ÖSV-Herren beginnen die Jagd auf Grange:
Großer Druck in Levi nach Hallen-EM-Patzer

Techniktrainer Höflehner erwartet sich Stockerlplatz Verfolgter Franzose relaxed: "Kugel heuer kein Muss"

ÖSV-Herren beginnen die Jagd auf Grange:
Großer Druck in Levi nach Hallen-EM-Patzer © Bild: APA/Gindl

Die erfreuliche Nachricht aus dem österreichischen Herren-Skiteam nach dem verpatzen Hallen-EM-Slalom in Amneville ist gewesen, dass dies nicht die tatsächliche Stärke des Technikerteams widerspiegeln soll. Denn natürlich haben sich Weltmeister Manfred Pranger und Kollegen entschiedener und gezielter auf Levi als auf die europäischen Indoor-Titelkämpfe vorbereitet, und Hallen- können nicht mit Freiluft-Events verglichen werden. Der Druck auf die ÖSV-Mannschaft ist jedenfalls groß, bis auf Raich (Fünfter) ist im Saison-Auftakt-Riesentorlauf in Sölden niemand in die Top Ten gekommen.

Draußen wie drinnen gefällt es dem Franzosen Jean-Baptiste Grange, der Titelverteidiger im Disziplin-Weltcup reiste als Europameister nach Levi und schickt sich an, den Österreichern auch heuer wieder einige schwer zu lösende Aufgaben zu stellen. Hinter Grange waren Ivica Kostelic (CRO), Julien Lizeroux (FRA), Weltmeister Manfred Pranger und Reinfried Herbst die stärksten Slalomläufer des vergangenen Winters, Mario Matt (soll sich in starker Form befinden) war Siebenter geworden, Marcel Hirscher Neunter und Benjamin Raich Zehnter.

Höflehner erwartet sich Stockerlplatz
Bei fünf Läufern unter den ersten Zehn der Weltrangliste erwartet sich Techniktrainer Christian Höflehner "schon einen Stockerlplatz" in Levi. Die finale Vorbereitung absolvierten alle außer Raich und Schönfelder auf der Reiteralm auf einer mit dem Sprühbalken präparierten Kunstschneepiste. Ganz gelang es aber nicht, die Levi-Bedingungen nachzuahmen, denn die Temperaturen nördlich des Polarkreises sind um einiges niedriger als in Österreich. So hatte zum Beispiel Herbst am Freitag beim Training und freien Skifahren in Levi seine Mühen mit der harten Piste. "Damit tue ich mir momentan noch sehr schwer, weil wir in den letzten Wochen meist auf leichtem Untergrund trainiert haben."

Wesentlich mehr Slalom trainiert im vergangenen Sommer als im jenen vorher hat Raich, der hofft, dass er heuer bezüglich Skiwahl etwas weniger herumprobieren wird müssen wie im WM-Winter. Grange jedenfalls hat die richtige Materialabstimmung schon gefunden, wie er in Levi erzählte. Und er hat bedeutend weniger Druck als zur gleichen Zeit vor einem Jahr: "Ich wollte unbedingt die Slalomkugel gewinnen und das ist mir gelungen. Heuer bin ich ganz relaxed, natürlich würde ich auch eine zweite nehmen, aber es ist kein Muss mehr", sagte der Franzose, der teamintern mit Lizeroux große Konkurrenz bekommen hat. Auf einen guten Start hofft Kostelic, der zuletzt im Mölltal trainiert hat. "Es ist ein wichtiges Rennen - besonders für das Selbstvertrauen."

Selbstvertrauen, das benötigt auch Rainer Schönfelder. Er gibt sein Weltcup-Comeback, am 6. Jänner 2009 bestritt er in Zagreb den bisher letzten Slalom dieser Kategorie, danach erlaubte die bereits in Sölden 2008 beim Einfahren erlittene Beinverletzung vorerst keine Rennen mehr. "Ich habe gelernt, besser mit mir umzugehen und geduldiger zu sein. Und so gehe ich auch in diese Saison. Ich mache Schritt für Schritt. Am Sonntag geht es für mich einmal darum, zu sehen, wo ich im internationalen Vergleich derzeit stehe", erklärte der Kärntner.

Svindal noch nicht dabei
Prominentester Abwesender in Levi ist der Norweger Aksel Lund Svindal, der in Miami seinen leicht beleidigten Unterschenkel auskuriert und am 28. und 29. November in Lake Louise für Abfahrt und ein Super-G zurückkehren will. Der US-Amerikaner Bode Miller bestreitet hingegen sein erstes Rennen seit dem WM-Slalom am 15. Februar 2009 in Val d'Isere (Ausfall) und dem vorzeitigen Saisonende: "Die Coaches und ich wissen, dass ich nicht in Topform bin, aber das Skifahren fühlt sich nicht so schlecht an. Ich hoffe, ich bringe in Levi beide Läufe runter", schrieb Miller in seinem Blog. (apa/red)