Obsorge-Drama von

Olivers Vater verurteilt

Ein Jahr bedingt für Däne Thomas S. - Er glaubt an rechtmäßige Handlung

Fall Oliver: Der Vater steht erneut in Graz vor Gericht. © Bild: APA/ERWIN SCHERIAU

Der Vater des sechsjährigen Oliver, Thomas S., ist am Donnerstagnachmittag wegen schwerer Nötigung und Kindesentziehung zu einem Jahr bedingter Haft verurteilt worden. Er soll den Buben im April 2012 vor einem Grazer Kindergarten der Mutter weggenommen und nach Dänemark gebracht haben. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Der Vater von Oliver zeigte sich in der Verhandlung erneut davon überzeugt, dass er rechtmäßig gehandelt habe, als er den Sechsjährigen von Graz nach Dänemark brachte. Eine Zeugin schilderte den Vorfall vor einem Kindergarten allerdings weniger harmlos als der Angeklagte: Sie habe "laute, panische Schreie" einer Frau vernommen und dann ein Auto wegrasen gesehen.

Vater: "Habe in Österreich Obsorge"

Die Anwältin der Mutter fragte den Angeklagten ganz konkret, nachdem er zuvor eher ausweichend geantwortet hatte: "Wer hat die Obsorge in Österreich?" "Ich", kam es ohne Zögern vom Beschuldigten. "Wie kommen Sie darauf?", hakte die Anwältin, die schon unzählige Male erklärt hatte, dass ihr Mandantin das alleinige Sorgerecht in Österreich innehabe, nach. "Weil die dänische Entscheidung nach meiner Rückkehr mit Oliver erneut bestätigt wurde, ich habe auch das internationale Sorgerecht", war der Däne überzeugt. Von diesem "internationalen Sorgerecht" wusste außer ihm allerdings niemand etwas.

Als Zeugin wurde eine Frau befragt, die den Vorfall vor dem Kindergarten im April vorigen Jahres mitbekommen hatte. Sie schilderte, dass sie zunächst eine "zornige, sich wehrende Kinderstimme" vernommen habe, anschließend hörte sie "laute, panische Schreie" einer Frau. Dann sah sie noch ein Auto derart schnell wegfahren, dass sie zunächst an einen Autounfall mit Fahrerflucht gedacht habe.

Mutter von Oliver: "Mache mir jeden Tag Sorgen"

Am Nachmittag wurde die Mutter von Oliver, Marion Weilharter, als Zeugin gehört. Sie schilderte ebenfalls den Vorfall vor dem Kindergarten: "Ich konnte zuerst nicht schreien, ich war geschockt." Sie fordert nun vom Vater des Kindes 183.000 Euro, da sie behauptet, seit damals wegen einer posttraumatischen Störung nicht mehr arbeiten zu können.

Die 41-Jährige schilderte, dass sie ihr Kind seit dem Vorfall nur einmal sehen durfte. "Ich mache mir jeden Tag Sorgen, wie es ihm geht", so die Zeugin. Seit Februar habe sie "kein Lebenszeichen" mehr erhalten. Doch Richter Stefan Koller unterband diese Diskussionen, da es mit dem Vorfall nichts zu tun habe. Weilharter schilderte dann den Vorfall vor dem Kindergarten aus ihrer Sicht. Sie sei vom Komplizen des Angeklagten gegen die Autotüre gedrückt worden und konnte nicht zu ihrem Sohn. "Ich hatte Angst, ich sehe meinen Sohn nie wieder", schilderte sie. Um ein Kontaktrecht in Dänemark habe sie anschließend nie angesucht: "Damit würde ich die Tat legalisieren", begründete die Mutter des Sechsjährigen.

Thomas S. war bereits im September 2012 zu einem Jahr bedingter Haft verurteilt worden, das Oberlandesgericht gab der Berufung allerdings statt und verfügte, dass neu verhandelt werden muss.

Der von seinem Vater nach Dänemark gebrachte Oliver
© APA/ FAMILY HANDOUT Um Oliver führen die Eltern einen erbitterten Sorgerechtsstreit.

Kommentare