ÖVP macht "Krone" zum Wahlkampfthema:
Missethon wirft Zeitung Parteilichkeit vor

Weigerung, ein bestimmtes ÖVP-Inserat zu schalten Anzeige war Leserbriefseite nachempfunden worden

ÖVP macht "Krone" zum Wahlkampfthema:
Missethon wirft Zeitung Parteilichkeit vor © Bild: APA/Hochmuth

Die ÖVP hat nun endgültig die "Krone" zum Wahlkampfthema gemacht. In einer eigens dafür einberufenen Pressekonferenz griff VP-Generalsekretär Hannes Missethon die Zeitung frontal an und zweifelte ihre Unabhängigkeit an. Grund für diesen Schritt ist die Weigerung der "Krone", ein ÖVP-Inserat zu schalten, das sich gegen das Blatt selbst wendet.

Die ÖVP wollte in der halbseitigen Anzeige, die der Leserbriefseite der "Krone" nachempfunden ist, "andere Briefe an die Krone" bringen. Darin wird u.a. die "Negativ-Berichterstattung" der Zeitung kritisiert und SPÖ-Chef Werner Faymann attackiert. So heißt es in einem Brief unter dem Titel "Europa gehört zu uns": "Ich kann diese Negativ-Berichterstattung in der Krone nicht mehr lesen. (...) Manchmal glaub ich fast, hinter der Krone stecken die Amis, die unbedingt Europa schwächen wollen."

Mediaprint-Geschäftsführer Franz Prenner meinte, in den "vermutlich fingierten" Leserbriefen würden die Konkurrenzparteien sowie die Zeitung selbst "beschimpft und verunglimpft". Die Werbeagentur sei nicht bereit gewesen, die Wortwahl zu verändern. Er akzeptiere eine "subtile und kritische Hinterfragung der Zeitung, aber warum soll sich die 'Krone' selbst beschimpfen lassen", so der Mediaprint-Geschäftsführer.

Missethon will "System" aufzeigen
Missethon wollte von einer Beschimpfung nichts wissen. Dass man nicht bereit gewesen sei, die Wortwahl zu ändern, begründete er damit, dass die Briefe echt seien und man in Leserbriefe nicht eingreifen wolle. Überhaupt gehe es darum, dass ein Teil der "Krone"-Leser und ein Teil Österreichs ausgeblendet werden. Man wolle daher dieses "System" aufzeigen, so Missethon.

Er warf dem Blatt vor, Teil der SPÖ-Kampagne zu sein. Wenn Herausgeber Hans Dichand Kanzler werden wolle, "soll er selber antreten und nicht einen Strohmann vorschicken". Die ÖVP will das Inserat nun im Internet oder als Information für Mitglieder veröffentlichen. An Einschaltungen in anderen Zeitungen sei nicht gedacht.

(apa/red)