"Savages" von

Oliver Stones Drogenthriller

US-Regisseur inszeniert mexikanischen Suchtgiftkrieg als Satire

Oliver Stone ist immer wieder für Überraschungen gut. Der umstrittene US-Regisseur hat Hits wie "Natural Born Killers" oder "An jedem verdammten Sonntag" ebenso inszeniert wie jüngst Flops a la "World Trade Center" oder "W" über George W. Bush. Mit "Savages" hat er sich nun Don Winslows gleichnamigem Kriminalroman (dt. "Zeit des Zorns") angenommen und diesen als ultrabrutalen, post-tarantinoesken Drogenthriller inszeniert, der immer wieder satirisch überhöht, oft aber auch unfreiwillig komisch ist und vor allem einen gravierenden Schwachpunkt aufweist. Am Freitag (12. Oktober) läuft der starbesetzte Film im Kino.

Gleich zu Beginn versucht Stone einen erzählerischen Ton vorzulegen, der ihm jedoch nur phasenweise gelingt. "Die Tatsache, dass ich diese Geschichte erzähle, muss nicht heißen, dass ich am Ende noch am Leben bin", sinniert Blake Livelys Figur O, kurz für Ophelia, aus dem Off - und man weiß nicht genau, ob man den Hinweis auf die möglicherweise nicht völlig akkuraten Erinnerungen der naiven Amerikanerin einfach hinnehmen oder schon mal die Erwartungen auf die kommenden mehr als zwei Stunden rapide senken sollte. Tatsächlich schadet beides nicht, wie sich herausstellt. O lebt mit dem buddhistisch-weltverbessernden Kiffer Ben (Aaron Taylor-Johnson) und dessen bestem Freund Chon (Taylor Kitsch), einem kriegstraumatisierten Ex-Navy-Seal, in Südkalifornien, wo sie gemeinsam dem lukrativen Handel mit selbst angebautem Marihuana nachgehen. Die idyllische Dreiecksbeziehung wird alsbald auf die Probe gestellt, als die mexikanische Konkurrenz die Plantage übernehmen will und die Privatiers sich unvorsichtigerweise mit dem Kartell anlegen. Als O entführt wird, starten Ben und Chon eine Rettungsaktion und damit einen blutigen Kreislauf der Gewalt.

Stone scheitert tapfer

Mit der Einführung der mexikanischen Gangster nimmt "Savages" gehörig an Fahrt auf, treten damit doch einige völlig übersteigerte Nebenfiguren auf den Plan: Salma Hayek als gnadenlose Drogenkönigin mit einer schwierigen Beziehung zu ihrer Tochter, Benicio del Toro als sadistisch-skrupelloser Häscher mit Loyalitätsproblemen und John Travolta als korrupter Drogenfahnder, der zwischen die Fronten gerät. Wenn diese Figuren loslegen, wähnt man sich in einem halluzinatorisch-fiebrigen, cool-abgedrehten Rausch, wie er in solch visueller Brillanz möglicherweise nur Stone gelingt. Doch leider schafft er es nicht, diese sarkastische Distanz aus der Vorlage von Winslow auch bei seinen Protagonisten zu bewahren. Ganz im Gegenteil, diese scheint er auch noch ernst zu nehmen, womit sie den ganzen Film über zwischen hippem Kifferstyle und dramatischem Generationsdrama festhängen, quasi zwei Figuren am Abgrund, die - zumindest aus der rückblickenden Erzählerinnensicht von O - alles daran setzen, ihre geliebte Freundin aus der Hölle zu befreien. Diesen Spalt schafft der Film nie zu kitten - wohl ein Grund dafür, dass er in den USA bisher gerade einmal die Produktionskosten einspielte.

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