Österreichweiter Betrug im großen Stil: 70 Millionen Euro Schaden durch Betrügerring

Landeskriminalamt NÖ ermittelt bereits seit 2009 Scheingesellschaften und atypisch stille Beteiligungen

Österreichweiter Betrug im großen Stil: 70 Millionen Euro Schaden durch Betrügerring © Bild: APA/DPA/Führer

Ein österreichweiter Betrügerring, der mit Anlageschwindel einen Gesamtschaden von rund 70 Mio. Euro verursacht hat, ist vom Landeskriminalamt Niederösterreich ausgehoben worden. Die Beamten aus dem Bereich Wirtschaftskriminalität kamen den Betrügern nach dreijährigen Ermittlungen bereits 2009 auf die Spur.

Nachdem nun die Erhebungen abgeschlossen sind, wurde der Fall von der Sicherheitsdirektion publik gemacht. Die Verdächtigen sollen Scheingesellschaften gegründet und Anlegern atypisch stille Beteiligungen um insgesamt 40 Mio. Euro daran verkauft haben. Dafür wurden ihnen hohe Verlustzuweisungen zugesichert. Um diese zu erschaffen, stellten die Gesellschaften Scheinrechnungen aus. Die Anleger konnten dann die Verluste anteilsmäßig zu ihren Beteiligungen von der Steuer abschreiben. Dem Staat dürfte auf diese Art ein Schaden von rund 32 Mio. Euro entstanden sein, so die Polizei.

Rund 15 Beschuldigte aus dem In- und Ausland sollen in die Taten involviert gewesen sein. Der mutmaßliche Haupttäter, ein 68-jähriger Wiener Neustädter, und drei weitere Österreicher im Alter von 30, 35 und 55 Jahren aus dem Raum Wiener Neustadt wurden im Juni 2009 im Anschluss an umfangreiche Hausdurchsuchungen festgenommen. Der 68-Jährige befindet sich immer noch in der Justizanstalt Wiener Neustadt in Untersuchungshaft. Die übrigen Personen wurden angezeigt.

Geschäfte seit 1998
Die Betrüger dürften seit 1998 auf diese Weise Geschäfte gemacht haben. Mehr als 2.000 Beteiligungen sollen in dieser Zeit von rund 1.000 Personen unterzeichnet worden sein. Die Anleger hatten von den kriminellen Machenschaften aber nichts gewusst, erklärte ein Ermittler. Sie müssen jetzt damit rechnen, dass sich der Staat die entgangene Einkommenssteuer zurückholt.

Die 40 Mio. Euro, die die Anleger für die Beteiligungen bezahlten, wurden über verschiedene Konten transferiert und sind schließlich bar abgeflossen - höchstwahrscheinlich an die Verdächtigen. Die Einvernahmen der Beschuldigten sind großteils abgeschlossen, sie sollen teilweise geständig sein.

(apa/red)