Oliver Pocher von

"Die Wahrheit tut oft weh"

Im NEWS-Talk spricht er über seine Kinder, seine Ehe, die "Super-Nanny" und vieles mehr.

Oliver Pocher - "Die Wahrheit tut oft weh"

Drei Kinder - die Zwillinge sind erst fünf Wochen alt - und die Hochzeit mit Alessandra, einst Sandy Meyer-Wölden, in nur drei Jahren: Seinen rasant veränderten Lebenswandel thematisiert Comedian Oliver Pocher, 33, gewohnt schonungslos in seinem neuen Programm "Die Wahrheit - Und nichts als die Wahrheit" (13.4. Wien, 14.4. Graz, 15.4. Salzburg). Im NEWS-Talk spricht Pocher über seine Familie, Väterkarenz, die "Super Nanny" und vieles mehr.

NEWS: Welche Wahrheit verkünden Sie in Ihrem neuen Programm?
Oliver Pocher: Ich bin der richtige Ratgeben für alle, die bereits Kinder haben oder sich fortpflanzen wollen. Das geht meiner Erfahrung nach ab 14 Jahre los. Es ist ein gesamtpolitisches Thema internationaler Größenordnung, das ich da anpacke. Bei mir hat sich in den letzten Jahren soviel getan. Ich habe eine Großfamilie hochgezüchtet und mich beruflich weiterentwickelt. Auch die Medienlandschaft hat sich verändert, iPad gab’s vor drei Jahren noch nicht, Facebook war noch kein Thema. Darüber muss natürlich gesprochen werden.

NEWS: Werden Sie in gewohnt offenherzigen Art auch Prominente durchleuchten?
Pocher: Es wird kein Hauptbestandteil der Show. Die Prominenz von Menschen verändert sich extrem schnell. Ein halbes Jahr lang regen wir uns über den Kachelmann-Prozess auf und heute interessiert das schon niemanden mehr. Im Prinzip ist mein neues Programm eine Therapiestunde. Unter anderem erzähle ich, was mir selbst widerfahren ist und frage in den Raum, ob das die Anderen auch so erlebt haben. Anhand der Lacher sehe ich, dass ich nicht alleine dastehe.

NEWS: Sie sind mittlerweile Vater von drei kleinen Kindern, ihre Zwillinge sind erst vor wenigen Wochen auf die Welt gekommen. Wie kann man sich den Alltag bei Ihnen vorstellen?
Pocher: Ich kann Sendungen wie „Die Super Nanny“ und „Familien im Brennpunkt“ heute viel besser nachvollziehen. Ganz so schlimm ist es bei uns aber nicht. Früher dachte man, Maxi-Cosi und Isofix wären Discos. Mit Kindern hat alles eine ganz andere Bedeutung. Reisen werden zu Umzügen, da überlegt man sich dreimal, ob man überhaupt noch irgendwo hingehen möchte. Früher hat man sich über Kinder aufgeregt, die im Flugzeug schrieen. Mittlerweile hofft man, dass das eigene Kind nicht das Lauteste ist.

NEWS: Welche Erkenntnis über Eltern hat Sie am meisten überrascht?
Pocher: Ich sehe Brüste heute mit anderen Augen. Man guckt nur noch, ob eine Frau schon abgestillt hat oder nicht. Würde ich heute noch in einen Stripclub gehen, würde ich Abpump-Besteck auf die Bühne werfen, keine Dollar. Der Blick ändert sich. Plötzlich fallen einem Baby- und Krabbelecken auf oder auch Väter, die um 11 Uhr in der Spielgruppe sitzen.

NEWS Würden Sie in Vaterkarenz gehen?
Pocher: Ich finde das ok, aber tendenziell sieht das immer nach Waldorf-Vätern aus, die sich gerne eine Auszeit vom stressigen Job als Berufsschullehrer gönnen.

NEWS: Vermissen Sie die Unbeschwertheit Ihrer Singlezeit manchmal?
Pocher: Diese Unbeschwertheit hatte man ja lange genug. Irgendwann ist jede Party gefeiert, das Anmachschema ist immer relativ ähnlich und dann sollte man nach 15 Jahren auf der Pirsch auch irgendwann genug haben. Um’s mal biologisch auszudrücken.

NEWS: Ihr neues Programm heißt „Die Wahrheit – und nichts als die Wahrheit.“ Wo verläuft die Grenze zwischen Wahrheit und Beleidigung?
Pocher: Die Wahrheit tut oft weh.

NEWS: Sie können gut austeilen, aber wie ist es mit dem Einstecken?
Pocher: Ich muss genug einstecken. Es gibt gewisse Grenzen, die ich selbst nicht überschritten habe, das erwarte ich mir von anderen Leuten auch. Es hat mich noch nichts so getroffen, dass ich dachte, ich kann nicht mehr weitermachen. Im Notfall kann man sich rechtlichen Beistand suchen, wenn man sich in irgendeiner Weise verunglimpft fühlt.

NEWS: Wie gehen Sie damit um, wenn über Sie die Unwahrheit verbreitet wird? Man vermutete am Anfang Ihrer Beziehung zu Alessandra, diese sei ein PR-Gag. Tut das weh?
Pocher: Jeder kann schreiben, was er möchte. Wenn aber Dinge behauptet werden, die komplett falsch sind, muss man die über den Rechtsstaat klären. Recherche ist heute kein Thema mehr, man kann alles ins Netz stellen, das wird dann wiedergegeben und abgedruckt. Dann ist es eine Geschichte, mit der man sich auseinander setzen muss. Ich kriege das ja nur in kleinem Rahmen mit, wie es den Angelina Jolies und Brad Pitts dieser Welt gehen muss. Wenn aus einer Kleinigkeit ein weltweites Phänomen gemacht wird und vieles einfach nicht stimmt. Wenn man nachweislich weiß, man war nicht in Hamburg, aber ein Reporter behauptet, aus sicherer Quelle das Gegenteil zu wissen. Das ist Teil des Geschäfts.

NEWS: Werden Sie jemals Fotos von Ihren Kindern veröffentlichen?
Pocher: Nein. Das haben wir bisher gut durchgehalten. Ich habe auch nie ausführlich mein Privatleben in der Öffentlichkeit durchgewalzt. Meine Frau und ich sind seit drei Jahren zusammen und haben eine Familie gegründet. Wenn unsere Kinder alt genug sind, können sie selber entscheiden, wie sie damit umgehen wollen. Wenn sie in irgendeiner Form in der Öffentlichkeit stehen möchten, werden sie in mir den härtesten Kritiker finden.

NEWS: Wären Sie dagegen, wenn Ihre Kinder später auch ins Showbusiness gehen würden?
Pocher: Das kommt darauf an, ob Talent da ist. Dann würde ich meine Kinder immer fördern. Aber man muss natürlich ehrlich zu sich selbst sein. Wenn’s nicht reicht, muss man sie auch nicht ins „Supertalent“ reinprügeln. Außer es läuft beruflich bei mir gar nicht mehr. Dann habe ich das nie gesagt und es ist ein schöner Einspieler bei „Punkt 12“.

NEWS: Ist Ihre Familienplanung jetzt abgeschlossen?
Pocher: Das ist für uns aktuell kein Thema. Biologisch noch alles möglich. Aber wir haben nicht vor, demnächst in der Fußgängerzone aufzutreten.

NEWS: Sind Sie seriöser geworden?
Pocher: Gelassener. Viele Dinge sieht man entspannter und Relationen werden wieder hergestellt. Eine Kinderschutzimpfung ist einem wichtiger, als zehn Karten mehr zu verkaufen. Auch die Motivation fürs Ausgehen ist geringer geworden. Wenn man morgens früh aufstehen und Windeln wechseln muss, überlegt man sich’s zweimal bis 5 Uhr Früh in irgendwelchen Clubs rumzuhängen.

NEWS: Welche Rolle spielt Humor in Ihrer Ehe?
Pocher: Meine Frau musste sich humormäßig deutlich anpassen, aber sie ist immer für einen Spaß zu haben.

NEWS: Sind Sie überrascht, dass Ihr ehemaliger Talk-Partner Harald Schmidt nach seinem Comeback nun sinkende Quoten beklagen muss?
Pocher: Die Sendung hat zwei Ausgaben lang funktioniert und ist dann in abgestürzt. Jetzt wird es schwer die Erwartungshaltung wieder zu erfüllen. Ich weiss ja wo von ich spreche.

NEWS: Was kommt als nächstes?
Pocher: Im Februar starte ich mit meiner neuen Show „Alle auf den Kleinen“ bei RTL. Aktuell moderiere ich bei Sky die Sendung "Samstag Live!". Eine Traumsendung für mich. Ich kann jetzt jederzeit Fußball gucken und habe immer eine sensationelle Ausrede, dass ich das für den Beruf brauche.