Olympia 2012 Schwimmen von

Die minderjährigen Superstars

Missy Franklin ist 17, He Shiwen 16 und Ruta Meilutyte überhaupt erst 15 Jahre alt

Olympia 2012 Schwimmen - Die minderjährigen Superstars © Bild: GEPA/Walgram

Im Schwimmsport ist man mit dem Erreichen der Volljährigkeit offenbar schon zu alt - vor allem bei den Damen. An den ersten drei Wettkampftagen schafften das nur die 22-jährige Französin Camille Muffat über 400 m Kraul sowie die 24-jährige US-Amerikanerin Dana Vollmer mit Weltrekord über 100 m Delfin. Das Gros der Siegerinnen ist aber noch keine 18 Jahre alt: die 17-jährige Missy Franklin, die 16-jährige He Shiwen und die 15-jährige Ruta Meilutyte.

Die Litauerin war die Sensation schlechthin. Ihre Vorlaufbestzeit über 100 m Brust wäre ja noch als Eintagsfliege durchgegangen, doch nach ihrem Europarekord von 1:05,21 Minuten im Semifinale war sie nicht mehr zu übersehen. Dass die Schülerin US-Favoritin Rebecca Soni aber auch in der Medaillenentscheidung distanzierte, zeigte Klasse. Sie bewies auch Nerven, gab es doch nach einem vermeintlichen Fehlstart der US-Amerikanerin Breeja Larson eine ungewöhnliche Startverzögerung.

Das Gold von Meilutyte gehört sozusagen auch zu einem kleinen Teil Großbritannien, trainiert und lebt sie doch seit drei Jahren im Plymouth College. Ihr Vater hatte sie aus dem Baltikum zum dortigen Coach Jon Rudd geschickt, um ihre Schwimmkarriere voranzubringen. Dass dies diesen ungewöhnlich steilen Verlauf nehmen würde, war da freilich nicht abzusehen. Dieser Titel ist übrigens erst Europas zweite Olympia-Medaille in diesem Bewerb nach - Mirna Jukic 2008 in Peking.

Erstes Schwimmgold für Litauen
Es ist der erst fünfte Olympia-Titel überhaupt und das erste Schwimm-Gold für Litauen. Meilutyte ist mit 15 Jahren und 133 Tagen die jüngste Olympiasiegerin im Schwimmen seit 1996 in Atlanta, die US-Amerikanerin Beth Botsford war 1996 bei ihrem Sieg über 100 m Rücken 1996 in Atlanta noch 71 Tage jünger. Die um 8/100 besiegte Soni konnte die Leistung der Baltin in deren erstem internationalen Finale kaum fassen. "Es ist beeindruckend, das mit 15 zu leisten. Ihr gehört die Zukunft."

Ye Shiwen kamen nach ihrem mit einem unglaublichen Finish fixierten Weltrekordsieg über 400 m Lagen nicht nur Bewunderungen entgegen, sondern auch Dopingverdächtigungen. Ein US-Trainer bezeichnete ihre Leistung als zerstörend. "Da ist kein Problem mit Doping", antwortete die Teenagerin. "Ich trainiere einfach wissenschaftlich-basiert gut, bleibe dran." Und weiter: "Das chinesische Team hatte immer eine strikte Antidoping-Politik." Nun, zumindest das ist leicht zu widerlegen.

Schneller als Phelps
Über 200 m Lagen hatte Ye 2011 bei der Shanghai-WM als 15-Jährige Gold geholt, am Montag zog sie als Schnellste in den Olympia-Endlauf ein. Zum Schwimmen war sie gekommen, nachdem der Kindergärtnerin ihre großen Hände aufgefallen waren. Und auch die Tatsache, dass sie über die lange Lagenstrecke auf der vorletzten Länge schneller als Michael Phelps und auf der letzten schneller als Ryan Lochte in deren Finale war, konnte Ye einfach erklären: "Ich habe zuletzt gut trainiert."

Der Erfolg von Franklin über 100 m Rücken ist keine Überraschung, sie hatte sich schon in Shanghai zur dreifachen Weltmeisterin gekrönt. Beachtlich dabei, dass das große Talent nur ein paar Minuten vor im Triumph in den Endlauf über 200 m Kraul eingezogen war. "Dieses Gold übersteigt meine Erwartungen eine Milliarde Mal", meinte Franklin. Sie betont immer wieder, dass sie im Pool einfach nur Spaß haben will. "Ich könnte nicht glücklicher sein."

"Es ist unglaublich"
Von dem Gewinn einer Olympia-Goldmedaille habe sie immer geträumt. "Ich kann meine Gefühle nicht in Worte kleiden, es ist unglaublich. Ich fühle mich, als wäre ich in einem Traum und es müsste mich jemand zwicken, damit ich aufwache." Franklin ist bei den US-Journalisten fast ein größeres Thema als Phelps oder Lochte. Als Phelps nach seinem Semifinale über 200 m Delfin in die Mixed-Zone kam, musste er erst einmal drei Fragen zu seiner Landsfrau beantworten.