Österreichs Nummer 1 Austrian Aerospace:
ESA-Mitgliedschaft Voraussetzung für Erfolg

Seit schon zehn Jahren in der Weltraumtechnik tätig Wirkt an EU-Satellitennavigationssystem Galileo mit

Österreichs Nummer 1 Austrian Aerospace:
ESA-Mitgliedschaft Voraussetzung für Erfolg

Inmitten vieler Weltraum-Jubiläen begeht heuer mit Austrian Aerospace (AAE) auch eine heimische Instanz der Weltraumtechnik ein rundes Jubiläum. Vom "Erdvermesser" GOCE bis zum "Planetenjäger" Corot - bei fast allen bedeutenden internationalen Satellitenmissionen fliegt Hightech von AAE mit, sei es als schützende Thermalisolation, als Klapparm oder zentrale Elektronikeinheit.

Die Umsätze der im Dachverband Austrospace vereinten heimischen Weltraumfirmen belaufen sich laut AAE-Geschäftsführer Kowatsch insgesamt auf rund 40 Mio. Euro. Gut die Hälfte davon entfällt mit heuer voraussichtlich 20 Mio. Euro (2006: 16,8 Mio. Euro) auf AAE, die derzeit ca. 130 Mitarbeiter beschäftigt. Danach folgen Siemens und Magna Steyr mit Umsätzen jenseits der fünf Mio. Euro, weitere Unternehmen im Verband sind Plansee, Frequentis, Geoville, gcs und Thales.

Lukratives Geschäft mit Galileo?
Der "Wirtschaftsfaktor Weltraum" sei "für die nächsten drei Jahre vom europäischen Satelliten-Navigationssystem Galileo dominiert", wo unter anderem noch die ganze Infrastruktur und Bodenelemente zu entwickeln sind. Kowatsch hofft, dass die ständigen politischen Querelen über die Finanzierung bald zu einem Ende kommen, glaubt aber nicht mehr an eine Einigung vor Jahresende.

AAE hat einen Vertrag für die erste Galileo-Phase mit vier Satelliten und baut für den Testsatelliten "Giove-B" die zentrale Elektronikeinheit für den Signalgenerator. Der Start wurde immer wieder nach hinten verschoben und wird wohl erst 2008 stattfinden. Im Vollausbau, nunmehr für 2013 angepeilt, soll Galileo aus 26 Satelliten bestehen und dem US-Pendant GPS den Rang ablaufen. "Dann wird das System über Jahrzehnte betrieben, und es müssen natürlich immer wieder Satelliten aus dem Verkehr gezogen und nachgeschossen werden", hofft Kowatsch auf lukrative und langfristige Folgeaufträge.

ESA-Mitgliedschaft essentiell
Österreichs Mitgliedschaft bei der ESA ist für Max Kowatsch überhaupt "die Voraussetzung, um in der Weltraumtechnik mitzumachen". Am kommerziellen Markt könne man nur über ESA-Programme teilhaben. Kein Kunde würde eine Technologie verwenden, die zuvor nicht erfolgreich eingesetzt worden wäre.

Das Budget der ESA von rund 2,9 Mrd. Euro setzt sich aus Beiträgen der 17 Mitgliedsländer zusammen, Österreich war im vergangenen Jahr mit ca. 33 Mio. Euro beteiligt. Die Höhe der Rückflüsse schwankt je nach Programm, erklärte Kowatsch. Die AAE lukrierte im Vorjahr 60 Prozent des Umsatzes aus ESA-Programmen. "In den nächsten Jahren wird sich das bei 50 Prozent einpendeln", schätzt der AAE-Chef.

Internationale Etablierung
Generell sei die europäische Weltraumindustrie zu rund 60 Prozent von der ESA und nationalen Raumfahrtprogrammen geprägt, der Rest entfalle auf kommerzielle Aktivitäten, hier vor allem auf die Telekommunikation. In den USA, wo ungefähr sechs Mal so viel für Raumfahrt ausgegeben werde wie in Europa, sei bedingt durch den hohen Militäretat fast 90 Prozent der Weltraumindustrie institutionell und nur zehn Prozent kommerziell geprägt. Aber auch auf diesem schwierigen Markt konnte AAE bereits Fuß fassen, Partner sind dort Boeing und Space Systems/Loral. Letzteres Unternehmen ist der einzige ausschließlich kommerzielle US-Weltraumtechnik-Anbieter.

Vor kurzem hat AAE den ersten Auftrag aus Kanada erhalten, seit zwei Jahren gibt es kleinere Kontrakte mit China, nächstes Jahr scheint auch der japanische Markt in Griffweite. Umsatzmäßig größter Partner bleiben die USA, die stärksten Zuwächse werden künftig aber in China zu verzeichnen sein, so Kowatsch.

Dienstleistungen werden wichtiger
In Zukunft würden neben der "Hardware" vor allem Dienstleistungen an Bedeutung gewinnen, besonders die Auswertung von Daten - "bei Anbauflächen in der Landwirtschaft, für Grenzkontrollen, in Fragen der Migration oder für die Einhaltung internationaler Verträge". Langfristig das wichtigste Thema bleibt aber auf absehbare Zeit die Klimabeobachtung, glaubt Kowatsch. Bei GMES (Global Monitoring for Environment and Security), einem von der EU geplanten gemeinsamen europäischen System zur Erdbeobachtung, stehe man laut Kowatsch noch am Beginn der Entwicklungsphase. Auch hier ist AAE unter anderem mit GPS-Empfängern an Bord. (apa/red)