EM-Qualifikation von

Okotie: "Ich fühle mich nicht als Held"

Goldtorschütze bei Österreich-Sieg gegen Russland lobt lieber Mannschaftsleistung

Okotie © Bild: APA/Punz

Österreichs Fußball-Nationalmannschaft befindet sich dank eines Spielers auf EM-Kurs, dessen Profi-Karriere vor nicht allzu langer Zeit am Ende schien. Als Rubin Okotie im vergangenen Jänner von der Austria zum dänischen Club SönderjyskE verliehen wurde, rechnete wohl niemand damit, dass der Stürmer jemals wieder eine Rolle im ÖFB-Team spielen wird.

Zehn Monate später darf sich Okotie als Siegestorschütze gegen Montenegro und Russland feiern lassen - und wirkte darüber nicht einmal sonderlich verblüfft. "Im Fußball weiß man eben nie, was passiert, das ist ein schnelllebiges Geschäft", meinte der Wiener nach seinem Goldtor am Samstag im Wiener Happel-Stadion gegen die Russen.

"Harte Arbeit zahlt sich aus"

Trotz vieler Verletzungen habe er immer an ein Comeback geglaubt. "Noch vor einigen Monaten war ich ganz woanders, als ich jetzt bin. Aber harte Arbeit zahlt sich aus. Man muss nach Rückschlägen aufstehen, und das habe ich getan", lautete die simple Erklärung des 27-Jährigen für den wundersamen Aufschwung.

"Großartige Mannschaftsleistung"

Seinen Anteil am Erfolg über Russland wollte Okotie nicht überbewerten. "Ich fühle mich nicht als Held. Es war eine großartige Mannschaftsleistung, jeder hat seinen Teil dazu beigetragen, dass wir gewonnen haben."

Der Legionär von 1860 München, der für seinen Club in dieser Saison bereits elf Pflichtspiel-Treffer erzielte, war in den dramatischen Sekunden rund um die 73. Minute der Hauptdarsteller. Zunächst wurde sein Schuss aus kurzer Distanz vom russischen Goalie Igor Akinfejew möglicherweise hinter der Linie abgewehrt, unmittelbar danach erzielte er - wohl aus Abseitsposition - das 1:0.

"Ausgleichende Gerechtigkeit"

"Ich war mir sicher, dass der erste Ball drinnen war. Wenn das Tor dann Abseits war, dann war das ausgleichende Gerechtigkeit", meinte der kurz zuvor für Marc Janko eingewechselte Angreifer.

Vorfreude auf Brasilien

Nun freut sich Okotie auf das Testspiel am Dienstag im Happel-Stadion gegen Rekordweltmeister Brasilien. "Das Russland-Spiel war die Pflicht, jetzt können wir die Brasilien-Partie in vollen Zügen genießen", sagte der achtfache ÖFB-Internationale (2 Tore). "Brasilien ist ein Weltklassegegner, da werden wir sehen, wie weit wir schon sind."

Im Kräftemessen mit der "Selecao" wird Okotie wohl von Beginn an stürmen, weil Janko schon die Rückreise nach Australien antrat. Sein Club Sydney FC spielt am Samstag in der A-League auswärts gegen Melbourne City. "Der Verein möchte mich relativ frisch fürs nächste Spiel haben, und diesem Wunsch muss ich mich beugen", erklärte der Ex-Salzburger.

Schmerzhaft für Janko

Gegen den fünffachen Weltmeister wäre Janko noch gern dabei gewesen. "Es ist sehr schmerzhaft, denn gegen Brasilien werde ich in meiner Nationalteam-Karriere wohl nicht mehr spielen können", vermutete der Goalgetter.

Durch die starken Auftritte von Okotie könnte Jankos Stammplatz in der ÖFB-Auswahl wackeln. Dennoch freute sich der 31-Jährige für seinen Konkurrenten um die Mittelstürmer-Position. "Es gibt in unserer Mannschaft keinen Neid und keine Missgunst. Wir wollen gemeinsam nach Frankreich fahren. Wer die Tore schießt, ist egal", betonte Janko und ergänzte: "Für Rubin ist das eine super Sache. Nach seiner langen Leidenszeit vergönne ich ihm das von ganzem Herzen. Er hat es sich verdient, im Rampenlicht zu stehen."

Der Australien-Legionär kam in seiner 59-minütigen Einsatzzeit nicht wie gewünscht zur Geltung. "Für mich war es ein relativ undankbares Spiel. Ich habe viel defensiv arbeiten müssen, und nach vorne ist nicht viel gegangen."

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