Österreicher wollen keinen Ärztestreik:
Maßnahmen für drei Viertel klar überzogen

76,7 Prozent lehnen in Umfrage den Ärztestreik ab Für zwei Drittel geht es Ärzten nur um eigenes Geld

Österreicher wollen keinen Ärztestreik:
Maßnahmen für drei Viertel klar überzogen
© Bild: APA/Artinger

Mehr als drei Viertel der Österreicher lehnen einen Ärztestreik entschieden ab. Nach einer jüngsten Umfrage von Oekonsult sehen 76,7 Prozent der Befragten den angedrohten Ärztestreik nicht für angemessen und berechtigt. Nur 23 Prozent glauben, dass eine Arbeitsverweigerung der Mediziner verständlich wäre. Allerdings hat zuletzt die Ärztekammer signalisiert, unter Umständen ihre Streikdrohungen wieder zurückzunehmen.

Zwei Drittel der Befragten sind der Meinung, dass es den Ärzten bei den Protestmaßnahmen zum überwiegenden Teil um das eigene wirtschaftliche Fortkommen gehe (66,1 Prozent), ein Drittel attestiert den Medizinern, dass ihnen vorrangig das Wohl der Patienten am Herzen liege (33,6 Prozent). Mehr als skeptisch sind die Österreicher auch darüber, dass nahezu alle Ärzte in den meisten Fällen völlig frei von jeglichem Einfluss der Pharmawirtschaft Medikamente verschreiben. Nur 37,2 Prozent sind dieser Ansicht, 62,4 Prozent glauben dies nicht.

Überwiegend wird die sogenannte "Aut idem"-Regelung (der Arzt verschreibt den Wirkstoff, der Apotheker wählt das günstigste Medikament) befürwortet. 75,9 Prozent bestehen nicht auf dem teureren Originalmedikament, nur 23,9 Prozent schon.

Hoffnung auf Verbesserungen für Patienten
Befragt zu den Erwartungen für die Gesundheitsreform betreffend Verbesserungen oder Verschlechterungen ergeben sich unterschiedliche Bilder. So meinen 28,9 Prozent, dass es Verbesserungen für Pharmaunternehmen geben wird, 45,6 Prozent glauben hier an Verschlechterungen. Umgekehrt ist die Erwartung bei den Apotheken - hier erwarten 55,6 Prozent Verbesserungen und nur 7,0 Prozent Verschlechterungen. Für die Patienten selbst wird ein positives Bild gezeichnet: 43,9 Prozent erhoffen sich Verbesserungen, nur 14,8 Prozent fürchten Verschlechterungen.

Bei den Ärzten wiederum glauben lediglich 26,6 Prozent an Verbesserungen, 29,9 Prozent erwarten Verschlechterungen. Die stärkste positive Erwartungshaltung haben die Befragten bei den Krankenkassen mit 81,7 Prozent, nur 5,7 Prozent äußerten sich negativ. Und für die Gesundheitsfinanzen besonders wichtig: 68,8 Prozent sehen eine Verbesserung für das Gesundheitsbudget des Bundes, nur 20,3 Prozent eine Verschlechterung.

Bei der Beurteilung der betroffenen Ressortchefs schneidet Sozialminister Erwin Buchinger etwas besser ab als Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky. Buchinger attestieren 45,8 Prozent, eine ausgezeichnete Arbeit geleistet zu haben, Kdolsky bringt es hier auf 42,2 Prozent.

(apa/red)