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Ärztetage: Die Influenza
bleibt unberechenbar

Viren kommen und verschwinden - Medienberichterstattung oft falsch fokussiert

Die Influenza bleibt unberechenbar. Neue Influenza-Viren oder Varianten kommen, verschwinden oder bleiben - und niemand weiß den Grund dafür. Die Medienberichterstattung ist teilweise falsch fokussiert. Das zeigt ein Vortrag von Reinhard Würzner von der Abteilung für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie der MedUni Innsbruck bei den Österreichischen Ärztetagen in Grado (bis 2. Juni).

Eindeutig am katastrophalsten war die Spanische Grippe am Ende des 1. Weltkrieges mit rund 30 Millionen Todesopfern. Die A(H1N1)-Erreger zirkulierten bis 1957 weltweit. "Dann kam die Asiatische Grippe durch einen A(H2N2)-Stamm. Die Spanische Grippe verschwand vom Erdball - und zwar völlig", sagte der Experte. Die Asiatische Grippe forderte rund vier Millionen Todesopfer. Warum die Viren der Spanischen Grippe "ausgerottet" wurden, ist unbekannt.

1968 tauchte die Hongkong Grippe auf (A(H3N2). An ihr starben zwei Millionen Menschen. Seither gibt es keine Viren-Abkömmlinge der Spanischen Grippe mehr. Doch die nachfolgende Russische Grippe aus dem Jahr 1977 (eine Million Todesopfer) verdrängte die Erreger der Hongkong Grippe nicht. Diese zirkulieren bis heute, jede Influenza-Vakzine enthält auch Antigene dieses Virustyps. Die Erreger einer Englischen Grippe (Jahr 2000/A(H1N2)) verursachten keine weltweite Epidemie.

Anders war das bei der Schweinegrippe-Pandemie 2009/2010. Während in der Öffentlichkeit und in den Medien immer wieder die Rede davon war, dass diese A(H1N1)-Influenza sozusagen "halb so wild" gewesen sei, sprechen die Statistiken eine andere Sprache. Es gab laut Würzner weltweit rund 500.000 Todesfälle. Junge Menschen, Schwangere und Adipöse erkrankten oft besonders schwer.

Der Experte zitierte Daten aus Neuseeland und Australien: "Ein Prozent der Frauen sind dort zu einem gegebenen Zeitpunkt schwanger. 2009 machten in den beiden Ländern aber Schwangere 9,1 Prozent der Patienten auf Intensivstationen aus." 5,3 Prozent Adipösen in der Allgemeinbevölkerung standen fast 29 Prozent Adipöse auf den Intensivabteilungen gegenüber.

Warum jüngere Menschen von der Schweinegrippe stärker betroffen waren, erklären sich die Experten mittlerweile so: Bis zum Auftauchen der Asiatischen Grippe im Jahr 1957 zirkulierte noch immer der A(H1N1)-Stamm der Spanischen Grippe. Damit hatten die Geburtsjahrgänge davor offenbar zumindest eine teilweise Immunität erworben, weil sie wahrscheinlich irgendwann in ihrem Leben mit dem Virus in Kontakt gekommen waren. Das war bei den Jüngeren nicht mehr der Fall. Die Schweinegrippe mit den oft schwer betroffenen Schwangeren führte dazu, dass seither allen werdenden Müttern im dritten Schwangerschaftsdrittel dringend zur Influenzaimpfung geraten wird.

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