ich hoffe, dass es am Rennhang anders als am Trainingshang ist, die Ungewissheit ist groß. Man kann erst am Donnerstag beurteilen, wie wohl man sich fühlen kann oder auch nicht", weiß Hirscher.

» Es gibt so viele andere, die dieses Rennen gewinnen können. Man will selbst ja auch entsprechend performen, deshalb ist der Druck nicht viel weniger«

Wie groß er die Chance auf Goldmedaille Nummer drei sieht? "Es ist definitiv eine Chance und könnte möglich sein. Man muss zuerst brillant fahren. Es gibt so viele andere, die dieses Rennen gewinnen können. Man will selbst ja auch entsprechend performen, deshalb ist der Druck nicht viel weniger."

"Psychologisches Spielchen"

Schwarz nützte nach Platz vier in der Kombination die Pause-Tage, er fühle sich kräftemäßig und auf den herrschenden Bedingungen recht wohl. "In Jeongseon war etwas mit Wasser präpariert worden, in Yongpyong ist es noch um die Spur aggressiver." Dass er von Hirscher in eine Mitfavoritenrolle geredet wird, bezeichnete er als "psychologisches Spielchen". Deswegen habe er nicht mehr Druck. Erst einmal war er im laufenden Weltcupwinter unter den Top Ten.

© APA/ÖOC/ERICH SPIESS Zwei Goldmedaillen hat Hirscher bereits

Solo-Training

Erst reinfinden musste Michael Matt, der nach zwei schwierigen Trainingstagen aber den Umkehrschwung schaffte. "Ich habe dann gestern nochmals alleine trainiert, die ganzen Trainer sind extra alle ausgerückt, zehn Leute nur für mich", sagte der Tiroler. "Es ist dann sehr, sehr viel in die richtige Richtung weitergegangen." Nach der Absage des Hangfahrens durfte die Rennpiste allerdings weiterhin nur aus der Ferne besichtigt werden.

»Ich bin nicht hier zum Zweiter werden«

Einsatzbereit für den Slalom meldete sich Manuel Feller, der sich bei seinem Sturz im Riesentorlauf ein Schleudertrauma an der Halswirbelsäule und eine Schulterprellung zugezogen hatte. "Es wurde therapeutisch sehr gut gearbeitet. Mit dem Training ist es wieder ein bisschen schlechter geworden, aber ich war nicht groß eingeschränkt. Unterm Fahren ist es kein Problem. Dass irgendwo was zwickt, bin ich eh gewöhnt. Für zwei Läufe reicht es definitiv."

Er werde Vollgas geben. "Ich bin nicht hier zum Zweiter werden." Die Saisonbilanz: Viermal Top acht, vier Ausfälle.

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