Gastkommentar von

Ohne Rücksicht auf das Stadtbild

Historische Bausubstanz wird abgerissen, städtebauliche Glanzleistungen sind rar.

Architekt und Karikaturist Gustav Peichl © Bild: APA/HERBERT NEUBAUER

Dass hierzulande mehr historische Bauten abgerissen werden als anderswo in Europa, ist die logische Konsequenz einer städtebaulichen Entwicklung, die sich bedrohlich manifestiert. Tatsache ist: Nie in den letzten 20 Jahren hat Wien ähnliche städtebauliche oder architektonische Qualität erreicht wie einst der Karl-Marx-Hof oder der Goethe- Hof. Die stadtplanerischen Fehlleistungen vonseiten der Kommunalpolitik in einer gesonderten Magistratsabteilung sind vielfältig und nach einem falschen Widmungskonzept entstanden. Die Tätigkeit dieser Abteilung hat der Stadt Wien umfangreichen Schaden zugefügt, denn der Vorgang der Stadtplanung war falsch angelegt: Die Investoren mit ihren tüchtigen Advokaten haben fertige Projekte entwickelt, die unter den Voraussetzungen der Gewinnmaximierung, ohne Rücksicht auf das Stadtbild, vorgelegt wurden.

Der umgekehrte und anderswo oft gepflogene Weg wäre, dass die Stadtplanung und ihre tüchtigen Beamten Widmungen nach Grundsätzen der architektonischen Gestaltung und des Stadtbildes ausarbeiten und diese dann den Investoren und deren Firmen vorschreiben. Ob eine Stadt gestalterische Qualität für das Wohlbefinden ihrer Bürger erreicht, hängt weitgehend von Bauten und Planungen in dieser Stadt ab. Wenn es uns nicht gelingt, die Zukunft durch Planung zu gestalten, werden wir keine haben.