ÖVP geht auf Fischer los: "Bundespräsident
will schnell einen roten Kanzler installieren"

Schützenhöfer: "In Wolle gefärbter Sozialdemokrat"<br>Harte Kritik wegen Schweigen zu Eurofighter-Vertrag SP-Cap: "Sollen wir uns für 1. Platz entschuldigen?"<br>Strache sagt ab: Schwarz-Blau-Orange "undenkbar"

Angesichts der Weigerung von Bundespräsident Heinz Fischer, wie von der ÖVP gewünscht zur Eurofighter-Beschaffung Stellung zu nehmen, häufen sich die Unfreundlichkeiten der Volkspartei in Richtung Staatsoberhaupt. Nach Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll kritisiert der steirische VP-Chef Hermann Schützenhöfer Fischers Schweigen zum Eurofighter-Vertrag: "Fischer war, ist und bleibt ein in der Wolle gefärbter Sozialdemokrat."

"Ich würde meinen, dass sich der Oberbefehlshaber des Heeres äußert. Man bekommt das Gefühl, dass es ihm nicht schnell genug gehen kann, einen roten Kanzler zu installieren", glaubt Schützenhöfer im "Kurier".

Aus der ÖVP kommen immer wieder besorgte Stimmen, wie denn eine Große Koalition überhaupt funktionieren könne. Der Wiener ÖVP- Chef Johannes Hahn sieht die "Gegensätze doch sehr diametral". Der steirische Landesgeschäftsführer Hannes Missethon kann sich gleich gar nicht vorstellen, wie eine Zusammenarbeit mit der SPÖ auf Bundesebene aussehen könne. Andere Varianten einer Koalition stellten sich "im Moment nicht", er könne das aber auch nicht ausschließen.

Strache: Schwarz-Blau-Orange "undenkbar"
FP-Chef Heinz Christian Strache deponiert indessen in mehreren Zeitungs-Interviews neuerlich seine Absage an eine schwarz-blau-orange Koalition und bezeichnet sie als "Undenkbar" ("Kurier") bzw. "Nonsense" ("Salzburger Nachrichten"). Ausgeschlossen wird von Strache auch die Unterstützung einer Minderheitsregierung.

Cap: "Höchste Zeit zu arbeiten"
Die Koalitionsverhandlungen dürften sich nun auf die inhaltliche Ebene begeben. SPÖ-Klubchef Cap hat die von der ÖVP geforderte Ehrenerklärung für den Mann von Gesundheitsministerin Rauch-Kallat in Sachen Eurofighter abgegeben, damit wurde der letzte Stein aus dem Weg geräumt. Überhaupt ist man in der SPÖ zurückhaltend unterwegs. FSG-Chef Haberzettl beurteilte das erste Gespräch positiv.

Die von VP-Obmann Schüssel getätigte Aussage, dass ja auch Dreier-Varianten möglich seien, ließ den Eisenbahner-Chef sichtlich ebenso ungerührt wie andere schwarze und rote Sticheleien. Es habe in den letzten Tagen generell keinerlei Signale gegeben, fand Haberzettl.

Cap merkte an, es sei "höchste Zeit" zu arbeiten: "Wir werden vom Steuerzahler schlicht dafür bezahlt, dass endlich in der Substanz etwas weiter geht". Beim Verhalten der ÖVP stelle sich die Frage, "sollen wir uns dafür entschuldigen, dass wir Erster geworden sind, oder was erwartet die Volkspartei?".

Burgstaller: "Team der Verletzten"
Salzburgs Landes-Chefin Gabi Burgstaller spottete unterdessen über die VP-Verhandler als ein "Team der Verletzten", weil sie eine Entschuldigung für den Roten Wahlkampf gefordert hatten. Sollte es im 2. Gespräch keine inhaltlichen Gespräche geben, will sie "auf den Tisch hauen".

Und Burgenlands Hans Niessl erinnerte die ÖVP an die Untergriffe gegen SP-Chef Alfred Gusenbauer: "Wenn jetzt die ÖVP weiterhin nur beleidigt ist, finde ich das persönlich merkwürdig." Er fordert eine Regierungsbildung bis Weihnachten: "Unser Verhandlungsteam steht immer zur Verfügung".

Erich Haider: "SPÖ muss Finanzminister stellen"
Oberösterreichs Landesparteichef Erich Haider eröffnete indessen das Match um die Schlüsselressorts der künftigen Regierung und forderte einen roten Finanzminister: "Der Finanzminister ist der wichtigste Mitarbeiter eines Bundeskanzlers. Den muss auf jeden Fall die SPÖ stellen."

VP-Generalsekretär Reinhold Lopatka wiegelt jedoch ab: Zur Beantwortung dieser Frage sei es noch zu früh. Jetzt würden gerade erst die inhaltlichen Verhandlungen beginnen, Personelles werde danach geklärt.

(apa/red)