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Deutsche Biathletin positiv getestet

Erste Dopingfälle in Sotschi - neben Deutscher auch italienischer Bobfahrer betroffen

  • Doping Contro bei den Jugend-Olympischen Spielen in Innsbruck
    Bild 1 von 26 © Bild: GEPA pictures/ Andreas Pranter

    Doping-Historie

    Die Einnahme von verbotenen Substanzen gehört zur jüngsten Geschichte der Olympischen Spiele (leider) dazu. Seit 1968 werden größere Kontrollen durchgeführt, Skandale blieben nicht aus.

  • Jean-Claude Killy im Slalom der olympischen Spiele im französischen Grenoble
    Bild 2 von 26 © Bild: Getty Images

    1968 Grenoble

    Bei insgesamt 86 Kontrollen gab es keinen offiziellen Dopingfall - erfreulich.

Die deutsche Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle hat am Freitagabend ihren positiven Dopingtest bei den Olympischen Winterspielen von Sotschi bestätigt. In einem Statement schrieb die 33-Jährige am Freitag "vom schlimmsten Albtraum, den man sich vorstellen kann". Sachenbacher-Stehle hatte im Massenstart als Vierte eine Medaille knapp verpasst.

Die ehemalige Langläuferin war 2006 am Tag vor der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Turin wegen erhöhter Blutwerte mit einer fünftägigen Schutzsperre belegt worden und hatte deshalb das Auftaktrennen verpasst. Als Langläuferin holte Sachenbacher-Stehle insgesamt fünf Olympia-Medaillen (zwei Gold, drei Silber). Vor zwei Jahren wechselte sie zum Biathlon.

Während der Sotschi-Spiele ist es die erste positive Probe, die bekannt wurde. 2002 hatte der Blutdoping-Fall des Ski-Langläufers Johann Mühlegg bei den Winterspielen in Salt Lake City für einen Skandal gesorgt. Der gebürtige Deutsche startete allerdings für Spanien.

Sachenbacher-Stehle knapp an Medaille vorbei

Evi Sachenbacher-Stehle beim Olympia-Bewerb in Sotschi
© KIRILL KUDRYAVTSEV/AFP/Getty Images Platz vier war das beste Ergebnis der Biathletin in Sotschi

Sachenbacher-Stehle war nicht für die Damen-Staffel am Freitag nominiert worden. Die zweifache Skilanglauf-Olympiasiegerin (Staffel 2002, Team-Sprint 2010) war vor zwei Jahren zum Biathlon gewechselt. Im Massenstart-Bewerb lief sie als Vierte knapp an einer Medaille vorbei. Der DOSB wollte zunächst keine weitere Stellungnahme zu dem Fall abgeben. Sachenbacher-Stehle war für eine Reaktion vorerst nicht zu erreichen.

Die 33-Jährige aus Reit im Winkl war 2006 am Tag vor der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Turin wegen erhöhter Blutwerte mit einer fünftägigen Schutzsperre belegt worden und musste beim Auftaktrennen der Langläuferinnen zuschauen. Sie hatte damals unter Tränen versichert, nie wissentlich gedopt zu haben und beteuert, sie weise in der Höhe oft höhere Hämoglobinwerte auf. Ein Antrag auf Ausnahmegenehmigung wurde von der FIS jedoch abgelehnt. Bei einer Langzeitstudie wurden später große Schwankungen des Hämoglobinwerts, aber keine Grenzwertüberschreitung festgestellt.

Doping-Control-Station in Sotschi
© GEPA pictures/ Daniel Goetzhaber In Sotschi gehören Doping-Kontrollen zur Tagesordnung

Frenzel: "Das ist ein ganz schöner Hammer"

Kombinations-Olympiasieger Eric Frenzel konnte die Hiobsbotschaft kaum glauben. "Das ist ein ganz schöner Hammer", sagte der 25-Jährige vor Bekanntwerden des Namens von Sachenbacher-Stehle der ARD-"Sportschau". Alle seien überrascht, dass es so etwas in Deutschland geben könne, da das Doping-Kontrollsystem einfach viel zu gut sei. "Von daher hat es einem schon die Füße vom Boden gezogen", meinte Frenzel, einen Tag nach dem Silbermedaillengewinn mit dem Team der Nordischen Kombinierer.

Vor der Abreise nach Sotschi hatte der Chef de Mission Vesper gesagt, dass er sicher sei, dass die deutsche Mannschaft bei den Winterspielen sauber an den Start gehen würde. "Absolut, das ist unser Ziel", sagte er damals. Es seien nur Sportler nominiert, die nachweislich kontrolliert worden seien. Jeder nominierte Athlet wurde laut Vesper vor den Winterspielen noch einmal unangemeldet getestet, "weil wir nichts unversucht lassen wollen, um für sauberen Sport zu sorgen".

Auch italienischer Bobfahrer positiv getestet

Auch im italienischen Team gibt es einen Dopingfall. Laut Angaben des Nationalen Olympischen Komitees Italiens (CONI) handelt es sich um den Bob-Anschieber William Frullani, der auch als Leichtathletik-Mehrkämpfer bekannt ist. Der 34-Jährige ist nach einem positiven Test auf ein verbotenes Nahrungsergänzungsmittel aus dem Team schon ausgeschlossen worden, teilte ein CONI-Vertreter am Freitag mit.

Beim verbotenen Mittel handelt es sich um Dymetylpentylamin, ein Stimulanzmittel, das seit Jahren als Substanz vielen Nahrungsergänzungsmitteln illegal zugesetzt wird. Die gesundheitsgefährdenden Präparate werden unter anderem als "Fettburner" und als Produkte zur "Verbesserung der Sauerstoffkapazität bei harten Belastungen" beworben. Frullani gab an, dass er die verbotene Substanz via Internet aus den USA bestellt habe.

Das IOC hat bei den Winterspielen in Sotschi die Rekordzahl von 2.453 Test bis zur Schlussfeier am 23. Februar vorgesehen. Ein Großteil der Urin- und Blutkontrollen ist bereits vorgenommen worden. Mehr als 50 Prozent der Tests werden außerhalb der Wettkämpfe durchgeführt. Bei den Winterspielen 2010 in Vancouver gab es einen Doping-Fall.

Haftstrafe nach Doping?

Deutschlands Justizminister Heiko Maas hat passend dazu ein strenges Anti-Doping-Gesetz angekündigt. "Sowohl der Besitz als auch die Anwendung von Doping-Mitteln sollen unter Strafe gestellt werden", so Maas zur "Bild"-Zeitung. "Es droht gedopten Sportlern also künftig nicht mehr nur die Wettkampfsperre, sondern das Gefängnis." Sportler und Doping-Ärzte müssten mit Haftstrafen von bis zu fünf Jahren rechnen.

Ein Gesetzentwurf solle noch in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit dem Innenministerium vorgelegt werden. Unter Strafe gestellt werden solle schon der Besitz geringer Mengen von Dopingmitteln, und zwar für die Zeit von Wettkämpfen und auch die Vorbereitungs- und Trainingszeit. "Wir sind es der Mehrheit der ehrlichen Sportler schuldig, endlich zu handeln", sagte der SPD-Politiker Maas.

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