ÖSV-Adler fliegen in 14 Tagen um die Welt:
Schlieri und Loitzl wollen in Whistler siegen

Tiroler will Ammann endlich Gelbes Trikot abnehmen Nach Bewerb in Kanada geht es weiter nach Japan

ÖSV-Adler fliegen in 14 Tagen um die Welt:
Schlieri und Loitzl wollen in Whistler siegen © Bild: APA/EPA/Momot

Davon hätte Jules Verne, der Autor von "In 80 Tagen um die Welt" nur träumen können. Es ist zwar freilich kein Rekord, aber Österreichs beste Skispringer werden den Erdball auf Grund des Weltcup-Kalenders in knapp zwei Wochen umrunden. Am Anfang steht am Donnerstag der Flug zur Olympia-Generalprobe in den Whistler Olympic Park in Kanada, anschließend folgt die Reise nach Sapporo. Da soll dann schon das Gelbe Trikot des Weltcupleaders mit im Gepäck von Gregor Schlierenzauer sein. Gleich nach der Rückkehr aus Japan geht die Jagd für die Springer mit drei Stationen in Deutschland ohne Pause weiter.

Dem 19-jährigen Tiroler Schlierenzauer fehlen auf den führenden Schweizer Simon Ammann nur zwei Punkte, die er mit einer guten Performance in Whistler leicht aufholen kann. Zwischen diesen beiden steht allerdings auch noch Tourneesieger Wolfgang Loitzl, der in der unglaublichen Siegesserie der ÖSV-Springer eigentlich nun wieder "an der Reihe" wäre: Nach seinen drei Siegen in Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen sowie dem Doppelsieg von Schlierenzauer auf dem Kulm hatten sich die beiden die Siegerschecks in Zakopane geteilt, vergangenen Freitag gewann Loitzl, am Samstag Schlierenzauer.

"Potenzial noch nicht ausgeschöpft"
Cheftrainer Alexander Pointner freut sich über die bisher nie dagewesene Serie von sieben Siegen en suite einer Nation, ist aber nicht perplex ob der Stärke seiner "Adler". "Wenn ich ganz ehrlich bin, bin ich nicht überrascht. Das soll aber nicht überheblich klingen. Ich habe am Anfang der Saison gewusst, dass das ganze Potenzial noch nicht ausgeschöpft ist", meinte der Erfolgscoach gegenüber der APA.

Ziel ist es nun freilich, Simon Ammann 13 Monate vor den Olympischen Spielen eben hier die Weltcupführung abzujagen und Whistler mit guten Erinnerungen schon für 2010 zu verlassen. Pointner: "Man kann sagen, es ist Gleichstand. Zwei Punkte Unterschied machen definitiv nur in Planica (am Saisonende, Anm) etwas aus, jetzt unter der Saison ist klar, wer das nächste Mal vorne ist, wird sich das Gelbe Trikot überstreifen können. Und die Zeichen stehen für uns sehr gut."

Auf Adler wartet dichtes Programm
Die ÖSV-Equipe hat sich zu einer sehr späten Anreise entschlossen, kommt erst Donnerstagabend (Ortszeit) in Vancouver an. Qualifikaton ist am Freitag. Warum das? Pointner: "Ganz einfach deswegen, weil das Programm sehr dicht ist und wir uns auch vom Trainingsrhythmus her so vorbereiten, dass wir bestmöglich zu Hause regenerieren. Den Reisestress sind wir so gewohnt, dass wir versuchen, uns vor Ort sehr schnell umzustellen."

Die kurzen Zeiten zwischen den Bewerben sollen zu Hause für Regeneration und Konditions-Training genützt werden. Und im Flugzeug soll geschlafen werden, dafür werden Tickets in der Business-Klasse sorgen. "Da überlassen wir vor einer WM nichts dem Zufall", sagte Pointner vor dem ersten Trip seiner Mannschaft nach Whistler. Die meisten Springer kennen die Schanzen nur vom Ansehen der Weltcup-Kombination vom vergangenen Wochenende.

Vorfreude auf Olympia 2010
"Wir sind alle schon sehr gespannt, weil wir wissen, das ist nächstes Jahr der absolute Höhepunkt, der nur alle vier Jahre stattfindet", betonte Pointner, der schon sehr viele positive Dinge von den Olympia-Bakken gehört hat. "Sie sollen sehr gut zu unserer Art zu springen passen." Das klingt schon fast wie eine Drohung.

Die Topspringer sind auf jeden Fall auch für den Weiterflug nach Sapporo gebucht. "Wir lassen uns aber die Möglichkeit offen, in Kanada noch zu entscheiden, ob jemand nach Vancouver nach Hause fährt, um sich dort noch einem speziellen Training zu unterziehen", erklärte Pointner.

Auch für Doppel-Olympiasieger Thomas Morgenstern soll es nach vier Sprungeinheiten mit Co-Trainer Marc Nölke in Villach weiter aufwärts gehen. "Ich bin überzeugt, dass er noch einmal einen Schub nach vorne machen wird", kündigte der Cheftrainer an.

Keine Angst vor Versagen
Angst, dass seine Mannen mit Fortdauer der Siegesserie am Erwartungsdruck zerbrechen könnten, hat Pointner jedenfalls keine. "Mit dem Druck können wir umgehen." Man habe schon öfter gesagt, nun sei der Plafond erreicht, das Ende der Fahnenstange. "Irgendwie schaffen wir es doch Jahr für Jahr, dass wir wieder neue Akzente setzen." Wichtig sei, dass man sich von Begleiterscheinungen wie Rekorden, Ergebnissen oder auch erhöhter medialer und Publikumsaufmerksamkeit nicht treiben lasse.

Pointner, der in Begleitung des Nordischen Direktors Toni Innauer nach Kanada reist, wird in Sapporo übrigens durch Co-Trainer Nölke vertreten.

(apa/red)