Wien-Wahl 2015 von

ÖVP-Debakel: Juraczka tritt zurück

Wiens ÖVP-Chef nimmt nach dem schlechtesten Ergebnis aller Zeiten seinen Hut

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    Rücktritt von Wiener ÖVP-Chef Manfred Juraczka

    Wiener ÖVP Chef Manfred Juraczka tief betroffen am Wahlabend

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    Rücktritt von Wiener ÖVP-Chef Manfred Juraczka

    Beate Meinl-Reisinger (NEOS), Maria Vassilakou (Grüne), Michael Häupl (SPÖ), Heinz-Christian Strache (FPÖ) und Manfred Juraczka (ÖVP) am Sonntag, 11. Oktober 2015, anl. einer TV-Diskussion im Rahmen der Gemeinderats- und Landtagswahl in Wien

Manfred Juraczka tritt als Parteiobmann der Wiener ÖVP zurück. Nach dem auch österreichweit schlechtesten VP-Ergebnis aller Zeiten (vorläufiges Endergebnis: 8,7 Prozent) erklärte er, am Landesparteitag im Februar nicht erneut kandidieren zu wollen. Er stand der Partei seit 2012 vor.

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Die Wien-Wahl hat ihr erstes Opfer gefordert: Manfred Juraczka wird nach dem historisch schlechtesten Ergebnis der ÖVP bei einer österreichischen Wahl nicht erneut als Parteiobmann kandidieren. Das erklärte er unmittelbar nach den ersten Hochrechnungen am Sonntagabend. Am Landesparteitag im Februar 2016 solle ein Nachfolger gefunden werden.

Bis dahin will er noch im Amt bleiben, damit es einen "geordneten Übergang" gibt. Zumindest werde er das so am Dienstag dem Landesparteivorstand vorschlagen. "Wenn man aber meint, ich soll das Amt gleich zur Verfügung stellen, ist es mir auch recht", so Juraczka. Seinem Nachfolger würde er quasi gern noch etwas "Starthilfe" geben: "Ich werde meiner Partei vorschlagen, wenn sie das will, dass ich den vorbereite, dass wir uns da ganz in Ruhe überlegen, wie wir die richtigen personellen Entscheidungen auch stellen".

"Natürlich muss es auch an mir liegen"

Beschönigen will er das Ergebnis nicht. "Ich bin Spitzenkandidat, natürlich muss es auch an mir liegen", gab er sich zerknirscht. Er werde sich nicht "aus der Verantwortung stehlen" und sei kein Sesselkleber. Zugleich kritisierte er Grünen-Chefin Maria Vassilakou, die angekündigt hatte, bei einem Verlust zurückzutreten. Für sein Ergebnis einzustehen sei nämlich "eine Frage der politischen Kultur".

Auf die Frage, ob er sich jetzt völlig aus der Politik zurückziehen wird, sagte Juraczka: "Jetzt warten wir mal die ganzen Ergebnisse, die Vorzugsstimmen ab. Ich glaube, dass ich im Gemeinderat jedenfalls was beitragen kann. Aber das ist jetzt nicht das größte Thema." In seiner Rede bedankte er sich bei seinen Parteikollegen für ihre Unterstützung. Seine abschließenden Worte: "Ich wünsche dieser Wiener ÖVP, dass sie wieder wesentlich bessere Zeiten erlebt, als dieses wirklich schmerzliche Ergebnis."

Schlechteste unter 140 Landtagswahlen

Im vorläufigen Endergebnis (noch ohne Wahlkarten) von Sonntagabend liegt die ÖVP bei 8,7 Prozent. Das ist für die Partei ein absoluter historischer Tiefpunkt: Noch in keiner der bisher 140 Landtags- und 21 Nationalratswahlen bekam sie weniger als zehn Prozent Zustimmung. Sie ist auch erstmals bei einer Landtagswahl nur Vierte geworden. Das bisher schwächste ÖVP-Wahlergebnis gab es 2004 in Kärnten mit 11,6 Prozent.

Kommentare

Oberon
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Manfred Juraczka tritt zurück, weil er meint, das schlechte Wahlergebnis der ÖVP müsse auch an ihm liegen. Selten, dass ein Politiker so viel Einsicht zeigt, wie Herr Juraczka, was wertfrei(!) zu verstehen ist. Da könnte sich die Mitzi Vassilakou eine große Scheibe davon abschneiden. Es ist eine Frage der "politischen Kultur", meint Juraczka. Mit geradem Rücken zu seinen Misserfolgen stehen....

Oberon
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... Mit geradem Rücken zu seinen Misserfolgen stehen ist auch
eine Frage der Glaubwürdigkeit einer Partei. Meine Ansicht (ich war und bin kein ÖVP-Wähler).

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