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Österreichs Imame unterzeichneten
Deklaration gegen Extremismus

Islamische Glaubensgemeinschaft verurteilt Anschläge und ruft zur Integration auf

Glaube - Österreichs Imame unterzeichneten
Deklaration gegen Extremismus © Bild: APA/Neubauer

Die Imame der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) haben am Mittwoch eine Deklaration gegen Extremismus und Terror unterzeichnet. In dem Dokument, das von mehr als 300 Geistlichen verabschiedet wurde, werden nicht nur sämtliche Anschläge weltweit verurteilt, es wird auch zur Integration der Muslime aufgerufen. IGGiÖ-Präsident Ibrahim Olgun sprach von einem historischen Tag.

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Die Initiative für die Deklaration sei von den Geistlichen selbst ausgegangen, betonte Olgun in einer kurzen Rede. "Deklaration der Imame in Österreich gegen Extremismus, Gewalt und Terror", lautet dessen genauer Titel. Appelliert wird darin an sämtliche Muslime, einen Beitrag zum friedlichen Zusammenleben in Österreich zu leisten. Weiter heißt es: "Wir verurteilen terroristische Gewalttaten in der ganzen Welt." Zudem werden die Mitglieder der Glaubensgemeinschaft dazu angehalten, in sämtlichen gesellschaftlichen Bereichen teilzunehmen.

Die Imame warnen in ihrer Deklaration auch vor Rassismus jeglicher Art, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit. Eine dadurch angeheizte Stimmung wäre "ein perfekter Nährboden für extremistische Tendenzen in vielen Teilen der Gesellschaft", heißt es darin. Das Dokument war am Mittwoch bereits von 312 Geistlichen unterzeichnet und soll an Parlamentarier, Religionsgemeinschaften und NGOs gehen.

Mehrere Punkte haben die Imame in ihrer Deklaration, die vor dem Islamischen Zentrum in Wien-Floridsdorf, Österreichs größter Moschee, am Mittwoch unterzeichnet wurde. Neben der Verurteilung terroristischer Gewalttaten wird darin etwa auch festgehalten, "dass es zur Aufgabe eines jeden Muslims und jeder Muslimin gehört, sich für die Sicherheit und den Frieden des Landes sowie seiner Bürger und Bürgerinnen aktiv einzusetzen".

Betont wird in der Deklaration auch, "das Festhalten an verfassungsrechtlichen Prinzipien in der Republik Österreich, darin eingeschlossen und besonders hervorzuheben die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz, Pluralismus, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit". Zudem unterstrichen die islamischen Geistlichen die Bedeutung der Präventions-und Deradikalisierungsarbeit, vor allem im Zusammenhang mit Jugendarbeit.

Gleichzeitig warnen die Imame vor einer "pauschalierten Stigmatisierung der muslimischen Bevölkerung und antimuslimischen Rassismus in Österreich". In der aktuellen Situation sei es wichtiger denn je, "klar zu differenzieren", um religiöse Minderheiten vor populistischem Missbrauch und Anfeindungen zu schützen. Auch der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ) appellierte an alle Konfessionen an einem Strang zu ziehen, um Hetzern keine Chance zu lassen.

Auch die Integration der Muslime in Österreich ist den Geistlichen in ihrer Deklaration ein Anliegen. "Wir, die Imame Österreichs, betrachten den Dienst an der Gesellschaft als eine der besten Handlungen, zu welcher der Islam immer wieder aufruft und fordern deshalb die Muslime zur aktiven Teilnahme in den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen auf", wurde in dem Dokument festgehalten.

Olgun hofft nun, dass die Botschaft der Deklaration - besser als vergangene einzelne Distanzierungen von Terror-Attacken - in der Bevölkerung ankommt. "Eine Religion, die für Frieden steht, kann keine fundamentalistischen, terroristischen oder radikalen Züge haben", betonte er vor der Unterzeichnung. Vielmehr werde bei Anschlägen im Namen des Islam der Glaube "beschmutzt". Dennoch werde man in den österreichischen Moscheen weiterhin Toleranz und Liebe predigen.

Von den mehr als 300 Unterzeichnern waren rund 180 persönlich zum Akt gekommen, weitere Geistliche haben sich laut IGGiÖ etwa via E-Mail deklariert. Noch ein paar Tage haben auch Imame, die nicht der IGGiÖ angehören Zeit, zu unterschreiben. Dann sollen Kopien an Politiker sowie Vertreter der Glaubensgemeinschaften und der Zivilgesellschaft ergehen. In naher Zeit ist noch ein weiterer symbolischer Akt, eine Menschenkette von der Moschee bis zur nächstgelegenen christlichen Kirche geplant.

Kommentare

hallo... was nutzt das unterzeichnen, die realität sieht doch anders aus.

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