Österreich führt im Wirtschaftsmatch 1:0: Wiedervereinigung hat Deutsche geschwächt

Weniger Arbeitslose & höheres Wirtschaftswachstum Mercer-Studie: Gehälter in Österreich aber niedriger

Österreich führt im Wirtschaftsmatch 1:0: Wiedervereinigung hat Deutsche geschwächt © Bild: AP/Punz

Im Wirtschaftsmatch zwischen Österreich und Deutschland steht es (noch) 1:0 für die Alpenrepublik, so die Einschätzung der beiden heimischen Wirtschaftsforschungsinstitute IHS und Wifo. Der Grundstein für den Vorsprung wurde laut IHS-Chef Bernd Felderer in den 80er-Jahren gelegt, allerdings sei es den Nachbarn gelungen, in den vergangen drei bis vier Jahren kräftig aufzuholen. Außerdem dürfe man die Belastung des deutschen Haushalts durch die Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland nicht vergessen.

Derzeit sei es aber noch so, dass Österreich bei allen wirtschaftlich wichtigen Kennzahlen die Nase vorne habe, so Felderer im Gespräch mit der APA. Und Deutschland kämpfe nach wie vor mit sehr hohen Steuern und einer starken Regulierung des Marktes. Andererseits "exportieren die Deutschen wie wild". Wifo-Konjunkturexperte Marcus Scheiblecker verweist auch auf die Budgetdisziplin der deutschen Regierung, wodurch das Budgetdefizit stärker als in Österreich reduziert werden konnte. Dafür leide Deutschland noch stärker als Österreich unter dem schwachen Konsum.

Weniger Arbeitslose & höheres Wirtschaftswachstum
Laut einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmen Mercer steht es 2:1 für Österreich. Weniger Arbeitslose, höheres Wirtschaftswachstum und günstigere Lebenshaltungskosten würden für Österreich sprechen, während die Deutschen mit einen höheren Pro-Kopf-Einkommen punkten. "Zwar zeigt Österreich mit einem BIP-Wachstum von zuletzt 2,5 Prozent (Deutschland: 1,9 Prozent) Überlegenheit beim Ballbesitz, im Abschluss an der Gehälter-Front punkten aber die Deutschen. Besonders zeigt sich das bei Führungspositionen: Ein Country-Manager in einem Unternehmen bis 50 Mitarbeiter in Deutschland verdient durchschnittlich 147.282 Euro jährlich. Sein Kollege in Österreich macht den gleichen Job für 130.975 Euro", so die Studienautoren.

Ein Grund dafür sei die "risikofreudigere Spielanlage", heißt es in der Mercer-Studie. Teils variable Bonuszahlungen machten mehr als ein Viertel für den deutschen, aber nur ein Fünftel für den österreichischen Manager aus. "Dieses sicherheitsbetonte Spiel gereicht in diesem Match Österreich zum Nachteil, noch verschärft durch die höhere Inflationsrate von 2,1 Prozent gegenüber 1,7 Prozent in Deutschland".

"Österreich, das bessere Deutschland"
Die Diskussion, wer besser wirtschaften kann, ist zwischen Deutschland und Österreich zuletzt vor genau zwei Jahren hochgekocht. Damals hatten deutsche Medien getitelt: "Österreich, das bessere Deutschland" oder "Warum Österreich Spitze ist". Damals war die Rot-Grüne-Regierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder gehörig unter Druck, nicht zuletzt wegen explodierender Arbeitslosenzahlen, während Österreich die Talsohle am Arbeitsmarkt noch halbwegs gut überstand.

Und so sieht es laut Wifo aktuell aus: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf beträgt in Österreich heuer 54.822 Dollar (35.747 Euro), in Deutschland sind es 49.530 Dollar. Heuer soll das BIP in Österreich um 2,1 Prozent steigen, in Deutschland um 1,8 Prozent, nächstes Jahr soll sich der Abstand auf 1,7 Prozent gegenüber 1,5 Prozent Wachstum weiter verkleinern. Die Arbeislosenquote beträgt hierzulande derzeit 4,1 Prozent, in Deutschland sind es 7,3 Prozent. Dafür punkten die Deutschen bei der Inflationsrate: Österreich verzeichnet aktuell 3,5 Prozent, Deutschland 3,1 Prozent. Allerdings war der Unterschied zur Jahrtausendwende auch schon weit größer: Deutschland 1,4 Prozent, Österreich 2,3 Prozent.

(apa/red)