Ötzi von

Wanderer entdecken Eismann

Deutsche stolpern am 19. September 1991 in den Ötztaler Alpen über berühmte Leiche

  • Bild 1 von 13 © Bild: APA/EPA/Südtiroler Archäologiemuseum

    Vor 20 Jahren entdecken Wanderer den Eismann in den Ötztaler Alpen in Südtirol.

  • Bild 2 von 13 © Bild: APA/EPA/Claus Felix

    Das deutsche Ehepaar Erika und Helmut Simon stößt zufällig auf die gut erhaltene Steinzeit-Mumie. Die beiden veröffentlichen später ein Buch über den Eismann.

Vor 20 Jahren stößt ein deutsches Ehepaar bei seiner Wanderung durch die Ötztaler Alpen auf eine Mumie im Gletschereis: Es ist Ötzi. Schnell wird der Fund zur Sensation, Wissenschaftler und Experten reißen sich um den über 5.300 Jahre alten Eismann. Um Ötzis Tod und sein Leben ranken sich die unterschiedlichsten Theorien. Und wie bei vielen Mumienfunden gibt es auch Gerüchte über einen Fluch.

Die Mumie wurde am 19. September 1991 nahe dem Hauslabjoch in den Ötztaler Alpen in 3.210 Meter Höhe gefunden. Die Entdeckung war deshalb so außergewöhnlich, weil Ötzi die einzige durch natürliche Gefriertrocknung mumifizierte Leiche aus der Kupfersteinzeit in Mitteleuropa ist.

Seit 1998 hat die Mumie im Archäologischen Museum in Bozen (Südtirol) ein cooles Plätzchen gefunden. Bei einer Temperatur von minus sechs Grad wird die Leiche in einer speziell angefertigten Kühlkammer gelagert. In Bozen findet heuer auch eine Sonderausstellung zum 20. Jahrestag der Entdeckung statt. Bis zum 15. Jänner 2012 können Besucher den Eismann bewundern. Ebenfalls sehenswert ist die lebensgroße Nachbildung von Ötzi. Die niederländischen Rekonstruktions-Experten Alfons und Adrie Kennis haben dem Eismann ein Gesicht und einen Körper gegeben.

Der Kriminalfall Ötzi
Auch wenn die Wissenschaftler schon viele Geheimnisse um Ötzi gelöst haben, bleibt einiges noch im Dunkeln: Die genauen Umstände seines Todes sind nach wie vor umstritten. Während einige Wissenschaflter von Mord ausgehen, glauben andere an eine kämpferische Auseinandersetzung.

Fakt ist: Experten konnten durch eine Computertomographie eine Verletzung am Rücken von Ötzi in der Nähe seiner linken Schulter feststellen. Die Wunde stammt von einem Pfeil, ist aber nicht die Todesursache. Das Pathologen-Team rund um Eduard Egarter-Vigl schlussfolgert, dass der Tod durch ein anschließendes Schädeltrauma erfolgt ist. Offen bleibt die Frage, ob die schwere Kopfverletzung durch einen Schlag auf den Kopf oder den Sturz nach der Pfeilverletzung entstanden ist. Einige Forscher sprechen von Mord. Egarter-Vigl und andere Experten sind von dieser Theorie nicht überzeugt. Sie glauben, dass der Eismann während einer kriegerisch- kämpferischen Auseinandersetzung ums Leben gekommen ist. Dafür spricht auch, dass die bei Ötzi gefunden Pfeilspitzen eine andere Machart haben, als diejenige im Rücken des Steinzeitmenschen. Sie könnte also von seinem Verfolger stammen. Von einer Auseinandersetzung zeugen auch Schnittverletzungen am linken Arm und den Händen von Ötzi sowie Kratzspuren am gesamten Körper.

Mord, Überfall oder Jagdunfall?
Eine Theorie, die der Innsbrucker Ur- und Frühgeschichtler Konrad Spindler vertritt, lautet, dass Ötzi nach einem Überfall auf sein Dorf in die Berge geflohen sei. Dabei könnte er vom Pfeil getroffen worden sein. Andere Theorien besagen hingegen, dass der Eismann bei einem Jagdunfall umgekommen ist oder bei einem Menschenopfer sein Leben verloren hat.

Der Fluch der Mumie
Gefunden wurde die Mumie damals von dem deutschen Ehepaar Erika und Helmut Simon. Heute lebt nur noch die Finderin. Ihr Mann ist im Oktober 2004 am Gamskarkogel in eine 100 Meter tiefe Schlucht gestürzt - nur 150 Meter vom Ötzi-Fundort entfernt. Auch sieben weitere Menschen, die mit dem Fund der Leiche in Verbindung standen, sind bisher ums Leben gekommen. Liegt auf der Mumie also ein Fluch? "Davon halte ich genau nichts. Das wurde alles nur hochgespielt. Das ist ein langer Zeitraum, in dem sich sehr viele Menschen mit Ötzi beschäftigt haben", sagt Erika Simon in einem Interview mit der Tiroler Tageszeitung.

Auf der Suche nach Verwandten
Mehr als 5.300 Jahre ist der Tod des Eismannes her, doch Ötzi könnte weiterleben - in den Genen seiner Nachfahren. Wissenschaftler sind daher gerade dabei der Frage nachzugehen, ob Ötzi Nachkommen hatte, die heute noch leben. Möglich wäre es: Frühere Untersuchungen haben ergeben, dass der Steinzeitmensch zur mitteleuropäischen Bevölkerungsgruppe gehört, wahrscheinlich war er Südtiroler.

Weiterführende Links:
Interview mit Ötzi-Finderin
Archäologisches Museum in Bozen