Olmert erwägt Gefangenenaustausch: 450 Palästinenser gegen israelischen Soldaten

Shalit vor zwei Jahren in Gaza-Streifen verschleppt Bisher noch keine Bestätigung von offizieller Stelle

Olmert erwägt Gefangenenaustausch: 450 Palästinenser gegen israelischen Soldaten

Für die Befreiung des vor gut zwei Jahren in den Gaza-Streifen verschleppten israelischen Soldaten Gilad Shalit erwägt Ministerpräsident Ehud Olmert laut einem Pressebericht die Freilassung von 450 palästinensischen Gefangenen. Bisher habe die Regierung der Freilassung von 80 der insgesamt 450 Häftlinge zugestimmt, die die radikale Hamas im Austausch gegen Shalit gefordert habe, berichtete die Zeitung "Haaretz". Olmerts Sprecher bestätigte den Bericht nicht. "Solche Informationen zu geben, wäre nicht günstig, um die Freilassung zu ermöglichen", sagte er.

Der staatliche Rundfunk hatte berichtet, ein interministerieller Ausschuss werde darüber beraten, ob für die Befreiung Shalits die Anforderungen für die Freilassung palästinensischer Häftlinge gelockert werden können. Um dem palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas den Rücken zu stärken, hatte Israel kurz vor der Ankunft von US-Außenministerin Condoleezza Rice im Nahen Osten fast 200 palästinensische Häftlinge freigelassen, die mehrheitlich zur Fatah von Abbas gehören. Nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation B'tselem werden derzeit in israelischen Gefängnissen 8.500 Palästinenser im Zusammenhang mit Sicherheitsvergehen und weitere 1.500 wegen krimineller Straftaten festgehalten.

Abbas fordert Freilassung von Fatah-Führer
Abbas soll von Israel auch die Freilassung des Fatah-Führers im Westjordanland, Marwan Barghouthi, des zur Hamas gehörenden Vorsitzenden des palästinensischen Parlaments, Aziz Dweik, und des Chefs der marxistischen "Volksfront für die Befreiung Palästinas" (PFLP), Ahmed Saadat, verlangt haben. Saadat wird für die Ermordung des israelischen Tourismusministers Rehavam Zeevi im Jahr 2001 verantwortlich gemacht. Barghouthi war im April 2002 von der israelischen Armee verhaftet worden, obwohl er als Mitglied des palästinensischen Parlaments Immunität beanspruchen konnte. Bei den palästinensischen Parlamentswahlen im Jänner 2006 war Barghouthi in Ramallah symbolisch auf den ersten Platz der Fatah-Liste gesetzt worden.

Nach dem blutigen innerpalästinensischen Machtkampf im Sommer 2007 erlangte die Hamas die alleinige Kontrolle über den Gaza-Streifen, Abbas löste daraufhin die von Hamas-Premier Ismail Haniyeh geleitete Einheitsregierung auf und setzte ein Notstandskabinett unter Salam Fayyad im Westjordanland ein.

(apa/red)