Österreichs 1. Gegner sucht seine Hochform: Kroatiens Verteidigung als Chance für ÖFB

Erkämpft sich bei Generalprobe 1:1 gegen Ungarn Heimische Medien sparen nicht mit scharfer Kritik

Österreichs 1. Gegner sucht seine Hochform: Kroatiens Verteidigung als Chance für ÖFB © Bild: APA/Kosticsak

Kroatien ist eine Woche vor dem EURO-Auftaktspiel gegen Österreich nicht in bestechender, geschweige denn beängstigend guter Form. Bei der Generalprobe in Budapest erkämpften sich die "Feurigen" im wahrsten Sinne des Wortes ein 1:1 gegen Ungarn. Die Abwehr ließ zwar wenige Chancen zu, wirkte aber nicht immer sattelfest, das technisch starke Mittelfeld setzte gegen aggressive und laufstarke Ungarn kaum Akzente und die Sturmspitzen kamen zudem nicht zur Entfaltung.

Nur die unmittelbare Anfangsphase war so, wie sich das Teamchef Slaven Bilic erwartet hatte: Mit schnellem, technisch anspruchsvollem Spiel erzeugten die Kroaten vor 9.000 Zuschauern, davon etwa 1.000 Kroaten, im Ferenc-Szusza-Stadion von Budapest Gefahr vor dem gegnerischen Tor. Die von Neo-Trainer Erwin Koeman gut eingestellte und sehr ambitionierte ungarische Elf hielt über die gesamte Spielzeit voll dagegen und ließ die Kroaten durch laufintensives Pressing nicht zur Entfaltung kommen.

Kovac mit Köpfchen
Nur aus einer Standardsituation kam die Bilic-Elf, die in den beiden Testspielen vor der EM aus dem Spiel kein Tor erzielt hat, zum Erfolg. Nach einem von links gut angetragenen Eckball von Srna war Red-Bull-Salzburg-Mittelfeldspieler Niko Kovac in der 24. Minute per Kopf zur Stelle - ähnlich wie beim 1:0-Goldtor gegen Moldawien vor einer Woche in Rijeka.

In Hälfte zwei änderte Bilic sein 4-4-2-System in eine 4-2-3-1-Formation. Modric, Kranjcar und Rakitic, der Olic ersetzte, sollten die einzige Sturmspitze Petric versorgen und selbst für Gefahr sorgen. Doch die Ungarn hielten weiter gut dagegen und setzten den Kroaten mit viel Kampf zu.

Abwehr als "Achillesferse"
Zudem wirkte die kroatische Abwehr in einigen Situationen nicht sattelfest, obwohl sie nur wenige Chancen zuließ. Gegen schnelle Stürmer könnten vor allem die etwas schwerfällig wirkenden und nicht gerade sprintstarken Innenverteidiger Robert Kovac und Simunic ins Wanken geraten. Obwohl sich Bilic nach dem Spiel vor allem mit der Leistung seiner Viererkette "sehr zufrieden" zeigte, bleibt diese die "Achillesferse" des Österreich-Gegners.

Bilic beklagte, dass einige Schlüsselspieler nicht den besten Tag erwischten. Damit meinte er wohl vor allem seine Mittelfeldspieler. Vor allem Niko Kranjcar setzte sein Potenzial ganz links im Mittelfeld nicht einmal im Ansatz um. Zudem zeigte er Schwächen in der Defensive. Die Ungarn hätten auf ihrer rechten Außenseite mit raschen Diagonalpässen für mehr gefährliche Aktionen sorgen können. ÖFB-"Spion" Willi Ruttensteiner dürfte das in seinem Notizblock vermerkt haben.

Bilic bleibt cool
Der kroatische Coach zeigte sich trotz der mäßigen Leistung seines Teams aber nicht besorgt: Mit dem gerechten 1:1 gegen einen "starken Gegner" sei er "im Großen und Ganzen" zufrieden. Weniger schmeckte ihm, dass seine Offensivabteilung nur wenige Chancen herausarbeitete.

Dennoch: "Ich habe Vertrauen in meine Burschen und glaube, dass sie gegen Österreich explodieren werden". Gegen den Gastgeber werde es sicher nicht einfach werden. "Das haben wir schon bei der Auslosung gewusst. Niemand darf erwarten, dass das ein Spaziergang wird", warnte Bilic. Damit will er sicher auch die enorme Erwartungshaltung der kroatischen Öffentlichkeit, die drei Punkte gegen Österreich als "Pflicht" betrachtet, etwas dämpfen.

"Verteidigung voller Löcher"
Weniger erfreut reagierten die kroatischen Medien auf die schwache Darbietung der Kroaten. "Wir haben weiterhin keinen Angriff", zürnte die in Zagreb erscheinende Sport-Zeitung "Sportske novosti" in ihrer Sonntags-Ausgabe. Damit nicht genug machte die Tageszeitung "24sata" eine "Verteidigung voller Löcher aus" und befand erschüttert: "Es fehlt uns an Kampfkraft." Auch die Zagreber Zeitung "Vercernji list" hat Zweifel. "Ungarn brachte Sorgen vor der EM", titelte das Blatt und nahm Bilic mit den Worten "Warnung an Slaven Bilic" in die Pflicht. (apa/red)

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