Österreichs Milchwirtschaft: Exporte und Ertrag top, aber Rückgang an Milchbauern!

2005 wenig Inlands-Dynamik, dafür Export-Rekordjahr Seit EU-Beitritt gab ein Drittel der Milchbauern Hof auf

Österreichs Milchwirtschaft: Exporte und Ertrag top, aber Rückgang an Milchbauern!

Österreichs Milchwirtschaft freut sich über ein gutes Jahr 2005. Die Dynamik am Inlandsmarkt fehle zwar nach wie vor, im Export wurden jedoch neue Rekordwerte erzielt, zog der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM), Hans Steiner, am Dienstag Bilanz. Damit haben sich Umsatz und Ertrag der Molkereien, aber auch der Bauernmilchpreis erneut verbessert. Die Zahl der Milchbauern ist aber im Vorjahr deutlich von 51.000 auf 48.000 (minus 6 Prozent) zurück gegangen.

Steiner geht davon aus, dass sich der Strukturwandel in Österreichs Milchwirtschaft weiter fortsetzen werde. Vor allem mit der Entkopplung der Agrarförderungen werde es nochmals einen "Schub" geben. In den nächsten 15 bis 20 Jahren könnte es um ein Fünftel weniger Milchbauern in Österreich geben, so Steiners "Hypothese". Die Entwicklung werde stark vom Einkommen abhängen. Seit dem EU-Beitritt hat ein Drittel der Milchbauern mit der Milchproduktion aufgehört, die Zahl der Verarbeiter ist aber auch um ein Drittel gesunken, räumte Steiner, der auch Geschäftsführer der Alpenmilch Salzburg ist, ein.

Zahl in Zukunft "relativ stabil"
Derzeit gibt es 93 Molkereien in Österreich, wobei die zehn größten Verarbeiter 85 Prozent des Umsatzes machen. Die Anzahl werde auch in Zukunft "relativ stabil" bleiben, weil viele in kleinen Nischenbereichen - vor allem Sennereien - tätig sind, deren Produkte gar nicht auf den Markt kommen, so Steiner.

Gesteigerte Energiekosten abgefangen
Die Umsätze der Milchverarbeiter sind 2005 mit 1,76 Mrd. Euro (2004: 1,74) leicht gestiegen. Die Milchanlieferung lag 2005 mit rund 2,62 Mio. Tonnen in etwa auf dem Niveau von 2004. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) lag bezogen auf die Betriebsleistung bei 1,3 Prozent, 1,7 Prozent 2004. Der Cash-Flow verringerte sich leicht von 5,5 Prozent auf 5,1 Prozent. Der Verwertungserlös der Molkereien je Kilogramm eingesetzter Milch konnte um 1,5 Prozent auf 62,82 Cent verbessert werden. Den Betrieben ist es laut Steiner somit großteils gelungen, die Kostensteigerungen in den Bereichen Energie, Verpackungen und Transport abzufangen.

Bauernmilchpreise leicht erhöht
"Vorbildlich geschlagen" haben sich die österreichischen Molkereien 2005 bei den Bauernmilchpreisen. Der Vergleichswert für Milch (4,2 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß, inkl. Mehrwertsteuer) wurde von 32,93 auf 33,02 Cent leicht erhöht. Dies sei eine "hervorragende Leistung" dar, waren doch im internationalen Vergleich - z.B. in Deutschland, Holland und Frankreich - durchwegs Preiseinbußen beim Milchgeld zwischen 1,5 und 3 Prozent zu verzeichnen. Inklusive Milchprämie (2,36 Cent) ist der Bauernmilchpreis 2005 um 1,2 Cent gestiegen.

Exportschlager Joghurt und Käse
Auf einen neuen Rekord von 725 (714) Mio. Euro sind die Exporte von Milchprodukten und Käse im Vorjahr gestiegen. Dem standen Importe im Ausmaß von 408 Mio. Euro (427) gegenüber. Besonders erfolgreich für die heimischen Molkereien habe sich der Export bei Joghurt und Käse entwickelt.

Schwierige Rahmenbedingungen
Mit einem Anteil von 41 Prozent in der Milchwirtschaft ist Österreich überdurchschnittlich stark im Export tätig. Daher seien Wettbewerbsfähigkeit und innovative Produkte umso wichtiger, hieß es in Richtung Forderungen der IG Milch nach einem Milchpreis von 40 Cent je Liter. "Die Rahmenbedingungen gehen in eine andere Richtung", sagte Steiner: "In Holland wurde der Konsumentenpreis für Milch zuletzt von 49 auf 39 Cent gesenkt".

Zukunft liegt in neuen EU-Staaten
Noch Potenzial für heimische Milchprodukte sieht Steiner in den neuen EU-Ländern. Mit Exporten von 27 (17) Mio. Euro konnte man zwar schon "Fuß fassen", der Außensaldo sei aber negativ, vor allem auf Grund von Joghurt-Einfuhren aus Polen und Tschechien und Butter-Importen für die Verarbeitungsindustrie und für Handelsmarken. (APA/red)