Österreicher kaufen immer mehr Bio-Milch:
Bauernbund fordert bessere Kennzeichnung

Heimische Verarbeiter rechtzeitig auf Trend reagiert In Zukunft soll Bio auch Milchexport weiter ankurbeln!

Im Lebensmittelhandel werden mit 1,32 Mrd. Euro rund 10 Prozent des Umsatzes mit Milch und Milchprodukten gemacht, beschreibt der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM), Hans Steiner, die bedeutende Rolle der heimischen Molkereien im Handel. Nach Bier sei Milch (frisch und haltbar) die zweitwichtigste Produktgruppe.

Im Vorjahr habe es eine "stabile, aber differenzierte Entwicklung" am heimischen Milchmarkt gegeben: In der weißen Palette (Milch, Milchmischgetränken, Butter, Naturjoghurt) wurde wertmäßig ein Plus, mengenmäßig im Vorjahr ein Minus erzielt. Bei Trinkmilch gab es allerdings ein Minus von 8 Prozent in der Menge - im Gegensatz wurde um 57 Prozent mehr ESL-Milch (extendes shelf life) verkauft. Damit ist der Marktanteil dieser länger haltbaren Milch im Frischmilchmarkt auf 12 Prozent gestiegen.

Hälfte der Verarbeiter Gentechnik-frei
Festzustellen sei eine vermehrte Nachfrage nach Bio- und gentechnikfreien Produkten, so Steiner. Die heimischen Molkereien haben jedoch rechtzeitig darauf reagiert, so dass mittlerweile die Hälfte der Verarbeiter Produkte aus GVO-freier Fütterung anbietet. Gentechnikfreie Milch bzw. Milchprodukte könnten auch im Export künftig einen Zusatznutzen für die österreichischen Verarbeiter bringen, zeigte sich der VÖM-Präsident zuversichtlich. Derzeit werde der Bedarf erhoben.

Steiner: Bei Milch weniger Kennzeichnungsbedarf
Zu der vom Bauernbund vergangene Woche präsentierten Initiative zu einer besseren Kennzeichnung von heimischen Milchprodukten meinte Steiner, dass es bei Milch den "geringsten Handlungsbedarf" gebe, zumal 100 Prozent der Frischmilch das AMA-Gütesiegel tragen und damit klar sei, dass es sich um einen heimischen Rohstoff handle. Ansetzen sollte man vielmehr bei Obst und Fleisch, wo nicht immer klar sei, woher es komme. Wichtig bei der geplanten Verordnung sei jedenfalls, dass auch der Lebensmittelhandel mit seinen Eigenmarken mit ins Boot genommen werde.

Bauernbund-Direktor Fritz Kaltenegger betonte in einer ersten Reaktion, dass der Bauernbund nur wolle, dass "draufsteht, was drinnen ist". Mit der geplanten Verordnung soll die Herkunft von Milchprodukten für den Konsumenten klar erkennbar und transparent sein.

Verarbeiter fürchten weitere Liberalisierung
Mit großer Sorge verfolgen die heimischen Milchverarbeiter die laufenden WTO-Verhandlungen, die für die Milchbauern einen weiteren deutlichen Liberalisierungsschub bedeuten. Steiner hofft, dass die europäische Agrarpolitik keine weiteren Zugeständnisse mehr macht. Denn selbst wenn es nur noch eine einzige Molkerei in Österreich gäbe, wäre diese von der Größe her nur im unteren europäischen Mittelfeld angesiedelt.

Ziel sei es jedenfalls, den Bauern auch heuer wieder einen höheren Milchpreis auszahlen zu können. (APA/red)