Österreichs Sport kriegt 2008 mehr Geld:
Erstmals über 100 Mio. Budget für den Sport

Staatssekretär Lopatka plant "Dachorganisation OSA" Schwerpunkte heuer von EURO bis Reformprozess

Österreichs Sport kriegt 2008 mehr Geld:
Erstmals über 100 Mio. Budget für den Sport

Viel ist 2007 passiert, viel bleibt im "Supersportjahr" 2008 auch abseits der EURO 2008 und von Olympia in Peking zu tun im österreichischen Sport. Und geht es nach Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka, dann bekommt Österreichs organisierter Sport irgendwann auch ein völlig neues Aussehen. Alle relevanten Sport-Institutionen sollen unter einem Dach, das derzeit den Arbeitstitel "Olympic Sport Austria" trägt, zusammengelegt werden.

29 Welt- und 35 Europameistertitel sind 2007 für Österreich geholt worden, berichtete Lopatka in einem Pressegespräch zum Thema "Bilanz und Ausblick" in Wien. Erstmals beträgt das Sport-Budget mehr als 100 Millionen Euro, was gegenüber dem Jahr 2000 einer Verdoppelung entspricht. Lopatka: "Der Sport in Österreich ist also gut unterwegs."

Gegen Doping und Fettleibigkeit
Schwerpunkte 2008 sind der Kampf gegen Doping, für den 1,2 Mio. Euro aufgewendet werden, sowie das Thema Schule und Sport. Zur zunehmenden Fettleibigkeit der österreichischen Kinder meinte Lopatka: "Jeder Bericht zeigt den dringenden Handlungsbedarf." Angesetzt werden soll deshalb künftig schon in den Kindergärten, die Mittel für die "Kooperation Schule - Sportverein" wurden von 1,8 auf 3,6 Mio. Euro verdoppelt.

Im Spitzensport wird die TOP-SPORT-AUSTRIA-Förderung nochmals auf 4,7 Mio. Euro erhöht und ist damit im Olympiajahr 2008 so hoch wie noch nie. Die Fußball-Europameisterschaft wiederum soll nicht nur touristische und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit bringen, sondern auch genutzt werden, um junge Menschen für alle Ballsportarten zu begeistern. Dafür werden 500.000 Euro zur Verfügung gestellt. Lopatka: "Österreich hat in den Mannschafts-Ballsportarten den Anschluss verloren." Die bei der EURO durchgeführte Fan-Arbeit soll in den Bundesliga-Alltag einfließen.

Dachorganisation
Ob auch der Plan einer Verschmelzung und Bildung einer einzigen Dachorganisation - dies ist Inhalt jenes Reformpaketes bzw. jener Sport-Zukunftsdiskussion, die in mehreren Gremien seit vergangenem September geführt wird und bis zum Tag des Sports 2008 zu Ergebnissen führen soll - schon 2008 konkreter wird, ist offen. Dass die derzeit fünf zuständigen Stellen (Länder, BSO, ÖOC, Topsport, Sporthilfe) irgendwann unter einem gemeinsamen Dach figurieren sollen, hat in der immer noch mehrheitlich politisch organisierten Sportorganisation des Landes natürlich auch Ablehnung hervorgerufen.

Lopatka ist aber überzeugt, dass nur dieser Weg der Konzentration zu einer echten Professionalisierung führt. Für den Staatssekretär gibt es z.B. bei der Förderung im Top-Sport - auch durch interne Berichte belegt - "zu viel Nebeneinander". Die Idee ist, ähnlich wie der DOSB in Deutschland unter einem Dach schwerpunktmäßig sowohl den Spitzensport wie auch den Gesundheits- und Breitensport zu organisieren. Lopatka: Wenn man sich die Vorstände von BSO (hat mit Peter Wittmann einen neuen Präsidenten/Anm.) und ÖOC anschaut, sitzen schon jetzt da wie dort fast durchwegs die gleichen Leute."

Umgesetzt werden könne das alles aber natürlich nur im Konsens mit allen Stellen, ist Lopatka klar. "Gegen die Dach- und Fachverbände kann man keine Reform durchsetzen."

Abseits dieser spannenden Perspektive, die mithelfen soll, Österreich im internationalen Sport konkurrenzfähig zu erhalten, sind viele unmittelbarere Dinge bereits umgesetzt. Wie etwa die neue und unabhängige, nationale Antidoping-Agentur NADA, die am 1. Juli 2008 ihre Aktivitäten aufnimmt und Doping wirkungsvoller bekämpfen soll als das bisherige System, in das auch die Sportverbände eingebunden waren. U.a. können Sportler dann rund um die Uhr und an jedem Ort getestet werden. Offen ist, ob auch der alleinige Besitz von Dopingmitteln über das Arzneimittelgesetz geahndet wird.

Österreich folgt damit der Leitlinie Europas, das sich im Kampf gegen das Doping weltweit an die Spitze setzen will, zuletzt beim WADA-Kongress aber einen Rückschlag hinnehmen musste. "Europa ist zwar in der Sache führend, insgesamt aber sicher noch nicht so stark, wie es sein sollte", ist auch Lopatka bewusst. Wie die restliche Welt mit dem Thema Doping umgehe, werde man an den Spielen in Peking erkennen können.

Gefahr Sportwetten
Eine zumindest genauso große Gefahr für den Sport stellt das Thema Sportwetten dar. Wetten und Fernsehkanäle hängen diesbezüglich eng zusammen, insgesamt kam es in den vergangenen Jahren speziell im Fußball zu einer Kostenexplosion und einer Konzentration auf wenige Länder wie England, Spanien oder Italien.

"Hier ist selbst die FIFA überfordert", hält Lopatka deshalb ein Einschreiten der Politik für sinnvoll. "Österreichs Fußball lukriert aus TV-Verträgen 14 Mio., die englische Premier League das Hundertfache. Wie soll man da auf Augenhöhe bleiben", fragt sich Lopatka. Sein Vorschlag: Die Einführung einer Gehaltsobergrenze (Salary Cap) wie in den amerikanischen Profisportarten.
(apa/red)