Wien-Wahl von

ÖVP schließt als erste Partei Wahlkampf

Juraczka: Häupl werde "Abreibung" bekommen, Strache von "diffusen Ängsten" profitieren

Der Wiener ÖVP-Chef Manfred Juraczka während der Abschlusskundgebung der Wiener ÖVP am Donnerstag, 08. Oktober 2015, in Wien © Bild: APA/HERBERT PFARRHOFER

Kurz und schmerzlos: Auf einer Bühne unter den Arkaden vor ihrem Büro hat die ÖVP am Donnerstag als erste Partei ihren Wahlkampfabschluss begangen - im Eiltempo. Nach etwa zehn Minuten war nämlich schon wieder Schluss. Spitzenkandidat Manfred Juraczka konzentrierte sich in seiner Rede auf das Wesentliche. Es blieben noch drei Tage, um alle mit einem "durchaus respektablen Ergebnis" zu überraschen.

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Auf Bausch, Pomp und lange Reden wurde dieses Mal beim ÖVP-Wahlkampfabschluss verzichtet. Ursprünglich war geplant, das Event mit einer Bühne beim Michaelerplatz zu begehen, doch das regnerische Wetter machte der Partei einen Strich durch die Rechnung. Kurzerhand wurde umdisponiert und die Bühne vor dem Wiener ÖVP-Büro aufgebaut. Mit Luftballons geschmückt, mit Funktionären in gelben Westen umstellt und mit Falcos "Vienna Calling" vom Band, wurde der Endspurt eingeläutet.

Juraczkas 5-Minuten-Botschaft

Auch auf Programmpunkte und lange Reden wurde verzichtet. ÖVP-Wien-Chef Juraczka, der erstmals als Spitzenkandidat in eine Wahl geht, schaffte es, in rund fünf Minuten seine Botschaften unters Volks zu bringen. "Machen wir uns nichts vor, wir sind in diesem Wahlkampf durchaus durch einige Gewitterfronten geflogen", stellte er eingangs fest. Es sei nicht so einfach gewesen, beim Thema Flüchtlinge den Menschen den Verstand ans Herz zu legen. Man musste gegen Illoyalität und den "Verrat an den eigenen Werten" kämpfen, erinnerte er - ohne die Sache explizit beim Namen zu nennen - an den Übertritt von City-Bezirkschefin Ursula Stenzel zur FPÖ. Und man habe miterleben müssen, "was es heißt, in einer Stadt zu leben, wo eine linke Medienmaschinerie kaum ein gutes Haar an bürgerlichen Werten lässt", ließ er die vergangenen Wochen Revue passieren.

Häupl wird "seine Abreibung kriegen"

Auch die politische Konkurrenz wurde mit Worten bedacht: SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl werde am Sonntag für fünf Jahre Rot-Grün und "die fehlende Leadership" durch SPÖ-Bundeskanzler Werner Faymann "seine Abreibung kriegen". FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hingegen werde von den "diffusen Ängsten in dieser Stadt" profitieren. Aber es gebe keine einzige Umfrage, die wirklich zeige, dass mit einem Bürgermeister Strache zu rechnen sei, relativierte er: "Er spricht durchaus oft richtige Probleme an. Sein großes Problem ist nur, was die Antworten betrifft. Da bleibt er alle Erwartungen schuldig."

Und für das Politikverständnis der Grünen gab es kein Verständnis von Juraczka: "Ist es nicht wirklich verrückt, wenn wir bei 150.000 Arbeitslosen in dieser Stadt keine anderen Sorgen haben, als darüber zu streiten, wie die Radwege angestrichen werden?"

"Effizient, professionell und transparent"

Abschließend feuerte der Parteichef seine Funktionäre an, bis zur Landtags- und Gemeinderatswahl am Sonntag noch einmal ordentlich für die Volkspartei zu werben: Es blieben noch drei Tage, um den Wienern zu erklären, wofür die ÖVP stehe. Außerdem soll im Endspurt Platz drei gegen die Grünen gesichert werden. Denn wenn es nach Juraczka geht, soll am 12. Oktober, am Tag nach der Wahl, der im Wahlkampf vielbeworbene "Kurswechsel" eingeläutet werden. Weg von Rot-Grün, um Wien neu zu regieren: "Effizient, professionell und transparent." Worte, die von den ÖVP-Mitglieder und -Mandataren und einigen neugierigen Passanten goutiert wurden. Unter die Zuhörer hatten sich auch Kollegen aus der Bundespolitik gemischt: Familienministerin Sophie Karmasin und Staatssekretär Harald Mahrer.

Kommentare

Als ÖVP würde ich nicht so lautstark über "Häupl und seine Abreibung" reden. Ob die ÖVP als Sieger aussteigen wird darf bezweifelt werden.

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