ÖSV-Abfahrts-Star Mario Scheiber das
jüngste Sturz-Opfer: Wann handelt die FIS?

Kritik am Verband nimmt zu. Ski-Airbag soll kommen Michael Walchhofer: "Es ist einfach zu schnell"

ÖSV-Abfahrts-Star Mario Scheiber das
jüngste Sturz-Opfer: Wann handelt die FIS? © Bild: GEPA

Die Serie schwerer Stürze im alpinen Ski-Weltcup reißt nicht ab. Nur eine Woche nach Hans Gruggers fürchterlichem Crash in Kitzbühel erwischte es im Abfahrts-Training von Chamonix auch Mario Scheiber. Scheiber ist nach Marco Sullivan, Louis-Pierre Helie, Patrick Järbyn und Grugger bereits der fünfte Läufer innerhalb von fünf Wochen, der auf der Piste bewusstlos liegen blieb. Eine alamierende Bilanz, die die FIS immer mehr unter Druck setzt und zum Handeln zwingt. Denn auch die Kritik der Läufer wird immer größer.

Schon nach Gruggers Sturz in Kitzbühel hatte Ivica Kostelic den Welt-Skiverband scharf attackiert. "Als Senna in Imola gegen die Mauer krachte, hat es ein Erdbeben in der FIA gegeben und alles wurde geändert. Bei uns bleibt sogar der Sprung, bei dem ein schrecklicher Unfall passiert, gleich", wetterte der derzeit beste Skifahrer der Welt.

"Es ist einfach zu schnell"
In Chamonix appellierte Michael Walchhofer nach Scheibers Sturz aufgrund des immer höher werdenden Tempos in der Abfahrt an die Verantwortlichen der FIS: "Man muss sich etwas überlegen mit den Geschwindigkeiten, es ist einfach zu schnell. Und das Material darf auch nicht so aggressiv bleiben, wie es ist. Das muss wieder humaner werden."

Die Geschwindigkeitsdiskussion, die es auch immer wieder gebe, dürfe man nicht an der Maximalgeschwindigkeit aufhängen, meint FIS-Renndirektor Günter Hujara. "140 km/h auf einem Streckenteil, den die Läufer leicht beherrschen, kann überhaupt nichts bedeuten. Und 60 km/h auf einem Streckenteil, der die Läufer schon grundsätzlich überfordert, kann zu viel sein. Das Brüggli-S in Wengen mit 70 km/h stellt hohe Anforderungen, 155 im Hanegg ist für die Läufer keine große Anforderung."

Ständig sei man um Verbesserungen bemüht, sowohl was Entschärfungen auf der Strecke, als auch die individuelle Sicherheit des Läufers betreffe, erklärte Hujara.

Kommt Ski-Airbag?
Seit einem Jahr werde an der Entwicklung eines Anzuges mit einer Art Airbag-System mit Nackenschutz gearbeitet, ähnlich, wie er im Motorradsport verwendet werde. Aktuell befindet man sich in der Phase des Sammelns von Daten, vor allem die im Skisport freiwerdenden Kräfte sollen dabei in Zahlen gefasst werden. Das Projekt zur Entwicklung des Ski-Airbags soll bis 2013 dauern.

"Wir sind vielleicht in der Lage, in den nächsten zwei Jahren so etwas zu entwickeln", hofft der Deutsche. Dass es in einer Sportart, in der es um Wettkampf und veränderte Bedingungen gehe, zu Unfällen und Stürzen komme, werde man nie verhindern können. "So leid die uns tut."

Scheiber geht es nach der ersten Nacht im Mont-Blanc-Krankenhaus in Sallanches den Umständen entsprechend gut. "Ich bin zwar sehr müde und erschöpft, aber zum Glück habe ich keine Schmerzen. Das Wichtigste ist jetzt, dass ich ganz gesund werde und wieder alles normal tun kann", gibt sich das ÖSV-Abfahrts-Ass optimistisch.

(red)