ÖSV und ÖOC in der Kritik: Karl Schweitzer ist vom Krisenmanagement enttäuscht!

Sportstaatssekretär will Dopinggesetz noch 2006 'ÖOC bestimmt mit Kommission Gesetz des Handelns'

Sportstaatssekretär Karl Schweitzer übte in einem Gespräch mit der APA Kritik am Krisenmanagement des ÖSV: "Es hätte viel besser sein können." Auch das ÖOC hätte seiner Meinung nach früher reagieren und die Fakten auf den Tisch legen sollen. Schweitzer: "Ich hätte mir offenere Verhältnisse gewünscht. Die Vorgangsweise war bis zu diesem Zeitpunkt eine unglückliche. Jetzt ist das Krisenmanagement ein sehr gutes."

Man sei aber bisher von den Informationen der Behörden und vom Bekanntwerden etwa der zweiten Razzia immer zum Handeln gezwungen worden und hinterher gelaufen. Jetzt, mit dem Einsetzen einer Untersuchungskommission, bestimme das ÖOC aber wieder "das Gesetz des Handelns", sagte Schweitzer. Zusatz: "Eine derartige Reaktion hätte ich mir aber schon früher gewünscht."

Einen gröberen Imageschaden für den gesamten österreichischen Sport sieht Schweitzer nicht: "Ich glaube, dass unsere Bewerbung für die Winterspiele 2014 nach wie vor sehr, sehr gut liegt." Auch sei er sich sicher, dass die 19 Medaillen, die ein "großartiges österreichisches Team" in Turin errungen habe, ausnahmslos von Sportlern gewonnen wurden, die "absolut clean sind". Schweitzer nannte in diesem Zusammenhang den dreifachen Medaillengewinner in der Nordischen Kombination, Felix Gottwald, als "Musterbeispiel".

Schweitzer bekräftigte, dass Österreich sich - wie zu Beginn der laufenden EU-Ratspräsidentschaft angekündigt - verschärft gegen Doping und Drogenmissbrauch im Allgemeinen einsetzen werde. Für Ende 2006 stellte der Sportstaatssekretär ein "österreichisches Dopinggesetz" auf Basis einer von der UNESCO verabschiedeten Liste aller verbotenen Substanzen in Aussicht. Über diese Liste muss wegen eines Formalfehlers aber am 1. März erneut im Europarat abgestimmt werden. Danach sollen in Österreich die Weichen für ein Dopinggesetz gestellt werden. Forderungen der Opposition nach einem verschärften Dopinggesetz in Österreich seien für ihn unverständlich: "Wie kann es ein verschärftes geben, da wir noch gar keines haben?"

Das Gesetz soll u.a. einem in erster Instanz wegen Dopings verurteilten Sportler die Möglichkeit geben, in zweiter Instanz ein Zivilgericht anzurufen, das dann auf Basis des neuen Dopingkodex entscheiden kann, den es bisher in Österreich nicht gegeben habe: "Bisher steht die Gesetzgebung ja im leeren Raum." Dadurch werde eine bessere Rechtssicherheit gewährleistet, sagte Schweitzer. Haftstrafen wegen Dopings wie in Italien, Frankreich oder Belgien und Methoden wie in Italien mit Doping-Razzien seien aber im österreichischen Dopinggesetz nicht vorgesehen. (apa/red)