Österreicher weiter mit größter EU-Skepsis:
Nur noch 49% halten Union für "gute Sache"

Unzufriedenheit in den Bereichen Arbeit und Soziales EU-Zustimmung insgesamt in 15 Ländern gesunken

Die Zustimmung der EU-Bürger zur Europäischen Union geht weiter zurück. Waren nach einer Oktober-Umfrage im Auftrag der EU-Kommission 2005 noch 50 Prozent für die EU, hielten nach einer am Freitag veröffentlichten Befragung Ende Februar/Anfang März dieses Jahres nur noch 49 Prozent die EU für "eine gute Sache". Schlechte Noten bekommt die EU vor allem bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, beim Schutz der sozialen Rechte und bei der Sicherstellung von Wirtschaftswachstum. Die EU-Kommission sieht sich in Summe aber immer noch besser bewertet als die nationalen Regierungen.

Österreich, das seit Jahresbeginn den EU-Ratsvorsitz hält, erwies sich in der neuen Umfrage erneut als das mit Abstand EU-kritischste Land. Exakt ein Drittel der österreichischen Bevölkerung hält die EU demnach für eine schlechte Sache, gefolgt von Großbritannien und Finnland mit jeweils 25 Prozent Ablehnung. Als "gute Sache" bewerten die EU 31 Prozent der Österreicher, 33 Prozent der Briten und 36 Prozent der Finnen. In Österreich ist die Zahl der Befürworter damit seit Oktober noch einmal um einen Prozentpunkt gesunken. Noch geringer ist die EU-Zustimmung derzeit mit 29 Prozent in Lettland, für dezidiert schlecht halten die EU aber nur 14 Prozent der Letten.

Zustimmung sinkt in vielen Ländern
Entgegen anders lautenden Vorberichten in Medien ist die Zustimmung zur europäischen Gemeinschaft von Oktober bis März nicht nur in drei sondern gleich in 15 Ländern gesunken. Die Zustimmung zur Richtung, in die Dinge auf europäischer Ebene gehen, sei dagegen auf 39 Prozent gewachsen, betonte die EU-Kommission am Donnerstag. Was die Politik in ihrem eigenen Land betreffe, glaubten dagegen nur 34 Prozent der Europäer, dass die Dinge in die richtige Richtung laufen. Umgekehrt meinten 43 Prozent aller Europäer, dass die Politik in ihrem eigenen Land in die falsche Richtung gehe und nur 27 Prozent meinten das für die EU, betont die Kommission.

In Österreich zeigt sich allerdings auch hier ein umgekehrtes Bild. Während nur 24 Prozent die Auffassung vertreten, dass die EU die richtige Richtung eingeschlagen hat, unterstützen mit 29 Prozent immer noch mehr Österreich den Kurs der nationalen Ebene. Und auch die Zahl der Kritiker an der Linie der heimischen Politik war mit 36 Prozent geringer als am Kurs der EU, den 44 Prozent der Österreicher für falsch halten.

Trotz aller Kritik erwiesen sich die Österreicher im jüngsten Eurobarometer aber nicht als Einsiedler. 68 Prozent der Österreicher - deutlich mehr als der EU-Durchschnitt - hat in den vergangenen zwölf Monaten ein anderes EU-Land besucht und jeder zweite Österreicher hat sich in den vergangenen zwölf Monaten mit zumindest einmal mit einem Leuten aus einem anderen EU-Land getroffen.

(apa/red)