Österreichische Wirtschaft zurückgefallen:
Umfrage mit 1.175 europäischen Managern

Deutsche Wirtschaft: Wettbewerbsfähigste in Europa Österreich hinter Schweiz, Deutschland und England

Die deutsche Wirtschaft ist nach Einschätzung von europäischen Spitzenmanagern die wettbewerbsfähigste in der Euro-Zone. In Sachen Konkurrenzfähigkeit hat der österreichische Nachbar in der Meinung der europäischen Firmenbosse gehörig aufgeholt, berichtet das "Handelsblatt".

Die noch im Vorjahr als "besseres Deutschland" gehypte Alpenrepublik Österreich fiel hingegen zurück und wurde europaweit von der Schweiz, Deutschland und Großbritannien überholt, so die Ergebnisse des "Handelsblatt Business Monitor International".

Deutsche Wettbewerbsfähigkeit verbessert
Insgesamt wurden für die Umfrage im November und Dezember des Vorjahres 1.175 europäische Top-Manager aus sechs Ländern vom Hamburger Psephos-Institut befragt. Bestnoten von 2,5 (auf einer Skala von 1=sehr gut bis 5=sehr schlecht) erhält Deutschland bei den Top-Managern nicht zuletzt durch den Regierungswechsel im November 2005 von Rot-Grün auf Schwarz-Rot. Noch im Jahr 2005 lag die Bewertung bei einer Durchschnittsnote von 2,8. Mit der großen Koalition unter Federführung der schwarzen Kanzlerin Angela Merkel habe sich die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen deutlich verbessert, glauben 56 Prozent der befragten deutschen Spitzenkräfte und 44 Prozent von Europas Führungselite. Einen "psychologischen" Effekt nennt dies der Mainzer Politikwissenschafter Jürgen Falter im "Handelsblatt".

2,6 für Österreich
Österreichs Volkswirtschaft erhielt im abgelaufenen Jahr wie schon 2005 die Durchschnittsnote 2,6 durch die europäischen Unternehmensspitzen. Schlechter schnitten Italien mit 3,0 (2005: 3,3) und Frankreich mit 3,2 (2005: 3,1) ab. Europas beste Wirtschaftsnoten konnte in den Augen der Unternehmensführer aber die Schweiz mit 2,4 (2005: 2,6) erzielen. Auch Großbritannien verbesserte sich mit einem Durchschnittswert im Vorjahr von 2,5 leicht gegenüber 2005 (2,6).

China weiter vorne
Uneingeschränkt liegt aber China mit einer Traumnote von 1,8 (2005: 1,9) an der oberen Skala der international konkurrenzfähigsten Volkswirtschaften. Die USA wurden im Vergleich 2006 mit 2,5 beurteilt und verschlechterten sich damit gegenüber dem Vergleichszeitraum 2005 (2,4).

"Überdurchschnittliche Lohnzurückhaltung"
Für den Chefvolkswirt der Dresdner Bank, Michael Heise, gab die beharrliche Restrukturierung deutscher Unternehmen den Ausschlag für die dynamische Entwicklung in Deutschland. Diesmal sei diese nicht als "kurzfristige Erscheinung" aufgetreten. Ähnlich argumentiert das deutsche private Wirtschaftsforschungsunternehmen Global Insight: Die "überdurchschnittliche Lohnzurückhaltung" der deutschen Gewerkschaften habe einen wichtigen Beitrag dazu geleistet.

Verluste von Arbeitsplätzen
Dieser Prozess sei jedoch mit "schmerzlichen Einschnitten" und "anfänglichen" Verlusten von Arbeitsplätzen einher gegangen, kommentiert das deutsche Wirtschaftsblatt. Die deutschen Unternehmen hätten früher als andere Europäer mit diesem "mühevollen Prozess" begonnen und könnten so früher die Früchte ernten.

Ausländische Chefs besser
Übrigens sind die ausländischen Führungskräfte auch deutlicher von der Stärke der deutschen Wirtschaft überzeugt als ihre inländischen Kollegen, heißt es. So sollen ausländische Chefs deutsche Konzerne besser steuern. Ein Beispiel dafür ist etwa der Österreicher Wolfgang Mayrhuber, der seit 2003 die Vorstandsspitze der deutschen Lufthansa bildet.

(apa/red)