Österreicher kaufen wieder mehr ein: Handel 2006 mit Umsatzplus von 1,4 Prozent

Schmuckhandel Gewinner, Bekleidung Verlierer Kundenfrequenz um 0,5 Prozent zurückgegangen

Österreichs Einzelhandel hat im Vorjahr das beste Ergebnis seit fünf Jahren eingefahren. Mit einem realen Umsatzplus von 0,7 Prozent - was einem nominellen Plus von 1,4 Prozent entspricht - wurde ein Umsatz von 43,1 Mrd. Euro erwirtschaftet. Die Kundenfrequenz ist dagegen 2006 erneut um 0,5 Prozent zurückgegangen. Für 2007 rechnen KMU Forschung Austria und Händler mit einem Anhalten der guten Entwicklung, was sich in einem realen Wachstum von zumindest 1 Prozent niederschlagen soll.

Der Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Erich Lemler, verspürt "frischen Wind im Handel". Schon über das Weihnachtsgeschäft, bei dem unter dem Strich 1,43 Mrd. Euro - nominell um 2 Prozent mehr als 2005 - umgesetzt wurden, sei man "sehr glücklich", wenngleich der späte Schneefall einigen Branchen Probleme machte. Wie erwartet haben viele Spätkäufer die Weihnachts-Bilanz noch ins Positive gedreht, hieß es.

Umsatzverlierer Bekleidungshandel
Eine differenzierte Entwicklung habe es im Bekleidungshandel gegeben: während das Weihnachtsgeschäft gut gelaufen sei, war diese Branche im Gesamtjahr gemeinsam mit dem Papierfach- und Buchhandel unter den Umsatzverlierern. Sieger war der Uhren- und Schmuckeinzelhandel, ergänzte Peter Voithofer, der stellvertretende Direktor der KMU Forschung Austria.

Radio-, Elektro- EDV- und Fotohandel vorne
Real konnte auf Grund der größten Preissenkungen der Radio-, Elektro-, EDV-und Fotoeinzelhandel mit Umsatzsteigerungen von mehr als 6 Prozent mit Abstand das beste Branchenergebnis erzielen. Der Lebensmittel-, Bekleidungs-, Papier- und Bucheinzelhandel sowie der Einzelhandel mit Eisenwaren, Bau- und Heimwerkerbedarf konnten das Umsatzniveau des Vorjahres mengenmäßig nicht erreichen, wobei das Minus im Papier- und Buchhandel und bei den Baumärkten am höchsten ausfiel.

In allen Regionen positiv
Regional betrachtet verlief die Umsatzentwicklung 2006 im Durchschnitt in allen Regionen positiv, im gesamten Bundesgebiet wurden nominelle Umsatzzuwächse verzeichnet, in den südlichen und westlichen Bundesländern fielen sie mit 1,7 Prozent deutlich höher aus als im Osten mit 0,8 Prozent. Größere Geschäfte mit mehr als 1 Mio. Euro Umsatz haben besser als kleinere abgeschnitten.

Kundenfrequenz rückgängig
Abgeschwächt habe sich zudem 2006 der Rückgang der Kundenfrequenz. Für 2007 geht Voithofer von einer Fortsetzung dieser Entwicklung aus und erwartet sogar eine Trendumkehr - und damit wieder mehr Kunden im Handel.

70 Prozent erwarten keine Änderung
Noch nicht ganz spiegelt sich laut Voithofer die verbesserte Lage im Stimmungsbild der Einzelhändler wider: Die Zahl derer, die in den kommenden drei Monaten eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage erwarten, beträgt 18 Prozent (2005: 21 Prozent). Der Anteil der Unternehmen, der eine Verschlechterung befürchtet, ist mit 12 Prozent gegenüber 2006 gleich geblieben. Keine Änderung erwarten 70 Prozent.

Beitrag zur Beschäftigungssicherung
Jedenfalls hat der Einzelhandel auch 2006 wieder einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung und Schaffung von Beschäftigung in Österreich geleistet: Im Jahresdurchschnitt waren im Einzelhandel 244.200 unselbstständig Beschäftigte (ohne geringfügig Beschäftigte) tätig, das sind um 1,7 Prozent mehr als 2005. Zum Vergleich: die Zahl der geringfügig Beschäftigen, die im Handel einen Anteil von 10 Prozent einnehmen, hat um 0,4 Prozent zugenommen. Seit 1998 sei die Zahl der unselbstständig Beschäftigten im Einzelhandel um 16.000 gestiegen, im Handel insgesamt um 30.000 Mitarbeiter.

(apa/red)