Österreichs größer werdende Rolle als Investor: Fast die Hälfte fließt in CEE-Raum

Nationalbank: Osteuropa wird immer wichtiger Direktinvestitionen überspringen 100-Mrd.-€-Grenze

Österreichs größer werdende Rolle als Investor: Fast die Hälfte fließt in CEE-Raum © Bild: APA/Schlager

Österreich spielt in den mittel- und osteuropäischen Ländern eine immer größere Rolle als Investor. Fast die Hälfte der gesamten österreichischen Direktinvestitionen fließen in den CEE-Raum, zeigt die jüngste Direktinvestitionserhebung der Oesterreichischen Nationalbank (OenB). "Die Welle geht weiter nach Osten", erläuterte der Direktor der Abteilung Statistik der OeNB, Aurel Schubert, bei einer Pressekonferenz anlässlich der Veröffentlichung des World Investment Reports der UNCTAD in Wien.

Gemessen am Beschäftigungszuwachs bei den österreichischen Auslandsbeteiligungen waren die Schwerpunktländer im Jahr 2006 Russland und Rumänien vor Serbien und der Ukraine. Von 3.273 erfassten Auslandsbeteiligungen lagen zu Jahresbeginn 2007 mehr als die Hälfte, nämlich 1.725, in der Region Mittel-, Ost- und Südosteuropa (MOEL-19), wertmäßig waren es 36,8 von 80,3 Mrd. Euro und von den 479.000 Auslandsbeschäftigten arbeiteten 345.000 (72 Prozent) in Mittel- und Osteuropa. Das im Ausland investierte Kapital ist besonders ertragreich: 7,5 Mrd. Euro erwirtschafteten die österreichischen Auslandstöchter im Berichtsjahr, die Eigenkapitalrentabilität lag bei 12,5 Prozent.

Ausländische Investitionen in Österreich
Bei den passiven Direktinvestitionen, also bei den ausländischen Investitionen in Österreich, blieb Deutschland mit 24 Mrd. Euro an Unternehmensbesitz und einem Anteil von 29 Prozent der wichtigste Investor in Österreich. Italien liegt - gepusht von der Übernahme der Bank Austria-Mutter HypoVereinsbank durch die UniCredit - mit 19 Mrd. Euro und einem Anteil von 23 Prozent aber bereits in "Sichtweite". Amerika rangiert mit 6,2 Mrd. Euro (davon aus den USA 4,7 Mrd. Euro) nur mehr knapp vor Asien mit 5,9 Mrd. Euro - davon entfielen 4,0 allein auf die Golfstaaten. Mit 0,6 Mrd. Euro Direktinvestitionen aus Mittel- und Osteuropa in Österreich zeigt sich, dass die Kapitalströme zwischen Österreich und CEE eine "Einbahn" Richtung Südost und Osten sind.

Aktive Direktinvestitionen
Der Wert der aktiven Direktinvestitionen beträgt 31,2 Prozent des österreichischen BIP, jener der passiven Direktinvestitionen 32,8 Prozent des BIP. Damit liegt Österreich deutlich über dem weltweiten Durchschnitt von 25 Prozent, aber unter dem EU-Mittelwert (45 Prozent aktiv und 38 Prozent passiv). Zum Jahreswechsel 2006/07 arbeiteten 479.000 Personen (+10,9 Prozent) im Ausland für Unternehmen, die österreichische Anteilseigner haben. Weit geringer ist die Zahl an Österreichern, die in unmittelbar in ausländischem Besitz stehenden Unternehmen in Österreich arbeiten (237.000 bzw. +7,6 Prozent).

Zunehmende Internationalisierung
Die jährliche Direktinvestitionserhebung der OeNB zeigt die zunehmende Internationalisierung und Verflechtung der österreichischen Wirtschaft: Zum Jahreswechsel 2006/07 belief sich der Wert strategischer Firmenbeteiligungen von Österreichern im Ausland - bewertet zu Marktpreisen - auf 80 Mrd. Euro. Der Wert der passiven Direktinvestitionsbestände betrug 84 Mrd. Euro. Angesichts von Neuinvestitionen von mehr als 20 Mrd. Euro im Jahr 2007 dürfte der Bestand aktiver wie passiver Direktinvestitionen mittlerweile die 100-Milliarden-Grenze überschritten haben, erläuterte Schubert.

Erstmals wurde auch die Rolle Österreichs als "Brückenkopf" für ausländische Konzerne analysiert: Dabei zeigt sich, dass etwa ein Drittel der aktiven österreichischen Direktinvestitionen auf regionale Hauptquartiere multinationaler Konzerne zurückzuführen ist, während zwei Drittel der Investitionen von "echt österreichischen" Konzernen stammen. (apa/red)